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Denkmaltag: Stöbern bis in den letzten Winkel

Neuruppin/Perleberg Denkmaltag: Stöbern bis in den letzten Winkel

Beim Tag des offenen Denkmals laden am Sonntag mehr 50 als Gebäude und Parks im Nordwesten des Landes zum Erkunden ein. Einmal im Jahr veranstaltet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den bundesweiten Denkmaltag. Er soll zeigen, wie spannend Geschichte sein kann – und was nötig ist, sie zu erhalten.

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Auch wenn der Neuruppiner Tempelgarten gerade Baustelle ist, können Besucher ihn beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag erkunden.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Der Blick vom Turm der Gentz’schen Villa im Neuruppiner Tempelgarten muss beeindruckend sein. „Früher war es angeblich möglich, von dort bis nach Gentzrode zu sehen“, sagt Peter Neiß. Der Vorsitzende des Neuruppiner Tempelgartenvereins kennt viele Anekdoten aus der Geschichte der kleinen Parkanlage an der Neuruppiner Präsidentenstraße. Der Tempelgarten hat es ihm und seinen Mitstreitern angetan. So schön die Vorstellung ist, dass der Blick von dort bis zum sechs Kilometer weiter mitten im Wald gelegen Gut reichen soll, regen sich dann auch bei ihm einige Zweifel.

Wer will, kann sich am Wochenende aber selbst ein Bild davon machen. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag können Besucher ausnahmsweise den sonst verschlossenen Turm der Villa im Tempelgarten besteigen.

Tag des offenen Denkmals seit 1993

Den Tag des offenen Denkmals veranstaltet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit 1993 jedes Jahr im September. Einen Tag lang können Besucher tausende denkmalgeschützte Gebäude, Parks und Industrieanlagen erkunden. In ganz Deutschland beteiligen sich Gemeinden und private Eigentümer, laden zu Führungen und oft auch zu Kaffee und Kuchen ein.

Das Herbstsche Haus am Markt in Wusterhausen

Das Herbstsche Haus am Markt in Wusterhausen.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Im Land Brandenburg haben am Sonntag, 11. September, in keinem anderen Landkreis so viele Denkmale geöffnet wie im Kreis Ostprignitz-Ruppin. 42 Einrichtungen beteiligen sich am Denkmaltag, dazu zwölf Denkmale in der Prignitz.

Allein in Neuruppin können zehn historische Orte erkundet werden

Allein in Neuruppin und seinen Ortsteilen können die Besucher zehn historische Orte bis in den letzten Winkel erkunden. Der Tempelgarten gehört dazu – auch wenn er eigentlich gerade Baustelle ist. Seit Juli wird die Gartenanlage nach historischem Vorbild neu gestaltet. Das hält die Vereinsmitglieder aber nicht ab, ihr Schmuckstück den Besuchern vorzuführen. Für 9.30 Uhr ist eine Führung durch den gesamten Garten geplant, um 14 und um 16 Uhr kann unter fachkundiger Leitung die Baustelle besichtigt werden. Tempel und Park sind den gesamten Tag geöffnet.

Auswahl des Programms zum Tag des offenen Denkmals

Alt Ruppin: Kornspeicher Neumühle, Neumühle 3. Vieretagiger Backsteinbau mit Rundbogenfenstern, erbaut 1840. 10-18 Uhr, Führungen nach Bedarf, Atelier der Holzdesignerin, alte Handwerkstechniken, Imbiss Kaffee und Kuchen.

Berlitt: Gutspark, Berlitter Dorfstraße 41. Führung 16.30 Uhr, 15 Uhr Aufführung des Pilgertheaters.

Brügge: Persiuskirche, Ringstraße 22. Neugotischer Feldsteinbau von 1864. Ab 11 Uhr landesweite Eröffnungsveranstaltung, 14 Uhr Orgelkonzert, 15.30 Uhr Chor, 17 Uhr Tanztee, Markt.

Dorf Zechlin: Kirche, Anger 9. Ganztags geöffnet, Führungen um 11.15 Uhr und 14 Uhr, 17 Uhr Orgeldoppelkonzert.

Dranse: Walkmühle, Walkmühler Straße 1. 1705 erbaut, um 1855 Kornmühle, Neuaufbau 1880 nach Brand, alle Müllereimaschinen von 1906 bis DDR-Ergänzungsmaschinen vor 1955. Geöffnet 11-17 Uhr.

Freyenstein: Altstadt 11. Altstadt in Form von ca. 100 Feldsteinkellern unter der Erde, Zeugnis einer planmäßig angelegten Stadt im Mittelalter. Geöffnet 10-17 Uhr.

Gadow: Dorfkirche Gadow, Dorfstraße 44. 1860-63 erbaut, Spätbarock, Altar und Kanzel des Bildhauers Koch. Kaffeetafel, 10-17 Uhr.

Gnewikow: Kirche, spätgotischer Saalbau. 14 bis 16 Uhr, Vorträge und gemütliche Runde bei Kaffee und Kuchen.

