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Das Geheimnis von Sechzehneichen

Brandenburger Dorf als ARD-Filmtitel Das Geheimnis von Sechzehneichen

Weshalb ein ARD-Film so heißt, wie ein zur Gemeinde Wusterhausen gehörendes Dorf, wusste bislang so gut wie niemand. Die Zuschauer von „Sechzehneichen“ können sich zumindest anhand dieses Horrordramas allein keinen Reim darauf machen. Drehbuchautor Achim von Borries löst das Rätsel jetzt auf.

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Laura (Heike Makatsch) mit Mann Nils (Mark Waschke) und Tochter Fanny leben im fiktiven Wohnpark „Sechzehneichen“, einem Ghetto der Reichen.

Quelle: Hessischer Rundfunk

Sechzehneichen. „Sechzehneichen? Das gibt es? Nie gesehen.“ Landwirt Reinhard Timm winkt ab. Johann Timm aber, ein Verwandter, der ein paar Häuser weiter in diesem Dorf lebt, kann mitreden: „Gruselig, einfach nur gruselig“, sagt der Rentner. „Wie die Männer da untereinander mit ihren Frauen rummachen!“ Zwei Mal schon hat Timm den Film „Sechzehneichen“ gesehen, den Kritiker einordnen als ein Thrillerdrama, Psychothriller oder Horrordrama. Seit mehr als drei Jahren läuft diese ARD-Produktion schließlich hin und wieder im Öffentlich-Rechtlichen. Und sie macht Timm ratlos. „Ich habe nicht verstanden, was das soll. Keine Ahnung, was das mit unserem Ort zu tun hat. So etwas wie im Film gibt es hier doch gar nicht.“

Ein Kolonistendorf, 1784 errichtet für zunächst 20 Familien

Sein Sechzehneichen ist ein knapp mehr als 60 Einwohner zählendes Dorf. Es gehört zur Gemeinde Wusterhausen. Einen weiteren Landwirt gibt es dort, einen Zimmermann und in der Nähe eine Pilzfarm. Einen Ortsvorsteher jedoch hat dieses Straßendorf seit etwa zwei Jahren nicht mehr. Dorffest sollte damals gefeiert werden. Mangels Mitstreitern fiel es ins Wasser. Der Ortsvorsteher warf das Handtuch. Dabei gab es bis dahin regelmäßig Feste in Sechzehneichen. 1984 war es das wohl größte anlässlich des damals 200. Dorfgeburtstags. 2006 war die 222er Schnapszahl an der Reihe und 2009 das Jubiläum „225 Jahre“.

Entlang der Dorfstraße von Sechzehneichen stehen noch sechs Bäume, die über 200 Jahre alt sein dürften

Entlang der Dorfstraße von Sechzehneichen stehen noch sechs Bäume, die über 200 Jahre alt sein dürften.

Quelle: Matthias Anke

Wie dort 1784 auf grüner Wiese alles begann, was es mit dem Dorfnamen auf sich hat, davon gibt es nicht nur eine Version. Alles aber hat mit Eichen zu tun. Laut Reinhard Fischers Werk „Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin“ wurde das Kolonistendorf auf Erlass Friedrich des Großen angelegt. Zehn Doppelhäuser wurden gebaut, bewohnt von 20 Familien. Der Ortsname soll von 16 Eichen stammen, die dort standen. So wiedergegeben ist das auch im Online-Lexikon „Wikipedia“ nachzulesen.

Noch heute flankieren sechs mächtige Exemplare, die aus dieser Zeit stammen dürften, die Dorfstraße. Eine dieser Eichen wächst vor Reinhard Timms Gehöft. Er, der einst selbst jahrelang der Ortsvorsteher war, verweist jedoch auf 16 jüngere Bäume, die um den Friedhof herum gepflanzt wurden. Die „Ursprungseiche“ soll demnach ein Baum mit 16 Auslegern gewesen sein, aber längst nicht mehr existieren.

Die noch heute den Friedhof umringenden Eichen wurden später gepflanzt

Die noch heute den Friedhof umringenden Eichen wurden später gepflanzt. Sie sind deutlich schmaler als die Exemplare von 1784.

