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Ostprignitz-Ruppin Der Maler Luzian Gryczan
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Maler Luzian Gryczan
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00:32 13.03.2018
Die Bilder von Luzian Gryczan entwickeln einen Sog, dem sich der Betrachter kaum zu entziehen vermag. Quelle: Christamaria Ruch
Wittstock

Malen oder Schreiben? Schon als Kind pendelte Luzian (Lothar) Gryczan zwischen den Polen der Künste. Mit elf oder zwölf Jahren regte seine Großmutter an, dass er zum Stift greift und Karikaturen malt. „Mit 14 habe ich beschlossen, nichts anderes mehr zu machen als malen“, sagt Gryczan. Heute ist er 62 Jahre alt und arbeitet seit Jahrzehnten als Maler.

Seit 2013 ist er im Kunsthaus Dosse Park angesiedelt – eine Künstlerkolonie am Rande von Wittstock. Die Sonne fällt großzügig in die hohen Räume und lenkt ihr Licht auf die Werke des Malers. Doch auf das Tageslicht verzichtet er, denn Luzian Gryczan ist ein Nachtarbeiter. Von Mitternacht bis zum Morgengrauen überlässt er keinen Pinselstrich dem Zufall. „Die Nacht ist die Zeit, in der die Träume bereit sind. Ich träume wach, kann dann die Welt vergessen und bin künstlerisch produktiv“, sagt Gryczan. Doch mittlerweile gehört die Nacht nicht mehr ihm allein. Denn das Konsumdenken ist grenzenlos – 24 Stunden und sieben Tage in der Woche ist alles möglich. „Mir wurde sogar die Nacht gestohlen“, sagt er mit Bedauern.

Künstlerporträt Der Maler Luzian Gryczan aus Wittstock Quelle: Christamaria Ruch

Auch wenn der künstlerische Weg in seiner Jugend kaum vorhersehbar war, empfand Luzian Gryczan die Malerei und Literatur schon damals als Insel. Noch heute kann er sich an seinen ersten Romanentwurf erinnern – Zigeunergeschichten bannte er als Jugendlicher auf das Papier. In der Zerstörung der Natur als Spiegelbild einer Störung in der menschlichen Seele hat Luzian Gryczan sein großes Malthema gefunden.

Geboren in Masuren in Ostpreußen kam er im Alter von zwölf Jahren mit seiner Familie von Polen in die DDR. Das war 1967. In seinem Ausweis steht Luzian als polnischer Vorname, auf Deutsch Lothar. „Mein Vater hatte über Jahre Ausreiseanträge gestellt“, sagt Gryczan. Er wuchs zunächst mit der polnischen Sprache auf und musste in Perleberg Deutsch erlernen. „In Polen war ich der Deutsche und in Perleberg der Pole“, sagt er. Die Bilder von Pablo Picasso und Vincent van Gogh „faszinierten mich mit 14 und 15 Jahren“, sagt er. Vor allem dieser Bruch mit den Traditionen in der Malerei und der Aufbruch und neue Weg hinein in den Kubismus begeisterten ihn.

Bei „Erlösung der Hölle“ handelt es sich um eine moderne Adaption von Hieronymus Bosch „Der Garten der Lüste.“ Quelle: Christamaria Ruch

Heute sind seine Bilder randvoll mit Surrealismus und Abstraktem. „Ich möchte die Möglichkeiten der Moderne seit Beginn des 20. Jahrhunderts erforschen.“ Die Wesenskräfte des Menschen werden seit dieser Zeit immer mehr aufgerieben „das spiegelt sich in der Umwelt wieder.“ Mehr und mehr setzt sich bei Luzian Gryczan die Landschaft als Metapher und großes Thema durch. Legenden und Mythen – bis hin zur modernen Wissenschaft – verarbeitet er auf seinen bisweilen großformatigen Leinwänden. Immer wieder widmet er sich ebenso seinen Installationen oder Skulpturen. Beim Material greift er auf Müll als Grundgerüst zurück.

