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Ein Chor für jede Tonart

Festivalchor der Kammeroper Rheinsberg startet in seine zweite Saison Ein Chor für jede Tonart

Ein kleiner Raum, acht Stühle, ein Flügel. Dazu sieben Frauen und ein Mann. Und der Mann am Flügel. Mehr braucht es nicht für die Probe. Wenngleich: ein paar mehr Menschen hätten schon noch Platz im Festivalchor, der im Sommer bei Mozarts "Zauberflöte" im Rheinsberger Heckentheater auf der Bühne stehen wird.

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Der Festivalchor der Kammeroper debütierte im vergangenen Sommer.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. "In Flecken soll es noch einen Männerchor geben", wispert ein Sopran. Chorleiter Gotthard Franke notiert es im Geiste. "Mit Männern sieht es schlimm aus", sagt er. Immerhin habe er Kontakt zur Kreismusikschule und den Neuruppiner Gymnasien aufgenommen, vier Zusagen hat er bereits erhalten. Für den einzigen männlichen Sänger im Probenraum ist das tröstlich zu hören. Auch, dass außer den acht Anwesenden noch drei weitere Männer und eine Frau zum Chor gehören, die nur an diesem Tag fehlen. Bis zur Premiere ist noch einiges zu tun.

Im vergangenen Jahr mit Laien der Region gegründet, unterstützte der Chor die Kammeroper-Aufführung "Hoffmanns Erzählungen". Damals waren es noch 16 Sängerinnen und Sänger. "Wie viele es in diesem Jahr werden, weiß ich nicht", sagt Franke knapp und klingt dabei nicht eben glücklich. Das lässt er indes bei der Probe nicht spüren - mit Hingabe treibt er seine Schützlinge zu höchsten Tönen an.

Man steht, reckt sich, dehnt die Lungen, lässt die Schultern kreisen, bis es knackt. Eine Stimme braucht einen lockeren Resonanzkörper. "Blau, blau, blau", lockern sich Lippen und Zunge - dann geht es los: "Es lebe Sarastro", singen alle. "Die Soprane sind einen Tick zu tief", ruft Franke. Er hat feine Ohren, die hat er sich in jahrelanger Arbeit als Tenor und Chordirigent erarbeitet. Mehrfach wird die Sequenz wiederholt, am Ende ist er zufrieden. "Jetzt haben wir's. Weiter zu Seite 84." Die Sänger rascheln mit den Noten, die meisten können nicht vom Blatt singen, aber das ist auf der Bühne ohnehin tabu. Aber der Text muss ja auch sitzen. "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil", scherzt Franke. Gelächter - bierernst sind die Proben nicht. Auch wenn der Gesang durchaus ernst genommen wird.

"Ich habe Angst", seufzt der einzige Bass, als er seinen Part separat singen soll. "Vor Mozart?", kontert Franke. "Der ist tot. Das weiß ich genau." Alles lacht, der Bass auch, der sich eher vor dem Notenlesen grault. "Das wird noch", tröstet Franke. Dann singen alle gemeinsam. "Jubel pur, jetzt fehlen nur noch die Wink-Elemente", lobt der Dirigent seinen Chor. Und wirklich, die kommende Pracht lässt sich bereits erahnen. Ein besonders trickreich verschachteltes Stimmenkonstrukt wird vorerst im Rap-Sprechgesang geübt, wenn alles sitzt, folgen die Töne. Ein gutes Stück Arbeit, obschon die Laiensänger Erfahrung haben. Viele singen in anderen Chören der Region. "Mit Leuten von der Straße könnte ich das nicht machen", so Franke. "Dafür ist das Stück zu anspruchsvoll." In Hoffmanns Erzählungen wirkten im Festivalchor auch Profi-Sänger mit. Zur Rheinsberger Kammeroper hat er einen guten Draht, war in den 90er Jahren an "Falstaff" und "Undine" beteiligt. "Da sang der Chor in Booten auf dem Wasser", schwärmt er rückblickend von "Undine".

Auf seine Sänger lässt er nichts kommen, auch wenn er sie in den Proben fordert. "Mich interessiert nicht, wie viel jemand kann", sagt er. "Mich interessiert nur, wie viel jemand will. Den Rest bringe ich ihm bei." Zum Beispiel dem Bass. Pascal Schäfer ist ein Neuzugang. "Ich habe schon im Musical mitgemacht", erzählt der Koch, der auch in einer Zwei-Mann-Band singt. "Früher fand ich Oper uncool, aber jetzt habe ich Lust darauf." Man könne viel lernen: kraftvolles Singen, Vielstimmigkeit, szenischer Ablauf. "Das reizt mich schon sehr", sagt der 20-jährige Rheinsberger. Die Soprane Isabell Merz und Marianne Wennrich waren schon im Vorjahr dabei. "Die Musik ist wunderschön", schwärmen sie. Und auch das Agieren auf der Bühne sei toll. Zwei Wochen vor der Premiere beginnen die szenischen Proben im Heckentheater. Isabell Merz erinnert sich lachend, wie sie einmal in der Hecke ihren Schuh verloren hatte. "Die Pannen sieht das Publikum ja nicht." Auch als in einer Vorstellung der Schuss nicht losging, der das Signal zum Schreien und Wegrennen gewesen wäre. "Irgendwann habe ich einfach losgeschrien", sagt Isabell Merz.

Auch ihr Chorleiter schätzt den Festivalsommer: "Er ist so vielseitig: musikalisch, darstellerisch, verkleidungstechnisch, szenisch." Dazu komme die Gemeinsamkeit, der Zusammenhalt - egal, ob Laie oder Profi. Auch für die Jugend sei es ein spannendes Erlebnis, jungen Sängern aus aller Welt zu begegnen. "Sommer in der Kammeroper - das ist wie Urlaub", sagt Gotthard Franke euphorisch. "Ein hochqualifiziertes Ferienlager."

Von Regine Buddeke

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