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Das Museum macht Druck

Neuruppin Das Museum macht Druck

Im Neuruppiner Museum lernen Kinder gerade, wie einst die Produkte hergestellt wurden, die Neuruppin bekannt gemacht haben: Bilderbogen. Kinder und Jugendliche entwerfen eigene Spiele nach alten Vorlagen. Jeweils fünf Tage verbringen die Mädchen und Jungs dafür im Museum.

Neuruppin, August-Bebel-Straße 14 52.92541 12.80264
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Judith Pauly erklärt Arved, worauf es beim Malen auf dem empfindlichen Kalkstein ankommt. Mit dem Stein wird der Bilderbogen später gedruckt.

Neuruppin. Tiere sind besonders beliebt. Zwei Katzen haben es schon auf die Druckplatte aus geschliffenem Kalkstein geschafft. Mit ihren spitzen Ohren, rundem Kopf und extra lange Beinen sehen sie putzig aus. Die Kinder aus der Evangelische Kita Neuruppin haben sich besondere Mühe gegeben. Gerade ist Arved dabei, mit einem schwarzen Kreidestift einen Hund auf die weiße Steinplatte zu zeichnen. Judith Pauly hilft ein bisschen. Die Künstlerin hat sich viele Monate mit der schwierigen Drucktechnik beschäftig, die die Kita-Kinder gerade im Museum ausprobieren können. Die Lithografie – der Steindruck – ist eine Her­ausforderung. Für Kinder und für Erwachsene.

Lithografie war das Druckverfahren, mit dem früher die Neuruppiner Bilderbogen hergestellt wurden. Genau das sollen die Mädchen und Jungs jetzt lernen: einen Bilderbogen zu drucken. So, wie das auch vor 100 Jahren schon gemacht wurde. Judith Pauly hilft den Knirpsen als pädagogische Mitarbeiterin des Museums.

Sechs Kindergärten und Schulen hat das Museum für das Projekt eingeladen, Kinder aus Neuruppin und aus Wustrau, vom Kindergartenalter bis zu 8. Klasse. Und immer geht es ums Spielen.

Zuerst entwerfen die Kinder ihre eigenen Motive für die Spielkarten

Zuerst entwerfen die Kinder ihre eigenen Motive für die Spielkarten.

Quelle: Peter Geisler

Eine Woche lang können sich die Kinder und Jugendlichen im Museum mit den Produkten beschäftigen, die Neuruppin einst weltweit bekannt gemacht haben. Millionenfach wurden die Vorgänger der heutigen Illustrierten früher in der Stadt gedruckt. Etwa 12 000 verschiedene Bilderbogen hat das Museum heute in seinem Bestand, doch es gab viel mehr.

Zu allen Anlässen und Themen wurden Bogen gedruckt: zur Hochzeit von Prominenten, als Lebensratgeber, als Kriegsgeschichte. Auch als Spiel.

Museumsmitarbeiterin Dorothea Leicht hat einige davon zusammengestellt, um sie den Kindern zu zeigen. „Manche Spiele kennen wir heute gar nicht mehr“, sagt sie. „Andere werden heute noch genauso gespielt.“ Die Anziehpuppen zu Ausschneiden aus Papier mit verschiedenen Kleidchen kennen viele noch aus ihrer Kindheit. Aber ein Kartenziehspiel mit dutzenden verschiedenen Motiven?

Mit Ölkreide werden die Motive weitenverkehrt auf den Druckstein übertragen

Mit Ölkreide werden die Motive weitenverkehrt auf den Druckstein übertragen.

Quelle: Peter Geisler

So einen Bogen haben die Museumsmitarbeiter ausgesucht, um zu erklären, wie frühere einfache Spiele hergestellt wurden. Im Prinzip besteht der Bilderbogen aus 66 quadratischen Bildern, die man ausschneiden konnte. Jedes Bildchen hat einen bestimmten Punktwert.

Nach diesem Vorbild können die Kinder aus der Evangelischen Kita ihr eigenes Spiel entwerfen und drucken. Erst zeichnen sie kleine Bilder für jede Karte. Dann bringen sie die Bildchen mit Judith Paulys Hilfe seitenverkehrt auf den Druckstein. Mi dem Stein wird der Bilderbogen gedruckt, den die Kinder schließlich vom Hand kolorieren. Fünf Tage sind die Mädchen und Jungs im Museum unterwegs. Wer gerade keine Lust auf die Druckwerkstatt hat, kann von den Erziehern Geschichte vorlesen lassen oder malen.

Mit der Aktion will das Museum die Kinder an die Geschichte heranführen. Mit der Fontaneschule prüfen die Mitarbeiter sogar gerade an der Idee einer Museumsklasse; ein Jahr lang könnten die Schüler einen Teil ihres Unterrichts im Museum verbringen. Mit Hilfe alter Bilderbogen sollen sie den Stoff in verschiedenen Fächern nachvollziehen. Für das Museum ist es ein Versuch und für die Schulen auch. Dorothea Leicht hofft, dass sich andere Schulen anstecken lassen und vielleicht noch mehr mit dem Museum zusammenarbeiten wollen.

Von Reyk Grunow

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