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Ostprignitz-Ruppin Daten für den Dipel ES-Einsatz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Daten für den Dipel ES-Einsatz
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00:24 09.11.2015
Zwischen Stöffin und Protzen wird vor den Raupen gewarnt. Quelle: Andreas Vogel
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Neuruppin/Perleberg

In Ostprignitz-Ruppin und Prignitz sollen auch im nächsten Jahr wieder die Raupen des Eichenprozessionsspinners mit dem Fraßgift Dipel Es bekämpft werden. Zwar warnen Naturschützer seit Langem vor dem Besprühen der Bäume, weil damit auch mehr als 260 Schmetterlingsarten bedroht sein können und zudem nicht klar ist, wie sich das Gift auf Fledermäuse, Vögel und andere Tiere auswirkt. Doch Mathias Wittmoser, Ordnungsamtsleiter der Kreisverwaltung in Neuruppin, sieht keinen anderen Ausweg.

Raupe verursacht Auschlag und Juckreiz

Seit 2013 bekämpft der Landkreis Ostprignitz-Ruppin die Raupen des Eichenprozessionsspinners aus der Luft mit dem Fraßgift Dipel Es. Auslöser dafür waren heftige Beschwerden von Einwohnern, die wegen allergischer Reaktionen auf die Nesselhaare der Raupen einen Arzt aufsuchen mussten.

Im Jahr 2012 hatten deshalb in Ostprignitz-Ruppin mehr als 300 Leute einen Arzt konsultieren müssen. Schwerpunkt damals war das Amt Neustadt (Dosse). Die Zahl der Leute, die wegen Bindehautentzündungen, Juckreiz und Ekzemen auf der Haut einen Arzt aufgesucht haben, verringerte sich deutlich. 2014 registrierte das Land, dass das Befragen der Arztpraxen übernahm, lediglich noch 170 Patienten in Ostprignitz-Ruppin.

In diesem Jahr hat die Kreisverwaltung in Neuruppin das Befragen der Praxen in OPR übernommen. Demnach gab 255 Fälle.

Viele Naturschützer sind dennoch gegen den Einsatz des Fraßgiftes Dipel Es, weil es auch Schmetterlinge, Fledermäuse, Vögel und andere Tiere gefährdet. Sie plädieren stattdessen für ein Absaugen der Raupen, wie es in den Niederlanden praktiziert wird, sowie für ein Sperren von betroffenen Parks und Wegen. Dabei wird stets auf Berlin verwiesen: Der Grunewald wird bei Raupenbefall nicht gesperrt. Vielmehr werden Spaziergänger durch Schilder vor den Raupen gewarnt.

Denn allein in Ostprignitz-Ruppin haben sich in diesem Jahr mindestens 250 Einwohner bei ihrem Arzt gemeldet, weil sie allergisch auf die giftigen Nesselhaare der Raupen reagieren. Vermutlich gibt es sogar noch weit mehr Fälle. Von den 57 Allgemein-, Kinder- und Hautärzten, die die Kreisverwaltung angeschrieben und um Auskunft gebeten hatte, meldeten sich lediglich 38 zurück. Neben Juckreiz und Ekzemen auf der Haut hat es laut Wittmoser auch einige Fälle von Bindehautentzündungen gegeben. „Wir werden wieder sprühen, weil wir das Problem bisher nicht losgeworden sind“, betont der Amtsleiter. Wittmoser verweist darauf, dass auch das Landeskompetenzzentrum der Forst in Eberswalde (Barnim) dazu rät, weiter mit Gift gegen die Raupen vorzugehen.

Der Kampf gegen die Raupen mit Dipel Es geht weiter. Quelle: Matthias Anke

Der Landkreis will deshalb bereits die Einsatzpläne für das nächste Frühjahr vorbereiten. Die Gemeinden in Ostprignitz-Ruppin haben noch bis Ende November Zeit, dem Kreis zu melden, welche Bäume besprüht werden soll. Obwohl längst noch nicht alle Meldungen vorliegen, rechnet Wittmoser mit einem ähnlich großen Einsatz wie in diesem Jahr. Dabei waren Bäume auf einer Fläche von 585 Hektar aus der Luft besprüht worden und 650 Bäume vom Boden aus mit speziellen Sprühkanonen (die MAZ berichtete).

Die Meldefrist für befallene Flächen im Landkreis Prignitz ist bereits Anfang Oktober abgelaufen. Jetzt werden die Daten ausgewertet, sagte Sabine Kramer. Die zweite Beigeordnete des Kreises ist Leiterin der Arbeitsgruppe „Eichenprozessionsspinner“. „Wir nehmen an, dass es nächstes Jahr weniger Flächen sind als dieses Jahr.“ Die befallenen Areale wurden von den Kommunen nach bestimmten Kriterien – Fraßbild oder Gespinste – eingetragen. Vor einem Jahr waren es mehr als 1000 Stellen. Die Daten werden laut Sabine Kramer nun über ein Geoportal zusammengeführt. Ende November, Anfang Dezember will sich der Kreis mit den Beteiligten zusammensetzen. „Dann legen wir genau fest, wie wir im nächsten Jahr vorgehen wollen“, so Sabine Kramer. Ein Problem sieht sie darin, dass die Zulassung für Dipel Es am 30. April 2016 ausläuft. „Wir wollen aber damit weiter machen, es wirkt aus unserer Sicht am gezieltesten“, so die Beigeordnete. Es gebe zwar andere Mittel, aber die seien weitaus schädlicher als Dipel Es.

Bekämpfung am Boden. Quelle: Andreas König

Bekämpft wurden in diesem Jahr allein in der Prignitz 2400 Hektar befallener Flächen, davon 2100 Hektar aus der Luft und 300 Hektar vom Boden aus. Der Einsatz aus der Luft verlief fast reibungslos, so das Resümee der EPS-Arbeitsgruppe. Gab es Schwierigkeiten etwa aufgrund der Wetterlage, wurde kurzerhand umgeplant und ein anderes Stück beflogen. Auch die Bekämpfung vom Boden sei zügig erfolgt – die etwa 2000 Bäume an 100 Standorten wurden innerhalb von drei Tagen bearbeitet. Schwerpunkt waren hier Gebiete um Lenzen und Bad Wilsnack, wobei rund um Rühstädt noch einmal nachgearbeitet werden musste.

Im Landesvergleich liegt der Schwerpunkt bei der Bekämpfung der Spinnerraupen nach wie vor in den beiden nordwestlichen Landkreisen. Brandenburgweit wurden in diesem Jahr rund 1,3 Millionen Euro zur Bekämpfung aufgewendet. Entwarnung kann nicht gegeben werden: Der Falter breitet sich weiter nach Süden aus.

Von Beate Vogel

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