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Der Manta-Edelschrauber

Von der Rostlaube zur Rarität Der Manta-Edelschrauber

Den ersten Motor nahm er mit 15 Jahren auseinander. Mittlerweile hat Adrian Bährs Lust am Schrauben eher noch zugenommen. Er repariert und tunt alles, was einen Motor hat. Seine eigentliche Liebe jedoch gehört den „alten Schätzchen“ – durch seine Hände gingen schon eine Simson S 52, ein Bitter und ein knallroter Opel Manta.

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Derzeit schraubt Adrian Bähr an einem Opel Manta.

Quelle: Fotos (3): Regine Buddeke

Braunsberg. „Die teuerste Simson der Welt“ – so nennt Adrian Bähr seine S 53, und dürfte damit Recht haben. Ihm ist das 2,4 PS starke Zweirad in jedem Fall lieb und teuer – für 120 Euro hat er es als 15-Jähriger von seinem Taschengeld gekauft und inzwischen fast 6000 Euro hineingesteckt. Dazu noch ein Jahr Bauzeit und viel Liebe. Feuerverzinkter Rahmen, Komplettlackierung, generalüberholter Motor, Außendeckel und Radnaben verchromt, extra gefertigte Sonderteile, Edelstahlfelgen mit Namensgravur. „Behr“ statt Bähr – weil die Gravurmaschine keine Umlaute kennt. Und das auch nicht gerade billige Airbrush, das hat er zum 16. Geburtstag bekommen. Also ein absolutes Unikat, mit einer Macke: der Delle im Tank. „Da war die Katze schuld“, erzählt Adrians Mutter, die wie der Rest der Familie den 24-Jährigen bei seinem Hobby unterstützt.

Diese aufgemotzte Simson ist ein echtes Unikat – und die vermutlich teuerste Simson der Welt

Diese aufgemotzte Simson ist ein echtes Unikat – und die vermutlich teuerste Simson der Welt.

Quelle: Regine Buddeke

Adrian schraubt, seit er der Grundschule entwachsen ist. „Ich war elf Jahre, da hat mir mein Vater drei alte Mopeds mitgebracht“, erinnert sich Adrian. Er setzte sich daran, schraubte, übte – und lernte dabei. Zwischenzeitlich verlor er mehrfach die Lust. Die kam aber indes rasch wieder, als er vom Großvater einen alten Massey-Ferguson-Trecker bekam – da war er 17. „Eine Rarität“, sagt der Braunsberger über seinen Oldtimer, der mit Baujahr 1958 genauso alt ist wie Adrians Vater.

Als „meinen Höllenwinter“ bezeichnet er die Monate, die er gebraucht hat, um den Motor komplett zu zerlegen und wieder in Schuss zu bringen – bei minus 20 Grad. Jetzt dient der Trecker der Familie für die Landwirtschaft. Noch ein weiterer Trecker ist ein Meilenstein in Adrian Bährs Schrauber-Karriere: „der Weltmeister“, ein Deutz Baujahr 73, der mit seinem Vorbesitzer schon in England, Irland, Holland und sogar Texas war. „Um den finanzieren zu können, mussten wir fünf der sechs Trecker aus Opas Sammlung verkaufen“, sagt Adrian, der immer nur aller paar Wochen zu seinem Hobby kommt.

Der alte Trecker dient jetzt in der Landwirtschaft

Der alte Trecker dient jetzt in der Landwirtschaft

Quelle: Regine Buddeke

In der restlichen Zeit ist er als Matrose auf Frachtschiffen unterwegs. Wenn ihm dann noch Zeit bleibt, repariert und tunt er „alles, was einen Motor hat. Sogar Rasenmäher.“ Nur keine Elektrofahrzeuge. „Die haben mir zu wenig Sound“, sagt der junge Mann und lächelt.

Moderne Autos mag er weniger: Die haben für seinen Geschmack einfach „zuviel Elektronik“. Einmal ist er auf der Autobahn liegengeblieben – der ADAC war hilflos, weil das Fehler-Auslesegerät angesichts des alten Autos streikte. „Ich mag analoge Autos“, bringt es der Bastler auf den Punkt.

Zum Beispiel das rotlackierte Schätzchen, das er gerade am Wickel hat. Den 40 Jahre alten Opel Manta hat er von seiner Großmutter zum 18. Geburtstag bekommen. „Überteuert“, wissen Mutter und Sohn inzwischen. „Wenn wir damals schon gewusst hätten, was alles kaputt ist, hätten wir den Preis gedrückt“, sagt Adrian. „Heute macht mir keiner mehr was vor.“ Sieben Jahre hat er am Manta gebastelt, Zigtausende hineingesteckt – herausgekommen ist ein Schmuckstück, bei dem er noch die Zierleisten anbringen will. „Die Ersatzteilbeschaffung ist enorm schwierig“, erzählt Regine Bähr, die den Part übernommen hat. Mittlerweile weiß sie schon ganz gut, wo man was bekommt. Demnächst will sie noch eine rote „Garage“ aus Satin für den Manta nähen. Im Innenraum herrscht Hausschuh-Pflicht. Denn die mit Mantarochen verzierten Veloursteppiche will Adrian Bähr nie wieder bürsten. „Das mach ich nur einmal im Leben.“ Insofern sei der Manta eher etwas für Ausstellungen – nichts für Oldtimer-Rallys.

Für solche Zwecke hat Adrian Bähr einen Bitter – „das Schlachtschiff unserer Flotte“ nennt er ihn. Eine Fahrzeugmarke, von der offiziell gerade mal 600 Autos hergestellt wurden, weltweit gibt es davon höchstens noch geschätzte 200. „Zu Erich Bitters 70. Geburtstag hat man versucht, 70 davon zusammenzutrommeln. Bei 60 war Schluss“, erzählt der Hobby-Bastler, der das rare Gefährt seiner Mutter verehrt hat.

Der Manta ist der ganze Stolz von Adran Bähr

Der Manta ist der ganze Stolz von Adran Bähr.

Quelle: Regine Buddeke

Der Bitter bringt derzeit so viel Sound, wie nur geht. Als Adrian den Motor anlässt, röhrt und knattert es heftig, denn einen Auspuff hat das gute Stück noch nicht. Den muss er noch einbauen, genau wie Bremsen und Sitze. Adrian Bähr ist es wichtig, seine Schätze so zu restaurieren, dass sie dem Originalzustand wieder entsprechen. „Das wird mit den Ersatzteilen noch härter als beim Manta“, seufzt der Braunsberger – zumal die Bitters aus der Design­schmiede von Ferrari kommen und mit Teilen von Opel, Maserati und Ferrari ausgestattet sind. Und davon wird der Bitter wohl einige benötigen, denn das Auto war, als Adrian Bähr es erwarb, komplett ausgebrannt. „Am Anfang wusste ich nicht, wo ich anfangen sollte“, erzählt der Motor-Fan. Mittlerweile schocke ihn nichts mehr – egal wie desaströs der Schaden aussehe.

„Für hoffnungslose Fälle“, steht als Motto auf Adrian Bährs Firmen-Shirt. Deshalb ist es auch erklärtes Ziel der Familie, mit dem Bitter einmal die Rallye Wiesbaden – Monte Carlo zu fahren. Schon das Startgeld sei eine Hürde. Auch, dass der Bitter eigentlich mit Baujahr 87 noch kein echter Oldtimer sei. „Aber aufgrund seiner Seltenheit hat er vielleicht eine Chance“, mutmaßt Adrian Bähr. „Man hat mit so einem Auto nur Ärger“, sagt er – und dabei leuchten seine Augen.

Von Regine Buddeke

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