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Ostprignitz-Ruppin Der Mann, der die Fohlen macht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Mann, der die Fohlen macht
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17:02 03.03.2017
Die Pflege der Deckhengste – hier Kaltblut „Erdmann“ – gehört mit zu den Aufgaben von Besamungswart Rolf Garbe. Quelle: Alexander Beckmann
Neustadt

Unter Pferdezüchtern werden sie einfach nur Besamer genannt, die Experten von der EU-Besamungsstation der Neustädter Gestüte. Rolf Garbe (62) ist seit der Gründung 1993 dabei und leitet die Station.

Besamer. Das hört sich anzüglich an. Was macht der?

Na, ja. Den Begriff gibt es so in Wirklichkeit gar nicht. Das heißt eigentlich Besamungswart. Der kann Hengste absamen, das Sperma aufbereiten und Stuten besamen. Das ist eine Weiterbildung für Pferdewirte oder Meister der Pferdzucht, eine Qualifikation.

Und was lernt so ein Besamungswart dabei?

Man lernt als erstes, wie die künstliche Vagina aufgebaut ist und wie man damit den Hengst absamt. Außerdem geht’s natürlich um den Umgang mit dem Sperma, um Hygiene und so. Ich habe 1971 meine Lehre hier im Hauptgestüt angefangen. Für mich war der Besamungswart eine Chance, als nach der Wende das Haupt- und das Landgestüt zusammengelegt wurden und eine Besamungsstation gebaut werden sollte. Da haben sie mich gefragt und zum Lehrgang geschickt.

Braucht es für den Beruf besondere individuelle Voraussetzungen?

Ich weiß nicht. Der große Reiter war ich nie. Und dann sieht man sich eben nach einer anderen Spezialisierung um. Man will sich ja weiterentwickeln. Eine ruhige Art ist aber bestimmt nicht schlecht. Man sollte schon ruhig bleiben bei der ganzen Sache. Man kann dabei nichts erzwingen.

Klar, irgendwo müssen die Fohlen ja herkommen. Aber warum lässt man der Natur nicht einfach ihren Lauf? Da funktioniert’s ja auch.

Mit der künstlichen Besamung vermeiden wir die Übertragung von Geschlechtskrankheiten. Beim Natursprung – also der natürlichen Variante des Deckaktes – ist auch die Verletzungsgefahr größer. Außerdem können wir mit nur einem Ejakulat gleich mehrere Stuten besamen. Ohne die künstliche Besamung könnte ein Hengst nie so viele Nachkommen haben.

Macht man das schon lange so?

Wir hier in Neustadt praktizieren das seit Anfang der 90er Jahre. Die Methode selbst gibt’s bestimmt schon zehn Jahre länger. Davor musste die Stute immer irgendwie zum Hengst – laufen oder gefahren werden. Jetzt können wir das Sperma in fast die ganze Welt verschicken.

Haben Hengste eigentlich auch mal „Kopfschmerzen“ und wollen nicht? Was dann?

So ein Hengst ist nicht jeden Tag gleich drauf. Das sind wir Menschen ja auch nicht. Dann braucht man eben ein bisschen Geduld. Im schlimmsten Fall probieren wir es später noch mal – immer vorausgesetzt, dass das Pferd gesund ist.

Wie bringen Sie die Hengste überhaupt auf Touren?

Beim Absamen ist immer eine Stute mit dabei. Auf die reagiert der Hengst. Andere Tricks haben wir nicht.

Gibt es dafür eine bestimmte Jahreszeit?

Bei Hengsten eigentlich nicht. Die könnten das ganze Jahr über. Aber bei den Stuten ist das anders. Die sind vom zeitigen Frühjahr bis in den Sommer alle 21 Tage empfängnisbereit. Die Trächtigkeit dauert elf Monate und die Züchter wollen ja gern, dass die Fohlen zwischen Februar und Juni geboren werden. Dann können sie im Herbst abgesetzt werden und sind unabhängig von der Mutter. Für uns fängt die neue Decksaison also gerade an.

Für die Hengste gibt’s jetzt also viel Arbeit. Für Sie auch?

Wir haben 13 Hengste hier auf der Station. Die müssen im Normalfall einmal pro Tag ran. Außer sonntags. Da haben sie frei. Außerdem bieten wir Züchtern auch noch die sieben Hengste von der Besamungsstation Krumke mit an – um umgekehrt. Viermal die Woche wird Sperma getauscht.

Per Post?

Nein, per Kurier in Styroporkisten mit 5 bis 7 Grad. Da hält sich das Sperma so 48 bis 72 Stunden. Das ist von Hengst zu Hengst unterschiedlich. Beim Menschen soll das ja auch so sein.

Man hört ja immer mal von Tiefkühlware . . .

Ja. So ein Lager haben wir hier. Das Sperma wird in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad gelagert. Dann hält sich das garantiert zehn oder 20 Jahre. Da können dann Hengste noch Vater werden, wenn sie gar nicht mehr leben.

Wenn Sie jemand nach Ihrem Beruf fragt: Sagen sie dann wirklich Besamer?

Nein (lacht). Ich sage, dass ich Meister der Pferdzucht bin und in der Besamungsstation arbeite. Natürlich amüsieren sich die Leute schon mal. Lustig ist es oft bei Schulklassen oder anderen Besuchergruppen hier. Die verbinden das immer gleich mit Sex und so. Aber die Sprüche kennen wir alle schon. Für uns hier, meine beiden Kollgen und mich, ist das eine ganz normale Arbeit.

War der Beruf für Sie die richtige Wahl?

Ja. Das war eine gute Wahl. Es macht Spaß und man hat Verantwortung. Wir sind stolz auf jeden neuen Fohlenjahrgang. Im vergangenen Jahr sind alle besamten Gestütsstuten trächtig geworden. Daran haben aber natürlich auch die Tierärzte ganz großen Anteil, die die Stuten betreuen.

Zucht über die Landesgrenzen hinaus

Die EU-Besamungsstation des Neustädter Haupt- und Landgestütes beruht auf einer Kooperation mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Das Neustädter Gestüt betreut neben der eigenen noch eine weitere zentrale Besamungsstation in Krumke (Sachsen-Anhalt) sowie Deckstellen in Pritzhagen, Steinberg und Schmarsow (Brandenburg), Reinstedt, Stappenbeck und Wust (Sachsen-Anhalt).

Die eingesetzten Hengste befinden sich nur zum Teil im Besitz des Gestütes. Andere sind eigens für die Zucht von den Eigentümern gepachtet.

Zum Einsatz kommen die Tiere in der Regel direkt auf Nachfrage der Züchter. Der Zeitpunkt ist von der Stute abhängig.

Erweitert wird das Angebot durch die Bestände an Tiefkühlsperma.

Je Deckakt werden Gebühren von knapp 200 bis rund 1000 Euro fällig – abhängig vor allem von den züchterischen und sportlichen Qualitäten des Hengstes und von der Nachfrage.

Von Alexander Beckmann

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