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Ostprignitz-Ruppin Demografischer Wandel in Cartoons gepackt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Demografischer Wandel in Cartoons gepackt
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02:15 21.05.2017
Eine Gratwanderung zwischen Satire mit einem Augenzwinkern und bösem schwarzem Humor: Die 224 Zeichnungen zeigen, wie Vielfältig das Thema „Alter“ sein kann. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Sie stellen komische Situationen mit einem Augenzwinkern dar, beißen böse wie die Satire oder sind voll schwarzen Humors, dass ihrem Betrachter das Lachen im halse stecken bleibt. 224 Karikaturen zum demografischen Wandel sind nun bis Ende August in den Kreismuseen „Alte Bischofsburg“ in Wittstock zu sehen. Die Ausstellung des Vereins „Cartoonlobby“ läuft unter den Motto „Jung bleiben – Alt werden“.

Helmut Jacek fand einige seiner Zeichnungen in Wittstock wieder. Quelle: Christian Bark

„Das ist ein Thema, was uns alle anspricht“, sagte Museumsleiterin Antje Zeiger bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend. Landrat Ralf Reinhardt stimmte ihr zu. Gerade in dünn besiedelten Regionen wie Ostprignitz-Ruppin sei der demografische Wandel mehr und mehr spürbar – eben weil die Region einiger Statistiker zufolge als nahezu „unbesiedelt“ gilt. „Wichtiger ist aber, dass sich die Menschen trotz geringer Besiedlung bei uns wohlfühlen“, betonte der Landrat. Dabei spielte er auf eine Karikatur in der Ausstellung an, in der ein alter Herr zum anderen sagt: „Ich möchte in Würde alt werden.“ Woraufhin ihm der andere entgegnet: „Ich lieber in Italien.“ „Vielleicht sagt er ja eines Tages statt Italien Ostprignitz-Ruppin“, so Ralf Reinhardt.

Computer und Schreibpad statt Papier und Bleistift

Unter die Gäste gemischt hatte sich am Mittwoch auch Helmut Jacek. Zwei der Karikaturen in der Ausstellung stammen aus der Feder des Berliner Künstlers. Eigentlich sei der 75-Jährige ja Zeichenlehrer an einer Schule gewesen, wie er berichtete. Als Anfang der 1970er Jahre eine Karikatur von ihm in der Satirezeitschrift Eulenspiegel abgedruckt worden war, hätte er als Cartoonist angefangen, sei bis 1993 als Hauszeichner für die Berliner Zeitung tätig gewesen.

Lustig und zugleich realistisch griffen viele Zeichnungen auch soziale Missstände auf. Quelle: Christian Bark

Dass Helmut Jacek zwar älter geworden, im Kopf aber jung geblieben ist, zeigt auch seine Auffassung, nicht an starren Formen festzuhalten. So entstehen seine Bilder fast ausschließlich am Computer. „Das spart Farbe und Platz“, erklärte der Zeichner. Nach Wittstock habe er schon lange mal kommen wollen. „Ich bin immer dran vorbeigefahren, wenn ich hoch zu meinem Sohn nach Rostock wollte“, berichtete Helmut Jacek. Nun habe er die Ausstellungseröffnung zum Anlass für einen Besuch in der Dossestadt genommen.

224 Karikaturen von 50 Zeichnern

Ab September 2016 war die Ausstellung mit 140 Bildern erstmals im Spreewald-Museum Lübbenau zu sehen.


50 Künstlern sind nun bis zum 27. August in den Kreismuseen Alte Bischofsburg ausgestellt. Alle Zeichner sind Mitglied des Vereins Cartoonlobby aus Zeesen, die ihr eigenes Museum in Luckau betreibt.

Die Besichtigung im Wittstocker Museum ist dienstags bis donnerstags von 9 bis 17, freitags von 9 bis 15, samstags von 11 bis 16 und sonntags von 11 bis 16.30 Uhr möglich.

Der Verein Cartoonlobby und Geschäftsführer Andreas Nicolai waren im Gegensatz zu seinem Mitglied Helmut Jacek bereits vor acht Jahren in Wittstock vertreten. Damals mit der Ausstellung „Eulenspiegel – Klassiker der ostdeutschen Karikatur“. Für die aktuelle Ausstellung zum demografischen Wandel hatte der Verein die Bilderzahl deutlich erhöht, wie Andreas Nicolai informierte. „Bei der ersten Ausstellung in Lübbenau waren es nur 140 Zeichnungen“, sagte er.

Landrat Ralf Reinhardt (l.) musste auch über so manches Bild schmunzeln. Quelle: Christian Bark

Alle Werke stammten von Mitgliedern des Vereins. Vertreten waren auch bekannte Karikaturisten wie Klaus Stuttmann, der regelmäßig für den Berliner Tagesspiegel zeichnet, oder Barbara Henniger, die sich auch als Buchautorin einen Namen gemacht hat. Von ihr gab es unter anderem eine Karikatur zu sehen, auf der Eltern gegenüber ihrem Sohn die Existenz der DDR verleugnen. Auf die demente, im Rollstuhl sitzende Oma zeigend, sagt der Vater: „Die DDR hat es nie gegeben. Frag Oma, sie weiß non nichts.“

Amüsiert betrachtete auch Beate Corbach aus Berlinchen die Bilder. „Das ist thematisch geordnet“, stellte sie bei ihrem Rundgang fest. Andreas Nicolai bestätigte die Feststellung. „Wir fangen bei der Jugend an und enden mit dem Tod“, sagte er. Und selbst der wurde in den Zeichnungen belächelt. So in der Karikatur, wo ein Mann seine Frau beim Suppe essen am Mittagstisch fragt, ob sie für aktive Sterbehilfe eintreten würde. Daraufhin entgegnet die Frau, ob er das nicht schmecken würde. Im Bild „Sterbehilfe für Arme“ steht für Opa ein Pfleger mit Holzhammer bereit.

Von Christian Bark

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