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Der Auszug der Roboter

Landwirtschaft in Wulfersdorf Der Auszug der Roboter

Die händeringende Suche nach Melkern brachte Landwirt Claus Behrend in Wulfersdorf in die Bredouille. Die Lösung: Anfang 2010 ließ er drei Melkroboter in seinem Stall in Wulfersdorf installieren. Doch die Freude über die bahnbrechende neue Technik wurde bald getrübt: die Stromkosten schossen in die Höhe, es gab jede Menge technische Probleme, vor allem bei Frost

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Die Kühe in Claus Behrends Stall werden wieder von Hand gemolken.

Quelle: Björn Wagener

Wulfersdorf. So hatte sich das Landwirt Claus Behrend nicht vorgestellt: eine halbe Million Euro investiert, jahrelanger Ärger und eine bevorstehende juristische Auseinandersetzung. Dabei hätte sich das alles auch leicht vermeiden lassen, wenn es genügend Melker auf dem Arbeitsmarkt gäbe. Aber die sind nun einmal Mangelware. „Die Arbeitsagentur schickte mir zehn Leute. Davon meldete sich aber nur einer, und der sagte schließlich auch wieder ab, weil er angeblich das Auto von seinen Eltern an diesem Tag nicht zur Verfügung hatte“, berichtet Behrend.

Und weil das schon seit einigen Jahren ein Problem ist, glaubte er zunächst die Lösung gefunden zu haben. Anfang 2010 ließ er drei Melkroboter in seinem Stall in Wulfersdorf installieren. Die sollten die fehlenden Leute kompensieren. Knapp eine halbe Million Euro ließ er sich das Ganze kosten. Milchmenge und -leitfähigkeit, Wiederkäutätigkeit, Brunstaktivität, Gewicht und vieles mehr, sogar sich ankündigende Krankheiten sollten nicht länger verborgen bleiben. Jede Kuh trug einen Transponder, der sie als Stallbewohnerin auswies. Mit seiner Hilfe wurden extra Kraftfuttermengen und das „Melkanrecht“ festgelegt. Während die Kuh fraß, konnte sie gemolken und gewogen werden. Alles ging automatisch. Alles sollte schneller, besser und leichter werden (die MAZ berichtete).

Doch die Freude über die bahnbrechende neue Technik wurde bald getrübt, denn es geschah genau das Gegenteil. Die Stromkosten schossen in die Höhe, es gab jede Menge technische Probleme, vor allem bei Frost. Die Roboter fielen immer wieder aus. Die Kühe gaben weniger Milch. Die Überwachung der Technik verschlang viel Zeit und verursachte Aufwand, den Behrend eigentlich hinter sich lassen wollte. Hinzu seien diverse Abstimmungsprobleme mit der Herstellerfirma gekommen. Letztlich hätten die drei Roboter mehr Arbeit und Kosten verursacht als sie nutzten, sagt Behrend.

Deshalb zog er bereits im Dezember 2010 die Notbremse. Die Roboter wurden stillgelegt, und die herkömmliche Melktechnik zog wieder ein. „Die hatte ich Gott sei Dank noch behalten“, sagt Claus Behrend. Ausgestanden aber ist der Ausflug in die Welt der Automatisierung für ihn bis heute nicht. „Die Herstellerfirma weigert sich, mir die Investitionskosten zurückzuzahlen. Man bot mir lediglich einen Teilbetrag an.“ Die Sache werde letztlich wohl vor Gericht landen. Zurzeit stehen die Roboter nutzlos im Stall.

Zu all dem Ärger ist auch das eigentliche Problem geblieben: Es fehlen immer noch die Melker. Mittlerweile sieht sich Behrend auch im Ausland nach passenden Arbeitskräften um und streckt seine Fühler sogar bis nach Rumänien aus. Aber bisher habe das auch noch keinen durchschlagenden Erfolg gebracht. Er sucht zwei Melker. Eine angemessene Bezahlung sei selbstverständlich. Trotzdem: Er findet einfach keine Leute, die natürlich auch eine entsprechende Qualität und Leistung abliefern müssen. Dennoch hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Er möchte seine Milchkuh-Herde langfristig sogar von derzeit 330 auf 500 Tiere erweitern, um Schichtdienst einführen und so zwei Arbeitskräfte besser auslasten zu können – wenn er sie denn irgendwann findet.

Von Björn Wagener

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