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Das Spritzenhaus in Heinrichsdorf

Ein ungewöhnliches Wahrzeichen Das Spritzenhaus in Heinrichsdorf

Das Spritzenhaus ist so etwas wie ein Wahrzeichen für Heinrichsdorf. Gebaut wurde es, um die Feuerspritze, ein Geschenk des Preußenkönigs, unterstellen zu können. Für den Bau machte Landrat Zieten 100 Thaler beim Prinzen Ferdinand in Rheinsberg locker. Auch die Gräfin La Roche Aymon, die in Köpernitz residierte, setzte sich für das Spritzenhaus ein.

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Die Heinrichsdorf-Köpernitzer Wehr vor dem Spritzenhaus.

Quelle: Regine Buddeke

Heinrichsdorf. Das Wahrzeichen in Heinrichsdorf ist keine Kirche oder Skulptur – sondern das Spritzenhaus der Feuerwehr. „Die meisten denken, wenn sie zum ersten Mal davorstehen, das sei eine alte gotische Kapelle. Und gewissermaßen sieht es ja auch so aus“, sagt Jochen Hochsieder, der sich mit sowas auskennt – immerhin ist der Heinrichsdorfer der Chefrestaurator des Rheinsberger Schlosses. Und weiß natürlich eine Menge über das Kleinod zu erzählen – genau wie Burkhard Schleuß, seines Zeichens Ortschronist und überdies der Chef der Heinrichsdorfer Feuerwehr, die gemeinsam mit den Ortswehren von Dierberg und Köpernitz den 4. Zug der Rheinsberger Wehr bildet.

Das Spritzenhaus sieht wie eine kleine Kapelle aus

Das Spritzenhaus sieht wie eine kleine Kapelle aus.

Quelle: Buddeke

Das Spritzenhaus hat eine ruhmvolle Geschichte – die erst einmal mit einer Feuerspritze begann. Weil sich die seit 1750 in Heinrichsdorf angesiedelten Wirtschaftsflüchtlinge aus Mecklenburg bei der Separation vom Gut Köpernitz sehr kooperativ zeigten, warb der Landrat von Zieten beim damals herrschenden Regenten, dem Preußen-König Friedrich Wilhelm III., um eine Belohnung. Die Bauern hätten sich lieber Saatgut für ein Jahr gewünscht, der König indes wollte bleibende Werte schaffen und schenkte den Heinrichsdorfern eine Feuerspritze. Die war für die Bauern, die zu arm waren, um sich den Schutz der Feuersozietät zu erkaufen, in der Tat lebenswichtig, immerhin brannte Heinrichsdorf mehrmals ab: 1828 und 1836. Leider hatten die Heinrichsdorfer kein Spritzenhaus- stattdessen wurde das Geschenk im Gut Köpernitz abgestellt, wo die Gräfin de la Roche-Aymon residierte und wirtschaftete. Landrat Zieten bat daraufhin den Prinzen Ferdinand in Rheinsberg, den Bruder des Alten Fritz, um Unterstützung für den Bau eines Spritzenhauses, auf dass die Heinrichsdorfer ihre Spritze im Fall der Fälle auch parat hätten. Der Monarch zeigte sich gnädig und gewährte nicht nur das Bauholz sondern spuckte überdies noch 100 Thaler aus. 1806 entschieden die Gräfin und der Landrat über den Baubeginn. Mit Ferdinands Holz, Steinen vom Feld und Ziegeln aus der Heinrichsdorfer Ziegelei wurde das hübsche Gebäude errichtet und 1807 eingeweiht. „Ich behaupte, es ist das älteste Spritzenhaus in Brandenburg“, so Jochen Hochsieder und erzählt, dass nicht nur die Feuerspritze darin verschlossen wurde. Auch zur Aufbewahrung von Gefangenen taugte das Häuschen gut, die Fenster zu klein zum Flüchten: das bescherte dem Gendarmen ruhige Träume.

Burkhard Schleuß mit der wiedergefundenen Tafel, die an der Feuerspritze angebracht war

Burkhard Schleuß mit der wiedergefundenen Tafel, die an der Feuerspritze angebracht war.

Quelle: Buddeke

Um die Restaurierung ihres Spritzenhauses haben sich die Heinrichsdorfer lange bemüht, erzählt Jochen Hochsieder. Etliche Förderanträge wurden abgelehnt, bevor „auf wundersame Weise die Gemeinde Rheinsberg die Sanierung finanziert hat.“ Man habe 2006 Glück gehabt, erinnert sich Hochsieder, dass Dachziegel aus der Sanierung des Rheinsberger Schlosses übrig waren. „Die wären sonst weggeworfen worden.“ Bei der Beschaffungsaktion habe halb Heinrichsdorf mitgewirkt. Die eigentliche Sanierung fand indes erst 2015 statt. Da war die Heinrichsdorfer Wehr schon lange aktiv – 1929 wurde sie gegründet, neun Wehrführer habe es seitdem gegeben, hat Schleuß aus den Chroniken ermittelt. Ehemals gut aufgestellt hat sie derzeit nur neun Aktive und immense Nachwuchssorgen. Das Löschfahrzeug, ein LF8, Baujahr 1988, steht in Köpernitz – ganz wie die Spritze zu der Gräfin Zeiten. „Wir haben das einzige Ost-Fahrzeug. Kriegen immer das, was andere Wehren ausmustern“, moniert Schleuß, der sich mit Altertümern mittlerweile auskennt. Im Inneren des Spritzenhauses lagern alte Helme und alte Spritzenteile. Die historische Spritze des Königs sei bis 1941 im Einsatz gewesen. Ältere Dorfbewohner erinnern sich, darauf als Kind gewippt zu haben. Später verschwand sie spurlos. Lediglich die gravierte Tafel, die einst daran hing, ist wieder aufgetaucht. „Hat ein Nachbar beim Buddeln auf seinem Hof gefunden“, freut sich der Feuerwehrchef. Vielleicht taucht auch die Spritze eines Tages wieder auf – man muss nur tief genug graben. Wenn nicht: Das schöne Spritzenhaus ist Zierde genug.

Von Regine Buddeke

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