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Der Lange vom Markt

Wusterhausen Der Lange vom Markt

Gemüsehändler Christian Borck aus Stüdenitz ist auf dem Wusterhausener Wochenmarkt eine Institution. Seit 1993 steht er bei jedem Wetter zweimal pro Woche auf dem Markt. Der Mann fürs Frische und Grüne ist in der Landwirtschaft aufgewachsen – und hat sie noch immer im Blut. Auf seinem Hof tummeln sich Hühner und Schweine.

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Der Stand von Christian Borck auf dem Wusterhausener Marktplatz ist nicht zu übersehen. Er selbst auch nicht. Links: Ines Zerbe.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Zwei Frauenhände in Strickhandschuhen ohne Fingerlinge um einen dampfenden Kaffeepott gelegt – das ist das kleinste Öfchen, an dem sich Ines Zerbe jetzt noch wärmen kann. Sie hat es im Laden der Bäckerei Kindt „anheizen“ lassen. Aus dem Schaufenster fällt fahles Licht und signalisiert: Hier ist deine Wärmestube bei gar so kalten Füßen. An diesem typischen November-Dienstag morgens um acht sind die ersten Brötchen-Kunden schon wieder auf dem Heimweg.

Und auch am Gemüsestand von Christian Borck zehn Schritte von der Ladentür entfernt beginnt der Betrieb. Ines Zerbe ist stundenweise seine Mitarbeiterin. Sie stellt die Tasse jetzt beiseite. Auch ihre Kunden können Frühaufsteher sein. Christa Calließ gehört diesmal zu den Ersten an den Stiegen mit Kartoffeln, Kohl, Tomaten und Radieschen, Bananen, Orangen und Weintrauben. Die 91-Jährige kann aus ihrem Stubenfenster genau sehen, wann der Verkaufsstand von Christian Borck fit ist für den Markttag in Wusterhausen. „Nach dem Mann kann man die Uhr stellen. Immer“, sagt sie. „Sein Obst- und Gemüseladen im Freien öffnet zweimal in der Woche bei jedem Wetter.“ Der Stüdenitzer Borck war an diesem Dienstag wie immer schon um 6 Uhr vor dem Rathaus im Gange.

Christian Bork mit selbst gezogenen Kürbissen in  auf seinem Hof in Stüdenitz

Christian Bork mit selbst gezogenen Kürbissen in auf seinem Hof in Stüdenitz.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Zwei Stunden dauert es in aller Regel, bis alles aufgebaut ist, die Kisten mit der Ware aus dem weißen Transporter geladen sind und möglichst in Griffweite stehen, zuletzt die Preisschilder. Gegen 4 Uhr war für den Händler die Nacht zu Ende. Was er aus dem Berliner Großmarkt tags zuvor herangeholt hat, wurde mit Zuladung aus Eigenproduktion ergänzt. Der Weg vom Hof in Stüdenitz bis nach Wusterhausen ist dann nur noch ein Katzensprung. Borck fährt zu „seinen“ Kunden.

Mit solch einer Personifizierung kann man sich leicht vertun. Bei Christian Borck allerdings am wenigsten. Seit 1993 konnte man sich hier an ihn gewöhnen. Nach einigen Versuchen an unterschiedlichen Standorten legte sich der 49-Jährige fest: das Wusterhausener Zentrum wurde zweimal in der Woche sein Ziel. Mit der Landwirtschaft ist er aufgewachsen. Die Ausbildung zum Pferdewirt in den Neustädter Gestüten passt in diesen Rahmen. Der schlanke Lange ritt Pferde zu, zeigte sich Tausenden Besuchern auch bei den jährlichen Hengstparaden und ging sogar bei Wettkämpfen auf rassigen Vierbeinern über Hindernisse. Dass er dann umsattelte, hing mit seiner alten Verbundenheit zu schwarzer Erde und all dem zusammen, was sie gedeihen lässt. Auch die Chance, selbstständig arbeiten zu können, reizte ihn. Zuerst auf dem Elternhof, ab 2002 dann auf eigenem Grund und Boden war Christian Borck sein eigener Chef.

Schweine und Hühner im Stall

Dass „selbstständig“ „selbst und ständig“ bedeutet, schreckt ihn bis heute nicht. Dahinter stehen lange Arbeitstage. Nicht selten haben sie Überlänge. Dennoch gibt es kein Bereuen. „Ich habe zwar keinen Mercedes in der Garage stehen, bin aber trotzdem zufrieden.“

Übrigens: Statt der Garage gibt es einen Stall mit quicklebendigen Schweinen und einen Auslauf voller Hühner. Ein bisschen Bauer ist beim Gemüseproduzenten im Blut geblieben. Sich über Jahre eine Stammkundschaft herangebildet zu haben, ist das wichtigste Kapital des Stüdenitzers. Das hätte ohne Verlässlichkeit und Präsenz an jedem der beiden Markttage pro Woche natürlich nicht funktioniert. Und ohne gleichbleibende Freundlichkeit noch weniger. Borck nennt es sein „Gefühl für Kunden“.

Noch ein Pfund ist die Herkunft seiner Produkte. Die Palette ist farbenfroh. Das beginnt im Frühjahr mit dem Grün selbstgezogener Pflanzen für verschiedenen Gemüsearten wie Gurken, Salat und Paprika und setzt sich in den nächsten Jahreszeiten mit Früchten fort, die jede Hausfrau benötigt: Tomaten, Kürbis, Kartoffeln, Sellerie und Porree, sogar Chili. Was daheim nicht wachsen kann, muss der Großmarkt liefern. Immer kurz vor dem Markttag schafft es der Händler heran.

Beim Verkaufen an diesem nebelig-feuchten Novembermorgen geht auch bei Christian Borck manch Blick hinüber zum molligen Bäckerladen hinter Glas. Und wenn der Kundenstrom eben mal nur tröpfelt, muss Ines Zerbe allein übernehmen. Zehn Minuten hinsetzen und in die Kaffeetasse gucken tut auch dem Steher Christian Borck gut.

Von Wolfgang Hörmann

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