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Ostprignitz-Ruppin Das Rathaus ist verkauft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Das Rathaus ist verkauft
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00:17 01.08.2016
Erstes Haus am Platz: Das Rathaus in Freyenstein befindet sich in zentraler Lage am Markt. Quelle: Christamaria Ruch
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Freyenstein

Das Rathaus in Freyenstein ist verkauft. Dies bestätigte der Wittstocker Stadtsprecher Jean Dibbert am Freitag auf Nachfrage der MAZ. Die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung stimmten am 6. Juli im nichtöffentlichen Teil der Sitzung dem Verkauf zu.

Das Gerücht um eine mögliche Veräußerung ging schon seit Wochen in Freyenstein um. Ortsvorsteher Manfred Engel sagte nun: „Es handelt sich um einen Käufer aus Potsdam und es sollen drei Wohnungen in dem Gebäude ausgebaut werden.“ Glücklich ist er über diesen Vorgang nicht. „Das ist ein Verlust für Freyenstein, man verkauft doch kein Rathaus.“ Denn: „Der Markt und das Rathaus prägen das Stadtbild und wir haben ja weiterhin das Stadtrecht.“ Mit dem Verkauf sieht er einen weiteren Identitätsverlust auf Freyenstein zukommen.

Stadtsprecher Jean Dibbert kommentiert die Aussagen von Manfred Engel nicht: „Das bestätige ich nicht weiter, weil das alles in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung gehörte.“ Dibbert gibt zu bedenken: „Wer hätte das weiter nutzen sollen, wenn kein Bedarf mehr dafür vorhanden ist?“ Er ist sich bewusst, dass dieser Verkauf für die Freyensteiner auch eine „emotionale Sache darstellt.“ Bereits im Jahre 2007 gab die Stadt Wittstock ein Gutachten in Auftrag und bot ab 2010 das Rathaus zum Verkauf an. Jahrelang wies ein Schild am Haus darauf hin.

Ortsvorsteher Manfred Engel: „Man verkauft doch kein Rathaus.“ Quelle: Christamaria Ruch

Das Gebäude birgt eine wechselvolle Geschichte, so Arno Drefke aus Freyenstein. Der 82-Jährige setzt sich seit langem mit den Geschehnissen im Ort auseinander. Das heutige Rathaus stammt aus der Zeit von 1900 bis 1910. „Bis 1899 befand sich die Deutsche Post in dem Vorgängerbau, dem alten Haus am Markt“, so Drefke. Im Zuge des Neubaus zog das Rathaus in die untere Etage. Oben befand sich eine Wohnung. Arno Drefke erinnert sich noch, dass sein Schulkamerad Erhard Krone dort wohnte. Krones Mutter war Hebamme in Freyenstein. „Als Kinder sind wir auch auf dem Hof vom Rathaus unterwegs gewesen; dort befand sich ein Gefängnisraum mit stabiler Tür“, sagt Drefke. In den 1950er Jahren zog laut Drefke das Standesamt in das Gebäude ein – viele Ehen wurden dort amtlich besiegelt. In den 1980er Jahren setzte der inzwischen verstorbene Freyensteiner Malermeister Otto Kamnitz den Schriftzug „Rathaus“ an das Gebäude. Anfang der 1990er Jahre veränderten sich die Zeichen der Zeit: Der Bürgermeister bezog oben ein Dienstzimmer und auch die Bibliothek gesellte sich dort zwischenzeitlich hinzu.

Stadtrecht bleibt in Freyenstein

Freyenstein wurde 1263 erstmals urkundlich mit Stadtrecht erwähnt. Die große Blütezeit begann 1325. Freyenstein spielte zu dieser Zeit im so genannten Prignitzschen Städtebund eine große Rolle.

1808 verlor Freyenstein diesen Titel Stadt im Zuge der Preußischen Städtereform und trug fortan den Beinamen Flecken. Erst im Jahre 1946 erhielt Freyenstein wieder den Titel Stadt zurück.

Mit dem Stadtrecht sind Privilegien und Einzelrechte verbunden, von denen das Marktrecht meist das älteste ist. Außerdem gehörten die Gerichtsbarkeit sowie das Vorhandensein von städtischen Körperschaften dazu.

Mit Wirkung vom 26. Oktober 2003 wurden im Land Brandenburg 62 Ämter und 302 Gemeinden aufgelöst. Im Zuge dieser Gemeindegebietsreform verlor die Stadt Freyenstein ihre politische Selbstständigkeit und gehört fortan zu den 18 Wittstocker Ortsteilen.

Der Eingliederungsvertrag aus dem Jahr 2002 regelt in Paragraph 2, dass die Stadt Freyenstein Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse wird. Sie behält ihren bisherigen Namen bei. Das historische Stadtrecht bleibt erhalten. Es vermittelt jedoch auch keine besonderen Rechte oder Pflichten, es hat nur dekorative und symbolische Bedeutung.

Seit mehreren Jahren steht die obere Etage leer. Ortsvorsteher Manfred Engel hält seine Sprechstunden in der ehemaligen Schule. Seit mehr als 20 Jahren befindet sich in der unteren Etage ein Friseurstudio mit regem Zulauf. „Offiziell ist mir noch nichts zum Verkauf bekannt“, so Steffi Malitius, Inhaberin des Friseurgeschäftes, auf Nachfrage der MAZ. „Die Stadt hat mit mir bisher in keiner Weise gesprochen und ich weiß auch noch nicht, wie es weitergeht“, sagt sie.

Von Christamaria Ruch

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