Mit Mitte 20 malte er ausschließlich im kleinen Format A4. „Dann entwickelte sich meine Bildersprache und mit 37 ist in mir etwas explodiert“, sagt er. Der Farbrausch entfaltet immer wieder diese Sogwirkung auf den Betrachter. Auch am Schreiben hängt er bis heute. Gedichte mit eigenwilligem Rhythmus gehören zu seinen „Tänzen der Worte“. „Aus der Sprachlosigkeit habe ich ein neues Gefühl für die Sprache entwickelt“, sagt er. Gedicht um Gedicht liegen – eigenhändig illustriert – als Druckvorlagen bereit.

Skulptur aus Müll: Die Zerstörung der Natur spiegelt die menschliche Seele wieder. Quelle: Christamaria Ruch

In Luzian Gryczans Leben gab es immer wieder Brüche, immer wieder Ablehnungen zum Kunststudium in der DDR. Dann kam die Zeit als Bausoldat auf der Insel Rügen. 1983 folgte die Ausreise mit Frau und Kind nach Aachen. Ganz am anderen Ende der Bundesrepublik hielt er sich mit vielen Jobs über Wasser, „um die Malerei zu finanzieren“, sagt er. In den 1980er Jahren gehörten die Aktionskunst und Installationen zu seinem Schwerpunkt. „Ab 1984 habe ich fast ausschließlich auf schwarzem Untergrund gemalt“, erinnert er sich. Denn: Der menschliche Zustand hatte einen schwarzen Punkt erreicht, wie Auschwitz oder Hiroshima schon Jahrzehnte zuvor zeigten.

Somit fand er zu einer eigenen Bildersprache. Bei dem „Block für eine Friedensfeier – Zwölf singende Tafeln aus der Erfindung der Seele“ lehnte er sich an den Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770 bis 1843) und dessen Schrift „Friedensfeier“ an. Auch Hieronymus Bosch und dessen Triptychon „Der Garten der Lüste“ aus der Zeit um 1500 finden bei Luzian Gryczan eine Adaption: Er schuf von 2009 bis 2015 „Erlösung der Hölle.“ „Das ist keine Kopie sondern eine moderne Interpretation“, sagt Gryczan.

„Block für eine Friedensfeier – Zwölf singende Tafeln aus der Erfindung der Seele“ von 1984. Quelle: Christamaria Ruch

Nach dem Mauerfall kam er mit seiner Familie nach Wittstock, in die Heimatstadt seiner Frau. Zwölf Jahre malte Luzian Gryczan in seinem Atelier im Kloster Stift zu Heiligengrabe. „Ich lebte dort völlig zurück gezogen.“ Nun ist er im Kunsthaus Dosse Park zu Hause. Schon auf den ersten Blick entwickeln seine Bilder einen Sog, nur vereinzelt fallen tanzende Menschen ins Auge. Alles scheint darauf zu verschwimmen, doch wenn sich das Auge auf der Leinwand entlang tastet, treten Szenen hervor. Interpretationen sind nur bedingt möglich. Das ist Absicht. Immer wieder verweigert sich der Künstler, dass seine Bilder und Grafiken vorschnell gedeutet werden. „Die Bilder wollen erlebt und gefühlt und nicht verstanden werden“, sagt Luzian Gryczan.

Nach vielen Bildern in schwarzweiß entstand 1984 „Nacht auch bei Tage“ als erster Farbrausch. Quelle: Christamaria Ruch

In der Langsamkeit und Stille sieht er eine Voraussetzung für das Sehen und Hören. Langsam entstehen auch seine Werke, mitunter arbeitet er mehrere Jahre an einem Bild. Er arbeitet mit Ölfarbe, bevorzugt aber eine trockene Technik. „Damit kann ich nahezu aquarellierend arbeiten, nutze dabei mehr Terpentin und kann mehrere Farbschichten schneller auftragen“, sagt er. Das Geheimnis ist für ihn die größte Faszination.

Von Christamaria Ruch

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