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Ostprignitz-Ruppin Das THW muss Krangen retten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Das THW muss Krangen retten
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11:37 08.08.2017
Das THW pumpte seit Mittwoch tausende Liter Wasser aus dem Krangener Dorfteich in eine Kiesgrube hinter dem Ort. Quelle: Reyk Grunow
Krangen/Gildenhall

5000 Liter pro Minute schafft die Pumpe des Technischen Hilfswerks (THW). Ohne sie wären manche Anwohner in Krangen verloren. Der Dauerregen der vergangenen Wochen hat solche Wassermassen hinterlassen, dass der Teich neben der Krangener Kirche sie ab Dienstag nicht mehr fassen konnte. Nicht nur, dass er überlief und die umliegenden Wiesen überflutete. Das Wasser drückte in die Häuser der Anwohner. Bei vielen stand es schon im Keller.

„Bei mir ist es noch nicht so viel, andere sind viel stärker betroffen“, sagt Hartmuth Deter. Sein Haus steht ein paar Meter vom Teich entfernt. Zum Glück. Genau wie Deter kann sich auch Gerlinde Priestdorf nicht erinnern, so etwas in den vergangenen Jahren schon erlebt zu haben. Zu DDR-Zeiten soll mal Wasser in den Keller gesickert sein, aber das ist lange her.

Roland Hille vom THW überwacht die mächtige Pumpe. Quelle: Reyk Grunow

Am Dienstag hatten die Krangener die Feuerwehr zu Hilfe gerufen. Aber die musste schnell aufgeben. „Wir kommen da mit unseren Mitteln an die Grenzen“, sagt Mario Bartel, der den Einsatz geleitet hat. Die Feuerwehr hat natürlich Pumpen. Aber für solche Wassermassen und einen Dauerbetrieb womöglich über Tage sind die nicht ausgelegt. Bartel informierte das Neuruppiner Ordnungsamt, das rief wiederum das THW zu Hilfe. Die Spezialisten rückten am Mittwoch an und verlegten Rohre durchs halbe Dorf, vom Teich neben der Kirche bis in eine alte Kiesgrube ein paar hundert Meter weiter in Richtung Zermützel. Seit dem frühen Nachmittag saugte die Hochleistungspumpe fünf Kubikmeter pro Minute aus dem Teich.

Mit solchen Einsätzen kennen sich Roland Hille und seine Kollegen aus. Die Männer vom THW in Treskow sind darauf spezialisiert, große Wassermengen über weite Strecken zu bewegen. In den vergangenen Jahren wurden sie immer wieder zu Hochwassereinsätzen gerufen. Zuletzt war das Neuruppiner THW vor wenigen Wochen in Oranienburg und im völlig überfluteten Leegebruch im Einsatz. Die Pumpen haben jeden Tag Millionen Liter Wasser aus dem Ort geschafft und durch kilometerlange Leitungen in den Hafen in Velten gepumpt.

Das THW blieb bis zum Morgen im Einsatz

So viel war in Krangen nicht nötig, anstrengend war es für die Helfer trotzdem. „Unser Einsatz hat bis morgens um acht gedauert“, sagt Neuruppins THW-Chef Maik Borchert. Schon vor Mitternacht hatten die Männer den Wasserspiegel zwar so weit gesenkt, wie sie es für sicher hielten. Doch sie mussten sicher gehen, dass er nicht wieder steigt, wenn der Regen aus der Umgebung nachfließt. Wolfgang Wernicke ist froh über die schnelle Hilfe. „Ein großes Lob ans THW und an die Feuerwehr. Das hat alles sehr gut geklappt“, sagt der Krangener, der selbst Wasser im Keller hat.

Die Dorfkirche wurde von der Überschwemmung verschont. Sie steht zwar nur ein paar Meter vom Teich entfernt. „Aber die Kirche liegt ja auf einer kleinen Anhöhe“, sagt Thomas Graap vom Förderverein. So gesehen haben die Häuser auf der anderen Seite des Teiches das größere Risiko

Dass bei heftigem Regen Überflutungsgefahr besteht, fürchten manche Krangener schon lange. In den Regenwasserteich fließt das Wasser von der gesamten Ortsdurchfahrt, ärgert sich Hartmuth Deter und fordert, dass endlich etwas gegen die latente Gefahr unternommen wird. Gerade lässt der Landkreis die Zermützeler Straße erneuern. Das Wasser fließt aber auch danach weiter in dieselbe Richtung. Die Bauarbeiten an der Zermützeler Straße sollten am Donnerstag beginnen; diese Woche ist die Krangener Ortsdurchfahrt deshalb gesperrt.

In Gildenhall musste eine Straße neben einer tiefen Baugrube zur Sicherheit gesperrt werden. Quelle: Reyk Grunow

Das THW konnte seine Rohre und Pumpen am Donnerstag wieder einpacken. Für die Helfer blieb es der einzige Regeneinsatz in dieser Woche. Schäden hat das Dauerregen freilich mehr angerichtet: In Gildenhall musste die Stadt am Mittwoch die Straße Am See sperren. Die Wassermassen hatten eine Baugrube ausgespült, die unmittelbar an die Straße grenzte. Die Fahrbahn hätte abrutschen können.

Dazu kam es allerdings nicht. Eine Tiefbaufirma hat noch am Mittwoch begonnen, die Seitenwand der Baugrube mit großen Mengen Kies zu verfüllen und den festzurütteln. Mitarbeiter des Neuruppiner Tiefbauamtes waren am Donnerstag noch einmal vor Ort, um sich ein Bild davon zu machen, wie die Arbeiten vorankommen. Danach gaben sie Entwarnung. „Der Bankettbereich der Straße ist nicht aufgeweicht und zeigt auch keine Ausspülungen“, teilte die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit: „Es ist zu vermuten, dass kein Grundbruch stattgefunden hat.“ Bei einem solchen Grundbruch wäre die Straße seitlich weggerutscht, doch das ist nicht zu erkennen. Am Freitag soll der Stadtbauhauhof die Absperrungen in Gildenhall wieder entfernen.

Von Reyk Grunow

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