Quelle: Matthias Anke

Auf der Internetseite der Gemeinde Wus­terhausen indes wird erklärt, dass der Ort angelegt wurde als einer von vielen, „um den Bevölkerungsmangel nach den Kriegen auszugleichen und die Wüstungen in der Mark Brandenburg wieder nutzbar zu machen. Sechzehn Häuser wurden mit Unterstützung der Staatskasse gebaut und 16 Eichen, vor jedem Haus eine, gepflanzt“.

Sechzehneichen: Reichen-Ghetto mit unterwürfigen Frauen

Dagegen ist Sechzehneichen im Film ein ganz anderer Ort, eine sogenannte „Gated Community“. Es ist ein bewachter, moderner Luxuswohnpark mit unterwürfigen, gehirnlosen Damen ganz im Zeichen von „Die Frauen von Stepford“ (verfilmt 1975 und 2004).

Die Bewohner von „Sechzehneichen“ feiern gerne

Die Bewohner von „Sechzehneichen“ feiern gerne. In dem echten Dorf sucht man eine ähnliche Location vergeblich.

Quelle: HR

Zum Sechzehneichen-Inhalt: Laura (Heike Makatsch) lebt zusammen mit ihrem Mann Nils (Mark Waschke) und ihrer kleinen Tochter in Frankfurt. Doch Laura machen heftige allergische Hustenanfälle in der schlechten Großstadtluft zu schaffen. Die Familie beschließt, aufs Land zu ziehen. Die „Gated Community“ lockt mit schönem Haus und zauberhaften Nachbarn in geschützter Umgebung. Nils befreundet sich mit den Männern. Doch Laura fremdelt mit den Leuten, betrachtet die Gemeinschaft kritisch – zurecht. Ein Alptraum beginnt.

Unternehmer Nils  (Mark Waschke) überredet seine Frau Laura (Heike Makatsch) zum neuen, unbeschwerten   Leben in „Sechzehneichen“

Unternehmer Nils (Mark Waschke) überredet seine Frau Laura (Heike Makatsch) zum neuen, unbeschwerten Leben in „Sechzehneichen“. Doch es wird zu einem Alptraum.

Quelle: HR

Ein Alptraum, wie man ihn sich für das echte Sechzehneichen nicht vorstellen kann. Es gibt neben dem Namen auch nur zwei weitere Gemeinsamkeiten: Beide Orte entstanden auf grüner Wiese und es ist jeweils von 20 Familien die Rede.

Warum diese Produktion des Hessischen Rundfunks deshalb so heißt wie das Dorf, kann sich der Zuschauer anhand des Films allein nicht erschließen. Den Grund dürfte daher so gut wie niemand kennen – abgesehen von den Autoren. Neben Regisseur Hendrik Handloegten schrieb Achim von Borries das Drehbuch mit. Aus ihrer beider Hand stammen viele bekannte deutsche Filme, darunter Tatort-Stücke.

Sechzehneichen: verschlafenes Örtchen mit liebenswerten Einwohnern

Achim von Borries lüftet jetzt das Geheimnis auf MAZ-Nachfrage: „Das Dörfchen Sechzehneichen kenne ich natürlich gut. Ich hatte für ein paar Jahre ein Ferienhaus in der Region gemietet.“ Er und Handloegten verfassten einen Teil des Drehbuchs dort. „Wir mochten den Namen schon immer. Er klang irgendwie geheimnisvoll und irreal“, sagt von Borries.

Das gleichnamige „verschlafene Örtchen mit seinen liebenswerten Bewohnern“ hat laut dem Autor „mitnichten irgendeine Ähnlichkeit mit der frivolen Siedlung im Film“. Es sei vielmehr eine „augenzwinkernde Hommage an schöne Zeiten in der Ostprignitz“.

Apropos schön: Vor der Wende wurde Sechzehneichen mit dem Titel „Schönes Dorf im Kreis Kyritz“ ausgezeichnet.

Wer den Film „Sechzehneichen“ sehen möchte, findet ihn im Internet unter www.ardmediathek.de täglich erst ab 20 Uhr. Denn er ist für Kinder unter zwölf Jahren nicht geeignet.

Von Matthias Anke

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