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Das ist das kleinste Altenpflegeheim der Prignitz

Martinshof in Kümmernitztal-Grabow Das ist das kleinste Altenpflegeheim der Prignitz

Noch einmal den Heimatort sehen, noch einmal an die Ostsee fahren – solche Wünsche kann das kleine Altenpflegeheim im Kümmernitz-Grabow erfüllen. Auf dem Martinshof betreuen Monika und Siegfried Niebius derzeit sechs Bewohner in familiärer Atmosphäre. Das Konzept erfanden sie schon vor 34 Jahren – damals noch in Nordrhein-Westfalen.

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Peter Getz wohnt seit 13 Jahren in der Altenpflegefamilie und fühlt sich pudelwohl auf dem Martinshof.

Kümmernitztal-Grabow. Es begann mit betreuten Ferien für Menschen mit einer Behinderung. So startete die Altenpflegefamilie Monika und Siegfried Niebius im Jahr 2000 in Kümmernitztal-Grabow (Amt Meyenburg). Die unterstützende Wohnform kam 2012 dazu.

Die Räume im Haus sind hell und lichtdurchflutet. Blumen stehen auf dem Tisch. Alles ist liebevoll eingerichtet. Morgens zwitschert es im Garten. Fast wie im Paradies. Seniorinnen und Senioren, die im Martinshof wohnen, sitzen am Tisch, trinken Kaffee und schauen auf den Garten. „Wir haben derzeit sechs Bewohner. Acht können wir unterbringen”, erklärt Siegfried Niebius. Das sei eine gute Zahl. Da könne man sich gut um jeden Einzelnen kümmern.

Täglich zweimal gehen Monika und Siegfried Niebius mit den Bewohnern spazieren. Sie sprechen mit ihnen. „Wir essen zusammen mit allen an einem Tisch, wir kochen und singen zusammen. Jeder bekommt sein Coaching”, beschreibt er das familiäre Zusammenleben auf dem Martinshof.

Nach der Wende bekam er das Elternhaus in der Prignitz zurück

Sein Vater hatte sein Elternhaus in Kümmernitztal-Grabow nach der Wende zurückbekommen. Es befand sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. „Als wir aus dem Rheinland herkamen war ich krank. In der Umgebung hier fühlte ich mich wohl. Und mit der Zeit ging es mir besser. Wenn mir das passiert, kann es auch anderen so gehen”, dachte sich Siegfried Niebius. „Rund 500 000 Euro haben wir in die Sanierung des maroden Gebäudes ,versenkt’“, berichtet er. Der Garten auf dem Gelände wurde neu gestaltet. Der Weg durch die grüne Oase ist mit Rollator und Rollstuhl befahrbar. 13 Bänke und verschiedene Sitzgruppen stehen auf 10 000 Quadratmetern Fläche und bieten Möglichkeiten zum Verweilen. Es gibt einen Teich mit Bachlauf und Brücke. Im Teich leben seit mehr als 15 Jahren fünf Karpfen, die gern von den Mitbewohnern besucht werden. „Die Tiere sind inzwischen so zahm, dass sie sich gern beobachten lassen”, freut sich Siegfried Niebius. Nachts ist der Garten beleuchtet. Über eine Beschallungsanlage können verschiedenste Geräusche wiedergegeben werden. „Das alles bietet ein Erlebnis für alle Sinne.“ Weil die Hausherren Hochbeete angelegt haben, können in diesem Jahr auch Rollstuhlfahrer die Früchte ernten. „Selbst geerntete Früchte schmecken eben einfach besser”, meint das Ehepaar.

1982 revolutionierte das Ehepaar in Nordrhein-Westfalen die Altenpflege

Mit der Altenpflegefamilie ging es 1982 in Herdecke an der Ruhr los. „Das System, zu Waisen gewordene Kinder in Familien anstatt in Kinderheimen unterzubringen, hatte sich bewährt. Das wollten wir in die Altenpflege übertragen gegründet”, berichtet Monika Niebius. Eine „Altenpflegefamilie“ – so etwas gab es bis dato noch nicht in Deutschland. „Mit unserer Einrichtung in kleinster Form haben wir die Altenpflege in Deutschland neu definiert.” Lange kämpften sie vor 34 Jahren mit den Behörden um die nötige Genehmigung. Letztlich bekamen sie die Erlaubnis für professionelle Altenpflege in der Familie. Mit dem Eintritt der Pflegeversicherung konnten sie mit den Pflegekassen einen Versorgungsvertrag abschließen. „Damit waren wir in ganz Deutschland die kleinste anerkannte Pflegeeinrichtung.” 2012 bekamen sie die Konzession als Altenheim in der Prignitz. Die Leistungen eines Altenheims werden auf dem Martinshof in sehr familiärem Rahmen erbracht. Monika und Siegfried Niebius sind ausgebildete Pflegefachkräfte. Wenn es mal sein muss, ist der Arzt schnell vor Ort.

