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Der Förderverein macht Schule

Die neuen Motoren im Bildungssystem Der Förderverein macht Schule

Aus der Schullandschaft sind sie nicht mehr wegzudenken: Fördervereine. Brandenburgweit gibt es nur noch wenige Einrichtungen ohne solche helfenden Hände. In den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin sind sie mittlerweile fast flächendeckend vorhanden. Denn für Schulfördervereine gibt es eine Menge guter Gründe.

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Der Goethe-Grundschulförderverein ermöglicht Klassenfahrten für einkommensschwache Familien und stemmt aber auch den alljährlichen Schulweihnachtsmarkt.

Quelle: Reichel

Kyritz. Ein Autohaus spendiert dem Förderverein einer Grundschule 500 Euro. Die Lehrer jubeln und erst recht die Eltern: Auch für die nächsten zwei Jahre müssen sie weiterhin kein Kopiergeld zahlen. Woher kommt diese Freude, obwohl doch der Schulträger für solche Dinge verantwortlich ist? Wo kommen wir hin?

Die Spendenbotschaft, die kürzlich an der Kyritzer Goethe-Grundschule für gute Laune sorgte, ist nur ein kleiner Aspekt rund um die gewachsene Bedeutung von Schulfördervereinen. Sie helfen da aus, wo der Schuh drückt. Weil sie Spendenquittungen ausstellen dürfen, was für Sponsoren attraktiv ist. Und die Vereine dürfen Fördergeldantrage stellen. In aller Regel geht es dabei um hilfreiche Ergänzungen für den Schullalltag und drumherum, also weniger um die Ausstattung wie Lehr- und Unterrichtsmaterial. Es sei denn, es soll bewusst aufgestockt werden und über das hinausgehen, was der Träger bereitstellt – wie etwa das Kopierpapier.

Schulfinanzierung

Das Land stellt den öffentlichen Schulen das Personal. Zudem unterstützt es über das Finanzministerium die jeweiligen öffentlichen Schulträger wie Städte, Gemeinden oder Landkreise bei ihren Kosten zur Ausstattung. Diese Zuwendung bemisst sich an der Anzahl der Schüler und ist im Brandenburgischen Finanzausgleichsgesetz unter „Schullastenausgleich“ geregelt.

Die Schulträger sind ansonsten für die Ausstattung ihrer Einrichtungen allein verantwortlich. Dabei gibt es landesweit Empfehlungen etwa zur Ausrüstung mit Lehr- und Unterrichtsmittel. Jede Kommune entscheidet selbst, ob und wie weit sie darüber hinaus investiert. Kostenintensiv jedoch sind vor allem die Immobilien an sich, wobei es um Betriebskosten geht und um Sanierungen oder Reparaturen. In aller Regel sind die Kommunen bei größeren Vorhaben daher auf Fördergelder angewiesen.

Schulfördervereine bereichern vorrangig das Schuleben mehr außerhalb als innerhalb des Unterrichts. Es geht um Veranstaltungen, Projekte, Aufenthalts- und Freizeitmöglichkeiten und allem voran um die Gemeinschaft von Schule und Eltern auch untereinander. Weil Vereine Spendenquittungen ausstellen dürfen, fällt es leichter, finanzielle Mittel für die Schule einzuwerben. Zudem dürfen sie Fördergeldanträge stellen. mke

Wie der Leiter der Kyritzer Goethe-Grundschule, Holger Wichert, erklärte, hat die Schule ein Budget für Lehr- und Lernmittel und darin eben das Kopierpapier. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Damit verbunden ist eine Obergrenze für die Zahl an Kopien.

„Auch unsere Kopierer sind geleast“, erklärt Kathrin Lorenz, die in der Amtsverwaltung von Neustadt für den Schulbereich zuständig ist. Viele Träger würden mittlerweile auf Mietgeräte setzen statt auf treue Anschaffungen. Sie bekommen vom Land zwar nach Schülerzahlen Geld für die Ausstattung, müssen den Betrag oftmals aber aufstocken. „Wir geben mehr aus, als die Empfehlungen des Landes für bestimmte Dinge vorsehen“, sagt Kathrin Lorenz.

