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Das Rätselraten im Kokain-Prozess geht weiter

Verhandlung am Landgericht Neuruppin Das Rätselraten im Kokain-Prozess geht weiter

Im Drogenprozess gegen Frank G. (48), einst Mitglied der Neuruppiner XY-Bande, ist weiterhin unklar, wer die 500 Gramm Kokain besorgt hat, die am 12. März in Berlin beschlagnahmt wurden. Die Ermittler gehen davon aus, dass dies nur der mitangeklagte Torsten S. (34) gemacht haben kann. Das hat der Neuruppiner am Donnerstag aber vor dem Landgericht bestritten.

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Der Angeklagte Torsten S. am Donnerstag mit seinen Verteidigern Ronald Brandes (l.) und Wolfgang Wiedemann im Landgericht.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Überraschung im Kokain-Prozess gegen Frank G. (48): Sein mutmaßlicher Komplize Torsten S. (34) hat am Donnerstag durch seinen Verteidiger erklären lassen, dass er keinesfalls die 500 Gramm Kokain besorgt habe, die beim Verkauf an einen vermeintlichen Kunden am 12. März in Berlin beschlagnahmt wurden. Vielmehr will er auf Wunsch von Frank G. lediglich in mehreren Berliner Apotheken Koffeintabletten besorgt haben. Erst da sei ihm klar geworden, dass er seinem Bekannten bei einem Kokain-Geschäft helfen sollte, so der Neuruppiner.

Als Belohnung für seine Hilfe habe ihm Frank G. etwas Kokain für den Eigenbedarf versprochen. Das scheint für Torsten S. ausreichend gewesen zu sein. Denn laut eigener Aussage war er seinerzeit abhängig von dieser Droge und hat seit seiner Festnahme im März einen sogenannten kalten Entzug in der Untersuchungshaft gemacht. Seine Verteidiger erwogen am Donnerstag sogar, ein psychiatrisches Gutachten zu beantragen. Ein Experte könnte prüfen, ob Torsten S. aufgrund seiner Sucht sein Handeln nur eingeschränkt steuern konnte und sich allein auf die Aussicht, neues Kokain zu bekommen, fixiert habe, sagte sein Anwalt Wolfgang Wiedemann.

„Ich sehe nicht die geringsten Anhaltspunkte für eine verminderte Steuerungsfähigkeit“, entgegnete der Staatsanwalt Peter Graupner. Auch Richter Udo Lechtermann meldete Bedenken an. Immerhin waren bei der Durchsuchung der Wohnung von Torsten S. rund 50 Gramm Kokain in seinem Backofen gefunden worden. Soll heißen: Der Druck, sich Nachschub beschaffen zu müssen, könne bei Torsten S. noch nicht so groß gewesen sein.

Die Verteidigung verzichtete schließlich darauf, ein psychiatrisches Gutachten zu beantragen. Grund: Der Experte könnte auch zu dem Schluss kommen, dass Torsten S. für längere Zeit in einer Psychiatrie unterzubringen ist. Das wollen die Anwälte Torsten S. ersparen.

Der Neuruppiner lieferte am Donnerstag auch eine Erklärung für die Zeit, in der er am 12. März den ihn überwachenden Ermittlern entwischt war. Demnach will Torsten S. in dieser Zeit einen langjährigen Freund in Berlin besucht haben. Weil der Freund ein unbescholtener Bürger sei, wolle er ihn aber nicht in das Verfahren reinziehen. Torsten S. nannte deshalb keinen Namen und ließ auch keine Nachfragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft auf seine Erklärung zu. Sollten diese Aussagen stimmen, ist weiterhin offen, wer die 500 Gramm Kokain eigentlich besorgt hat. Denn die Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) gehen aufgrund der bei der Überwachung der beiden Angeklagten erstellten „Bewegungsprotokolle“ davon aus, dass lediglich Torsten S. dafür in Frage komme.

Allerdings liefen weder die Überwachung noch die Auswertung der mitgeschnittenen Telefonate und des SMS-Verkehrs zwischen Frank G. und Torsten S. optimal. „Die Technik ist nicht ausgereift“, sagte am Donnerstag ein Zollbeamter, der die Mitschnitte verschriftet hat. So habe er einmal zehn Stunden die abgehörten Telefonate zwischen den zwei Angeklagten abgeschrieben. Doch als er seine Arbeit speichern wollte, sei sie plötzlich weg gewesen – der 53-Jährige musste am nächsten Tag von vorn beginnen.

Marlen Block, die Verteidigerin von Frank G., sah noch andere Mängel. Demnach sind mehrere Gespräche doppelt erfasst worden, aber mit verschiedenen Aussagen. „Das ist keine ordnungsgemäße Dokumentation“, betonte Marlen Block. Die Anwältin will deshalb, dass das Gericht bei seiner Urteilsfindung die Abhörprotokolle nicht verwertet.

Das Urteil wird vermutlich am 7. Januar gefällt.

Von Andreas Vogel

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