Herzsprung: Dorfkirche, Herzsprunger Dorfstraße. Spätgotischer Feldsteinbau um 1500. Geöffnet 8-18 Uhr, Führungen 10-16 Uhr.

Kyritz: Franziskanerkloster, Klostergarten, Bachstraße 2. Musik und Informationen von 14 bis 16 Uhr.

Lenzen: Stadtkern, Ackerbürgerhaus mit Gehöft, Seetorstraße 7. Gemischte Fachwerkbauweise mit Satteldach, Stall und Scheune in Backstein ca. 1790. Geöffnet 13-18 Uhr, Führungen sind stündlich, Melodien auf dem Klavier.

Perleberg: Rathausbrunnen. Stadtführung durch den historischen Stadtkern um 10 Uhr.

Pritzwalk: Sankt-Nikolai-Stadtpfarrkirche, Kirchstraße. Dreischiffige Hallenkirche mit Hallenumgangschor, Mitte 13. Jahrhundert. Geöffnet 10-17 Uhr.

Sieversdorf: Mitteldeutsches Ernhaus, Dorfstraße 4. Wohnstallhaus, Fachwerk 18. Jahrhundert. 11-17 Uhr, Führungen 13/15 Uhr.

Wernikow: Feldsteinkirche, Wernikower Dorfstraße. Erbaut 1245-53, älteste datierte Feldsteinkirche in der historischen Prignitz. 10-17 Uhr.

Wittstock: Telschowsches Haus, Auf der Freiheit 8. 1566 erwähnt, eines der repräsentativsten Häuser der alten Amtsfreiheit. Geöffnet 11-17 Uhr, Kaffee, Kuchen.

Wulfersdorf: Kirche. Feldsteinbau 16. Jahrhundert. Geöffnet 9 bis 15 Uhr.

Wuthenow: Schinkelkirche. Geöffnet 10 bis 18 Uhr, 14.30 Uhr Familiengottesdienst, 15.30 Uhr Kaffee und Basteln, 16.30 Uhr Konzert.

Wusterhausen: Herbstsches Haus, Am Markt 3. Fachwerkhaus von 1764. Geöffnet 10 bis 16 Uhr.

Hinweis: Komplettes Programm unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

Gleich nebenan lädt auch das Museum zu Führungen ein. Am Sonntag um 11 Uhr wird dort eine Foto-Ausstellung zum Handwerk in Brandenburg eröffnet. Um 15 Uhr wird die amtierende Museumsleiterin Carola Zimmermann Besucher durch das Haus leiten und dabei besonders auf die Baugeschichte des heutigen Museums eingehen, das eigentlich einmal als Wohnhaus eines Neuruppiner Bürgermeisters errichtet wurde. Baugeschichte ist Carola Zimmermanns Spezialthema und das Neuruppiner Museumsgebäude bietet jede Menge zu entdecken.

Auch die Darsikower Kirche kann am Denkmaltag besichtigt werden

Auch die Darsikower Kirche kann am Denkmaltag besichtigt werden.

Quelle: Peter Geisler

Gleich acht Kirchen und Kirchlein in und um Neuruppin beteiligen sich am Tag des offenen Denkmals. Mit dabei ist auch Neuruppins wohl ältestes Gebäude: die Klosterkirche. Sie feiert 2016 einen besonderen Jahrestag, ihren 770. Gäste können das Haus besichtigen, den Turm besteigen und sich zwei Ausstellung ansehen: eine mit Arbeiten des Künstlers Franz Marc, eine zur Baugeschichte.

Motto des Tages: „Denkmale gemeinsam erhalten“

Zu Erkundungstouren laden außerdem die Schinkelkirchen von Krangen und Wuthenow, die historische Dorfkirche in Bechlin, die Kirche in Alt Ruppin und Gnewikow und die kleine Kirche in Treskow ein. Für Gemeindepädagoge Thomas Klemm-Wollny ist gerade Treskow spannend. „Das ist eine der wenigen erhaltenen Dorfkirchen aus den 30er Jahren“, sagt er. Sie liegt so versteckt an der Erich-Dieckhoff-Straße, dass sie nur entdeckt, wer gezielt danach sucht.

Da hat es die Sankt-Georg-Kapelle schon leichter. Sie fällt beim Vorbeifahren sofort in den Blick. Auch der mittelalterliche Feldsteinbau an der Neuruppiner Straße des Friedens ist gerade Baustelle. Der private Stiftungsverein, dem die Kapelle gehört, kann endlich das marode Dach sanieren. Beim Denkmaltag am Sonntag können sich die Gäste von 10 bis 13 Uhr erklären lassen, was in den kommenden Monaten und Jahren geplant ist, um das Haus vor dem Verfall zu retten. Für den Denkmaltag ist die Sankt-Georg-Kapelle das beste Beispiel. Das Motto des Tages lautet „Denkmale gemeinsam erhalten“. Genau das versucht der Stiftungsverein: gemeinsam ein Baudenkmal zu bewahren, für das allein keiner die Kraft hätte.

Von Reyk Grunow

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