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Ostprignitz-Ruppin Deal mit dem Dealer ist geplatzt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Deal mit dem Dealer ist geplatzt
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16:40 11.03.2018
Cannabisfund bei der Drogenrazzia. Quelle: dpa
Neuruppin

Der Prozess um Drogenhandel, der Carsten O., dem einstigen Mitglied der Neuruppiner XY-Bande, zur Last gelegt wird, ist immer für neue Überraschungen gut. Carsten O. steht zum wiederholten Mal vor Gericht, weil er – nach mehreren Verurteilungen – im vorigen Jahr schon wieder beim Drogenhandel erwischt worden ist.

Dabei hatte es sich zunächst gut angelassen und es hatte nach einem schnellen Urteil ausgesehen. Der 48-jährige Carsten O. hatte via Erklärung, die sein Verteidiger abgab, zumindest zugegeben, dass er an den 58-jährigen Michael R. im Mai und Juli vorigen Jahres jeweils ein Kilogramm Amphetamin zum Preis von je 4000 Euro verkauft hat.

Geld für Kauf von Cannabis-Plantage gegeben

O. sitzt derzeit gemeinsam mit R. auf der Anklagebank vor dem Landgericht Neuruppin. Außerdem hatte er zugegeben, Sven S. für den Kauf eines Grundstücks bei Kyritz, auf dem dieser eine Cannabis-Plantage errichten wollte, 33.000 Euro gegeben zu haben.

Im Gegenzug hatte er sich eine Grundschuld in Höhe von 60.000 Euro als Sicherheit eintragen lassen. Eigentlich wollte das Gericht – so der Deal – im Gegenzug für ein Geständnis eine Freiheitsstrafe verhängen, die nicht höher ausfällt als drei bis vier Jahre.

Gericht: Einer sagt hier nicht die Wahrheit

Davon rückte die erste große Strafkammer am Donnerstag ab. „Wir sehen uns an die mit O. getroffene Vereinbarung nicht mehr gebunden“, sagte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann am Donnerstag.

Grund: Michael R. hatte etwas anderes als sein einstiger Drogenlieferant ausgesagt. „Einer sagt uns nicht die Wahrheit“, so Lechtermann. Nur wer? Das Gericht erwartete von Carsten O., dass er die Widersprüche aufklärte. Doch das tat er nicht ausreichend, befanden die Richter.

Waren es ein Kilo Drogen oder nur 100 Gramm?

Glaubt man Michael R., hat er nicht ein Kilogramm Amphetamin, sondern lediglich zehn Gramm Kokain im Mai bei Carsten O. bestellt und in Neuruppin abgeholt. Beim zweiten Geschäft sei es um 100 Gramm Amphetamin und nicht wie von O. behauptet, um ein Kilogramm gegangen.

Polizei findet am 06.09.2016 bei Durchsuchung in der Kötzliner Straße in Kyritz eine Großplantage mit Cannabis-Pflanzen. Quelle: Polizei

Daraufhin hatte O. seine Aussage revidiert. Es sei zutreffend, dass Michael R. am 4. Juli nur 100 Gramm Amphetamin bei ihm geordert habe. Doch er habe nur ein Kilogramm in einer Eisbox verpackt und eingeschweißt vorrätig gehabt. In der Kürze der Zeit hätte er die Drogen nicht mehr portionieren können.

Darüber konnten sich die Richter nur wundern. „Sie hatten doch vorher genug Zeit.“ Immerhin hatten sich Carsten O. und Michael R. vor der Übergabe zunächst in einem Schnellimbiss getroffen und dort miteinander geredet. Wie der Verteidiger meinte: „Da wurde auch über anderes gesprochen.“ Also nicht nur über Drogen.

Bei der Übergabe der Drogen in Neuruppin verhaftet

Jedenfalls will Carsten O. ein Kilogramm geliefert haben, in der Annahme, dass Michael R. das ganze Paket nehmen würde. Dazu kam es allerdings nicht mehr, weil die beiden Männer bei der Übergabe an der Neuruppiner Seepromenade festgenommen wurden.

Auch die erste mutmaßliche Übergabe im Mai war von der Polizei gefilmt worden. Radfahrer, Spaziergänger waren zu sehen, plötzlich kam Carsten O. ins Bild, der in ein Auto zu Michael R. stieg.

Die Drogen steckten wie Knete im Hosenbund

Dass O. nichts in der Hand hielt, sei deutlich zu sehen, so die Verteidigerin von Michael R. Ihr Kollege konterte, dass die Haltung seines Mandanten dafür spreche, dass er die Drogen unter seiner Jacke im Hosenbund versteckt hatte – „wie eine Tüte Knete“.

Dass Carsten O. seine Aussage über den zweiten Deals berichtigt hat, wertete das Gericht so: „Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei der berichtigten Version um eine Gefälligkeitsaussage zugunsten von Michael R. handelt“, sagte Lechtermann.

Auch der Staatsanwalt glaubt nicht alles

Das Gericht sah anders als Staatsanwalt Graupner die neue Version als nicht ausreichend an, um die Voraussetzungen für eine relativ milde Strafe zu erfüllen. Graupner sprach zwar von einem „sehr schlanken Geständnis“. „Auch ich glaube ihm nicht alles, aber weitestgehend.“

Für ihn sind die Ungereimtheiten kein Grund, den Deal ganz platzen zu lassen. Dem widersprach das Gericht: „Wir müssen etwas haben, was wir glauben können. Wir können keinen verurteilen, wenn wir sein Geständnis nicht für glaubhaft halten.“ Am 23. März wird weiter verhandelt.

Carsten O. ist nicht das einzige Mitglied der ehemaligen XY-Bande, der nach seiner Haftstrafe erneut in den Drogensumpf geriet. Auch Frank G., einst ein führender Kopf der Bande, ist 2015 erneut wegen Drogenhandels festgenommen worden.

Von Dagmar Simons

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