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Der Dealer will sein Leben ändern

Neuruppin Der Dealer will sein Leben ändern

Wegen bewaffneten Drogenhandels wurde ein 26-jähriger, einschlägig vorbestrafter, Neuruppiner am Dienstag vom Landgericht Neuruppin zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung des drogenabhängigen Dealers in eine Entziehungsanstalt an. Um sein Leben zu ändern, braucht er eine Therapie.

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Quelle: dpa

Neuruppin. „Sie haben alles richtig gemacht“, sagte Richterin Sandra Marks. Hätte Chris S. nicht reinen Tisch gemacht und Aufklärungshilfe geleistet, hätte das Gericht ihm mindestens fünf Jahre Haft aufgebrummt.

Reinen Tisch gemacht

So kam der 26-Jährige mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten davon. Darin sind zwei Urteile aus vorangegangenen Strafverfahren enthalten. Die zweite große Strafkammer des Landgerichts verurteilte Chris S. unter anderen wegen bewaffneten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am 29. November vergangenen Jahres hatte die Polizei sieben Haschischplatten zu je 100 Gramm, etwa 170 Gramm Amphetamin, 190 Ecstasy-Tabletten sowie kleinere Mengen Marihuana gefunden, dazu griffbereit mehrere Butterfly- und Springmesser.

Angeklagter nahm selbst Drogen

Chris S. ist nach eigenen Angaben selbst ein Drogenabhängiger. Bis zu seiner Inhaftierung habe er Tag für Tag zehn Gramm Amphetamin konsumiert, räumte er ein. „Das ist schon eine Nummer“, sagte Staatsanwalt Torsten Sauermann.

In seiner Ein-Raum-Wohnung empfing Chris S. seine Abnehmer und verkaufte ihnen die gewünschte Ware. Das hatte der Angeklagte bereits am ersten Verhandlungstag freimütig eingeräumt. „Durch sein Geständnis wurde das Verfahren erheblich verkürzt“, sagte Verteidiger Uwe Meyer. Das relativiere sich durch die Durchsuchung, so die Richterin.

Messer lagen griffbereit in der Wohnung

Für den Angeklagten sprach, dass die Drogen nicht in den Verkehr gelangt sind und es sich laut höchstrichterlicher Rechtsprechung um so genannte weiche Drogen handelte. Dieser Auffassung schloss sich der Staatsanwalt, wie er sagte, „zähneknirschend“ an. Denn harmlos seien die Drogen nicht: „Ich habe schon gesehen, was Cannabis anrichten kann.“

Auch, wenn der Angeklagte kein „bis an die Zähne bewaffneter Drogenhändler“ sei, müsse man von einem bewaffneten Drogenhandel ausgehen, waren sich Gericht und Staatsanwalt einig. Denn die Messer lagen offen zum einen auf dem Sofa, zum anderen auf der Arbeitsplatte in der Küche herum. „Ein Butterflymesser ist eine gefährliche Waffe, die blitzschnell eingesetzt werden kann“, sagte Sauermann. Auch, wenn Chris S. sie nur zur Reparatur von Mopeds und Ausnehmen von Fischen benutzt haben will.

Angeklagter wurde unter laufender Bewährung wieder straffällig

Was Gericht und Staatsanwalt sehr übel nahmen war, dass Chris S. drei Wochen vor der Durchsuchung wegen eines anderen Drogendelikts vor dem Neuruppiner Amtsgericht angeklagt war und außerdem unter laufender Bewährung stand. „Das ist schlichtweg eine Unverschämtheit“, so Sauermann. Verteidiger Meyer führte aus, dass der Angeklagte noch den Widerruf einer Bewährungsstrafe und demnächst noch eine, wie er sagte, „erhebliche Strafe“ wegen Computerbetruges zu erwarten habe.

Angeklagter will sein Leben umkrempeln

Doch nun soll Schluss mit dem kriminellen Leben sein. „Sie haben glaubhaft rüber gebracht, dass Sie Ihr Leben grundlegend umkrempeln wollen“, sagte Richterin Marks. Das heißt, nicht mehr wie bisher in den Tag hinein zu leben – und vor allem keine Drogen mehr zu nehmen. „Er muss jetzt ändern, was in den vergangenen zehn Jahren schief gelaufen ist“, sagte Meyer. Die Erkenntnis habe sein Mandant in der Untersuchungshaft gewonnen. Bei der Umsetzung dieser Vorsätze braucht der Angeklagte aber Unterstützung. Das Gericht ordnete deshalb seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der Angeklagte will sich einer Therapie unterziehen. Auch der psychiatrische Gutachter hatte sich für eine Therapie ausgesprochen. Denn ohne eine Behandlung seien von Chris S. weitere Straftaten zu erwarten. Er hat sich über Jahre mit Drogengeschäften abgegeben, ist selbst abhängig.

„Wenn er noch mal das Ruder herum reißen will, braucht er Hilfe“, sagte Staatsanwalt Sauermann. Ob Chris S. diese annimmt, ist seine Sache. Den Weg dahin hat das Gericht geebnet.

Von Dagmar Simons

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