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Das Smartphone ist überall dabei ;-)

Neuruppin Das Smartphone ist überall dabei ;-)

Vor 15 Jahren waren Mobiltelefone noch klobig und schwer, vor zehn Jahren hieß das Zauberwort „simsen“ – gemeint war der Versand von maximal 160 Zeichen langen Nachrichten. Mittlerweile sind „Smartphones“ kleine Computer, die den Weg ins Internet ermöglichen. Die MAZ hat sich in der Region umgehört, wie intensiv die Geräte genutzt werden.

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Smartphones bieten fast überall Zugang zum Internet.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Sie sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: Smartphones. Ob auf dem Wochenmarkt, beim Konzert oder in den eigenen vier Wänden. Die Mini-Computer sind für viele zum permanenten Begleiter geworden. Einsatzmöglichkeiten gibt es viele, schließlich dienen die Geräte längst nicht mehr nur zum Telefonieren und Nachrichten versenden, sondern auch zum Fotografieren, Einkaufen oder Navigieren. Wie gravierend das Smartphone die Gesellschaft verändert, lässt sich nur erahnen – doch Anzeichen gibt es einige.

Nick, Schüler aus Berlin, ist gerade in Neuruppin zu Gast, nutzt die Ferien für einen Bummel durch’s Einkaufszentrum Reiz. Sein kleiner Bruder sitzt fröhlich in einem elektronischen Helikopter, der durch Münzeinwurf zum Leben erweckt wird. Routiniert greift Nick in die Tasche, zieht sein Smartphone hervor und beginnt, den Bruder zu filmen. Die Videos sollen später einmal als Erinnerung dienen, erklärt Nick. Ansonsten nutze er sein Smartphone vorwiegend, um Musik zu hören. „Ich telefoniere fast gar nicht“, sagt Nick. „Höchstens beim Einkaufen.“

Blick auf den Wetterbericht

Wenige Meter weiter steht Rudolf Knobloch, der mit seiner Frau Urlaub in Rheinsberg macht. Die beiden sind vor dem durchwachsenen Wetter ins Neuruppiner Einkaufszentrum geflüchtet und lassen sich ein Eis schmecken. Knob­loch ist 65 Jahre alt, nutzt sein Smartphone nach eigener Aussage „eigentlich nur zum Telefonieren“ und ergänzt: „Ich verstehe die Leute nicht, die die ganze Zeit davor hängen.“ Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, schüttelt er den Kopf. Wobei auch Rudolf Knobloch gelegentlich Gebrauch von den Zusatzfunktionen macht, wie er ergänzt – „um ab und zu einen Blick auf den Wetterbericht zu werfen“. Die schlechte Netzabdeckung rund um Rheinsberg mache die Nutzung der Internetfunktionen während des Urlaubs jedoch schwierig, sagt Knobloch.

Dass das Smartphone in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, ist angesichts der Nutzerzahlen fast noch eine Untertreibung (siehe Infokasten). Die Lücke zwischen Jung und Alt ist dabei längst nicht mehr so groß wie noch vor einigen Jahren. „Ich habe Kollegen, die sind 81 oder 82 und schicken mir WhatsApp-Nachrichten“, sagt Sigrid Schumacher, Vorsitzende des Kreisseniorenrates Ostprignitz-Ruppin. Für die Altersgruppe zwischen 60 und 70 sei die Nutzung eines Smartphones „kein Thema mehr. Die machen das alle“, so Schumacher. Bei den noch Älteren sehe das etwas anders aus. Die im Internet vorherrschende englische Sprache und die Berichte über Risiken durchs Netz schreckten den ein oder anderen ab. „Sobald sie das dann aber einmal ausprobiert haben, sind sie teilweise fitter als die Jungen“, sagt Schumacher.

Kinder wünschen sich vom Weihnachtsmann ein Smartphone

Was sich unterscheidet, ist die Art und Weise, wie das Gerät genutzt wird – und die Zeit, die die Nutzer damit verbringen. Mette Schmahl erzählt, dass sie ausgiebig mit ihren Freunden und der Familie chattet – vier bis sechs Stunden am Tag. Die Zwölfjährige nutzt dabei Apps wie Snapchat und Instagram – damit lassen sich Fotos mit anderen teilen. Während mancher praktisch nur telefoniert oder Nachrichten schreibt, sehen gerade viele Kinder und Jugendliche ein Smartphone mittlerweile als Grundausstattung an. Wer noch keines hat, wünscht sich eines. Beim Postamt des Weihnachtsmannes in Himmelpfort (Oberhavel) gingen im vergangenen Winter mehrere hunderttausend Wunschzettel ein – fast überall der dringlichste Wunsch: ein neues Smartphone.

Dass selbst Zwölfjährige mittlerweile mit Geräten für mehrere hundert Euro ausgestattet sind, ist keine Seltenheit mehr. Der Einzelhandel freut sich über die Nachfrage. Laut Branchenverband Bitkom werden im Laufe dieses Jahres voraussichtlich 27,9 Millionen Smartphones in Deutschland verkauft werden.

Mobbing im digitalen Raum

Der ausgiebige Gebrauch wirft bei mitunter weniger versierten Eltern Fragen auf, was genau die Kinder eigentlich gerade machen. Eine Reihe von Beratungsangeboten setzt hier an. So richtet die „Eltern-Medien-Beratung“ mit Sitz in Potsdam brandenburgweit Elternabende aus. Ob Mobbing im digitalen Raum, die Weitergabe von Nacktbildern, der Diebstahl von persönlichen Daten oder die exzessive Nutzung des Mediums sind nur einige der Themen, die auf den Tisch kommen. Das Smartphone ist bei jungen Menschen zum wichtigsten Zugang ins digitale Netz geworden, hat Berater Klaus Hinze beobachtet und sagt: „Die Internetnutzung entzieht sich dadurch mehr und mehr der Kontrolle der Eltern.“

1,7 Geräte pro Haushalt

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erhebt alle fünf Jahre eine Einkommens- und Verbrauchsstich­probe (EVS).

Demnach hat sich die Zahl der Brandenburger Haushalte mit mindestens einem Mobiltelefon von 12,2 Prozent (1998) über 73,6 Prozent (2003) und 89,0 (2008) zu 93,7 Prozent (2013) entwickelt.

Je 100 Haushalte gab es demnach im Jahr 1998 nur 12,7 Geräte, 2003 bereits 119,4 Geräte und 2013 schließlich 171 Geräte. Das entspricht gut 1,7 Smartphones oder Handys pro Haushalt. Anmerkung: Für 2008 ist keine entsprechende Zahl verfügbar.

Von Mischa Karth

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