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Der Detektivarbeit neue Impulse gegeben

Wittstock Der Detektivarbeit neue Impulse gegeben

Ortschronisten sind hin und wieder richtige Detektive in ihrer Heimatgeschichte. Egal ob sie nur das Zeitgeschehen dokumentieren oder auch mal in die Vergangenheit tauchen – ihre Arbeit ist für die Region ungeheuer wichtig. Deshalb sollen sie nun regelmäßiger gebrieft werden. Ein erstes großes Treffen gab am Dienstag in Wittstock neue Impulse für die Detektivarbeit.

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Volker Punzel (r.) erklärte den Chronisten die Bedeutung von Geschichte für die Identität und die Wirtschaft eines Ortes.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Wie vielseitig – vor allem vielseitig auslegbar – die Arbeit der Ortschronisten in Wittstock und Heiligengrabe ist, wurde bei ihrem Treffen am Dienstag im Wittstocker Rathaus einmal mehr offensichtlich. Es war das erste große Treffen seit Jahren, wie der Wittstocker Historiker Wolfgang Dost bemerkte. „Höchste Zeit also, mal wieder zusammenzukommen und sich auszutauschen“, sagte er.

Für ein Fachreferat hatte Dost im Vorfeld den Historiker Volker Punzel vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam gewinnen können. Punzel ist zudem Beauftragter für die Ortschronisten in der Mark. In seinem Vortrag verwies Volker Punzel unter anderem darauf, dass es in Brandenburg keinen Landesheimatbund gibt, unter dessen Aufsicht die Betreuung und Arbeit der Chronisten laufe. „Dadurch sind wir auf mehr Eigeninitiative angewiesen“, betonte er hingegen den positiven Aspekt dabei.

Volker Punzel zufolge, müssen nun rechtzeitig die letzten überlebenden Zeugen der NS-Zeit befragt werden

Volker Punzel zufolge, müssen nun rechtzeitig die letzten überlebenden Zeugen der NS-Zeit befragt werden.

Quelle: Christian Bark

Dem Historiker war daran gelegen, den Chronisten die Bedeutung ihrer Arbeit vor Augen zu halten. „Chronisten haben eine ganz andere Beziehung zu ihrem Ort“, sagte er. Ihr Fleiß und ihre Objektivität seien Voraussetzung dafür, dass Bewohner auch noch in ferner Zukunft die Geschehnisse der Vergangenheit nachvollziehen könnten. Dazu bedürfe es einer engen Zusammenarbeit zwischen den Ehrenamtlichen und der Kommunalverwaltung.

Dass die an der Fortbildung und Organisierung ihrer Chronisten ein Interesse hat, betonte zum Anfang der Veranstaltung Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann. „Jeder Ortsteil hat seine Geschichte und damit seine eigene, unverkennbare Identität“, sagte er. Kulturamtsleiterin Dorothea Stüben brachte sich aktiv in das Treffen ein. Sie notierte Ansatzpunkte für künftige Strategien und eine engere Verflechtung.

Geschichte fördert Tourismus

Denn die Geschichte kann Volker Punzel zufolge ein entscheidender Faktor bei der touristischen Vermarktung einer Region sein. Allein die Filmbranche sei eine vielversprechende Einnahmequelle. Als Chance betrachtete Volker Punzel zudem Zugezogene, die ein besonderes Interesse an ihrer neuen Heimat mitbringen würden – und manchmal auch Geld, um Gebäude zu sanieren oder Infrastruktur zu schaffen. All das im Zusammenspiel bedeute für die Prignitz einen echten Gewinn.

Wolfgang Dost (Mitte) plant weitere Zusammenkünfte der Chronisten

Wolfgang Dost (Mitte) plant weitere Zusammenkünfte der Chronisten.

Quelle: Christian Bark

„Und die Chronisten können hierbei eine entscheidende Rolle spielen“, sagte Historiker Punzel. Denn sie notierten das Zeitgeschehen und leisten, wie Wolfgang Dost die Grundregeln des eingefleischten Chronisten Arno Drefke übermittelte, nicht selten „Detektivarbeit“. Demnach sei ein geschwätziger Chronist, der das Ohr in der Masse habe, besser als ein schweigsamer. Dass es auf Kommunikation und Kooperation, nicht nur mit Zeitzeugen, auch bei den Chronisten untereinander ankommt, betonte Punzel ausdrücklich. Dabei stellte er den 18 anwesenden Ortschronisten unter anderem die Internetplattform „Geschichtslandschaft Brandenburg“ vor, die zur Recherche und Fortbildung diene. Zudem bot er persönliche Hilfe bei Fragen an.

Mehr Informationen zu Arbeitsmethoden gewünscht

Dass einige Ortschronisten aufgrund ihrer Berufstätigkeit gar nicht die Möglichkeit haben, tief in die Geschichte zu tauchen, sondern nur Zeitgeschehen notieren könnten, machte Wulfersdorfs Ortschronist Kai-Uwe Stockfisch deutlich. Zootzens Ortschronistin Irgmgard Ritzmann betonte im MAZ-Gespräch, dass die Vergangenheit bis 1990 hervorragend in der Chronik erfasst worden wäre. Sie hätte sich mehr Informationen zur Arbeitsweise und zur Archivierung gewünscht, wie sie sagte.

Kommt alles noch, beruhigte Wolfgang Dost. Die Fortbildungsveranstaltung mit Volker Punzel soll einmal im Jahr stattfinden. Darüber hinaus plant Wolfgang Dost einen regelmäßigen Austausch der Chronisten untereinander – im größeren aber auch im kleineren Kreis.

Von Christian Bark

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