Ein schwerkranke Frau möchte auf dem Martinshof sterben dürfen

„Anfangs kamen viele Besucher aus den alten Bundesländern zu uns, um Orte noch einmal zu sehen, an denen sie früher gelebt hatten.” Eine alte Dame war darunter, erinnerte sich Niebius, die war Schaffnerin in der Schweriner Straßenbahn. Ein anderer Gast wollte gern zur Ostsee und noch einmal mit seinen Händen und Füßen das Meer spüren. „Was machbar ist, organisieren wir. Und die Leute sind so was von glücklich”, freut sich Monika Niebius. Eine schwer kranke Besucherin äußerte sogar den Wunsch, auf dem Martinshof sterben zu dürfen. Unter den Bewohner und Gästen sind viele Freundschaften entstanden, sogar Liebschaften.

Anfängliches Misstrauen und Ablehnung schwinden nach einer Weile. So ist es bei Demenz-Kranken oft zu erleben. Eine Vielzahl der Bewohner in der Altenpflegefamilie hat keine Angehörigen und sah keinen Lebenssinn mehr. Ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln, bringt mehr als andere Trainingsmethoden, wissen die Pfleger aus langer Erfahrung.

Von Pflegestufe III zurück auf Pflegestufe I gepflegt

So erging es Peter Gatz. Vor 13 Jahren kam der heute 70-Jährige in die Altenpflegefamilie, anfangs mit Pflegestufe III. Er saß im Rollstuhl. Heute hat er nur noch die Pflegestufe I. Durch Pflege und Zuwendung lernte er wieder stehen und gehen. Sieht man ihn heute durch den Garten flitzen, will man es kaum glauben. „Ich bin froh, dass ich hier bin”, erzählt er. „Vorher war ich im Krankenhaus. Hier kann ich spazieren gehen oder einfach im Bett rumliegen. Im Sommer baden wir im Swimmingpool, fahren zum Kaffeetrinken nach Pritzwalk.” Oder es geht nach Plau. Oder Wolfshagen. In seinem Zimmer steht ein Hometrainer, auf dem er zweimal täglich übt, damit er fit bleibt.

Natürlich schaffen die Niebius die Arbeit nicht allein. 6,5 Planstellen sind auf bis zu zwölf Mitarbeitern verteilt. All die Pflege hat zwar ihren Preis, ist in der Altenpflegefamilie aber günstiger als in anderen Einrichtungen der Region. So ist es im Pfegenavigator der AOK im Internet nachzulesen. „Und wir suchen Pflegekräfte.”

In der Altenpflegefamilie arbeiten Fachkräfte

Monika und Siegfried Niebius sind in Westfalen aufgewachsen und lernten sich in der Ausbildung im Krankenhaus kennen. Ihr Weg führte sie zunächst nach Herdecke (Nordrhein-Westfalen). Als Pflegefachkräfte absolvierten sie im Laufe der Jahre verschiedene Fachweiterbildungen und berufsspezifische Studiengänge. Zum Leiten und Führen der Altenpflegefamillie erwarben sie alle erforderlichen Befähigungen. Bis zum heutigen Tage arbeiten sie an Ideen und Vorstellungen. „Seit 1982 sind wir eine familiär geführte Einrichtung für Pflege und Betreuung mit einem reichen Schatz an Lebens- und Berufserfahrung. Wir integrieren jüngere, alternde und pflegebedürftige Menschen hinein in ein kleines, überschaubares soziales System, zu dem sie ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln können. Eigentlich wollten wir nie ein Altenpflegeheim sein. Es gab aber nach dem Gesetz keine andere Bezeichnung“, fasst es Monika Niebius zusammen. „Mit Sicherheit hätten wir im Laufe der Jahre expandieren können. Wir wollten aber immer selbst am Geschehen teilhaben.”

Von Jens Wegner

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