Doch wenn es um Zusätzliches geht wie beispielsweise die jetzt modernen digitalen „schwarzen Bretter“ im Flur der Homburg-Schule, klappe mit Sponsorenhilfe eben doch einiges besser. Denn wären die Firma Hüffermann-Transportsysteme und die Sparkasse nicht gewesen, hätte diese Ausgabe erst langwierig über die Ausschüsse der Kommunalpolitiker im Haushalt geregelt werden müssen. Doch eine Lückenfüllerfunktion sollen Sponsoren dennoch nicht haben, sagt Margrit Höfgen vom Landesverband schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg in Potsdam. „Ein Träger darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen, bloß weil der Förderverein erfolgreich Geld einwirbt.“ Doch darum gehe es im Prinzip auch nicht. „Geld, von dem es nie genug gibt, ist zwar die eine Sache. Vorrangig ist aber, dass Eltern sich gemeinsam engagieren, dass sie sich am Schulleben beteiligen, eine Schulkultur mit erschaffen“, sagt Margrit Höfgen.

Tatsächlich: Auf der neuen Internetseite der Kyritzer Goethe-Grundschule erklärt deren Förderverein zuerst die wichtigsten Aufgaben vor vielen weiteren. Demnach wurde er im März 2009 gegründet „zur Repräsentation der Grundschule in der Öffentlichkeit, zur Förderung der Gemeinschaft Schule-Eltern-Lehrer und um Interesse der Öffentlichkeit für Belange der Grundschule zu wecken“. Bei der nahe gelegenen Kyritzer Diercke-Oberschule ist das so formuliert: Es geht um die „Unterstützung der Schulgemeinschaft über den planmäßigen Schulrahmen hinaus, mit dem Ziel, die gesellschaftliche Entwicklung der Schulgemeinschaft zu fördern“. Ähnliches lässt sich bei Vereinen in Wittstock, Pritzwalk oder Neuruppin lesen. In den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin gibt es sie mittlerweile fast flächendeckend.

Der Landesverband bietet Hilfe bei der Gründung an, aber auch in rechtlichen Fragen und Weiterbildungen. Zudem stellt er für Schulveranstaltungen Nützliches wie Popcorn-Maschine, Crêpes-Maker oder Button-Maschine bereit. Dafür bei ihm Mitglied zu werden, ist keine Pflicht. Aus der Region haben sich dennoch der Montessori-Förderverein Prignitz aus Wittenberge, der Verein der Jahn-Grundschule Pritzwalk, der Verein für berufliche Bildung am Oberstufenzentrun Neuruppin und der Montessori-Elternverein Neuruppin angeschlossen. Der Förderverein der Löwenzahn-Grundschule Breddin ist auch dabei. 2013 gegründet, gehört er noch zu den jüngeren. „Das Interesse ebbt nicht ab, wir bekommen ständig Anfragen aus allen Landesteilen“, sagt Margrit Höfgen. Zu den älteren in der Region gehört der 1993 gegründete Förderverein der Neustädter Homburg-Schule. „Vielleicht würde es unser Projekt Reiten in der Schule heute so noch nicht geben, wenn damals nicht Fördergelder aus Lottomitteln über den Verein zur Begabtenförderung eingeholt worden wären“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende Friedhelm Schottstädt.

So werden diese Vereine auch vom Bildungsministerium in Potsdam „als wichtiger Bestandteil einer lebendigen Schulkultur sehr wertgeschätzt“, wie Sprecherin Antje Grabley sagt: „Ein Schulförderverein unterstützt die Bildung aller Kinder an der Schule durch gezielt, meist auf die besondere Prägung einer Schule abzielende Ideen und Initiativen“. Die Vereinsarbeit leiste einen „wichtigen Beitrag zur partizipativen Gestaltung des Schullebens und zur demokratischen Schulkultur“.

Von Matthias Anke

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