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Ostprignitz-Ruppin Der Mann, der die Kirchenuhr in Gang hält
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Mann, der die Kirchenuhr in Gang hält
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00:17 18.11.2016
Gert-Ulrich Pein besteigt einmal wöchentlich den Kirchturm, um per Hand die Uhr aufzuziehen. Quelle: Peter Geisler
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Gottberg

Mollig warm ist die Winterkirche von Gottberg. Ein Ort, der zum Verweilen einlädt, sowohl für die Gottesdienstbesucher als auch den Seniorenkreis, der an diesem Nachmittag tagt, 2014 wurde die Winterkirche mit kleiner Küche,Toilette und einer elektrischen Heizung eingebaut. Dass alles konnte vom Erlös für den Verkauf des Pfarrhauses finanziert werden. Der Raum ist mit großen Glaswänden vom Kirchenschiff abgetrennt und bietet einen freien Blick in das schöne Kircheninnere, auf den Altar und den farbigen Taufengel von 1701.

Im 13. Jahrhundert errichtet , in der Neuzeit auf Vordermann gebracht

Das Gotteshaus wurde im 13. Jahrhundert errichtet, ein frühgotischer Feldsteinbau. 1628 schlug ein Blitz in die Kirchturmspitze. Dabei wurde der Abendmahlkelch, der in der Turmspitze aufbewahrt wurde, vernichtet. Außerdem wurde die Kirche noch ein zweites Mal heimgesucht, allerdings nicht von einer Naturgewalt, sondern von Soldaten, die die Grabkammer plünderten.

Laut Inschrift an der Orgelempore wurde die Kirche 1733 restauriert. 1902  wurde sie ganz aus Backstein und Feldstein umgebaut und durch einen Chorteil von quadratischem Grundriss erweitert. Der untere Teil des Turms stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Das ist sehr deutlich an der damals üblichen sorgfältigen Bauweise zu erkennen. Die regelmäßig bearbeiteten Feldsteine wurden akribisch aufeinander geschichtet. In der Spätgotik dagegen war Akkuratesse nicht das Wichtigste. Das sieht man am oberen Teil, der mit unregelmäßig großen und schlecht behauenen Findlingen aufgebaut ist.

In der Neuzeit wurde die Zuwegung gepflastert, die Türen aufgearbeitet und das Dach erneuert. 1999 wurde dem Holzwurm der Garaus gemacht.

Der Kirche fest verbunden

Der große Taufengel wurde bereits zwei Mal restauriert, 1901 und 2003. Dafür, dass die Winterkirche für den Treff des Seniorenkreises geheizt ist, sorgt Gert-Ulrich Pein. Der Gottberger hat den Kirchenschlüssel, seine Frau ist Mitglied des Gemeindekirchenrates. „Ich verbinde mit der Kirche Glauben und Tradition“, sagt er. Er wurde in der Feldsteinkirche getauft, konfirmiert, hat dort geheiratet. Seine Kinder wurden dort ebenfalls getauft und gingen zur Konfirmation. Seine Verbundenheit hat also tiefe Wurzeln. Und so ist es für ihn selbstverständlich, sich für die Kirche seines Heimatortes zu engagieren. Jede Woche steigt der 63-Jährige die 75 Stufen zum Turm hoch, um die Uhr, die ein Laufwerk von einer Woche hat, aufzuziehen. Sie schlägt stündlich.

Das Glocken läuten ist eine Wissenschaft für sich

Die Glocken, die kleinste ist aus dem Jahr von 1570, läuten elektrisch. Da muss Gert-Ulrich Pein, den alle nur Ulli nennen, nicht Hand anlegen. Ansonsten hätte der gelernte Schlosser, der bis zur Rente als Baumaschinenführer arbeitete, einen tagesfüllenden Job. Immer um 12 Uhr mittags erklingt eine der drei Glocken, dann schlägt sie im Sommer um 18, im Winter um 17 Uhr. Es ist eine richtige Wissenschaft. So läuten zum Gottesdienst alle drei Glocken, allerdings eine Stunde vor Beginn nur eine. Ist ein Kirchenmitglied gestorben, ertönt das so genannte Sterbegeläut, ab 9 Uhr wird drei Mal eine Viertelstunde mit einer Pause von fünf Minuten geläutet. Ulli Pein kontrolliert, ob alle Lampen aus sind, die Heizung für den Seniorenkreis an ist. Dann schließt er ab. Der nächste Termin wartet bereits. Er muss zur Feuerwehr. Dort wird seine Hilfe benötigt, die Spritze muss ausgetauscht werden. Rentner haben nie Zeit - Ulli Pein ist das beste Beispiel dafür.

Von Dagmar Simons

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