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Der Mittwoch ist heilig

Protzen Der Mittwoch ist heilig

Einen Mittwoch ohne ein Vereinstreffen ist für die Mitglieder des Nachbarschaftsvereins Protzen nicht vorstellbar. Um die 20  Frauen und Männer kommen wöchentlich zusammen, um zu spielen und sich auszutauschen. Wie eine große Familie, so beschreibt Schriftführerin Monika Grashoff, den Zusammenhalt der Gruppe, die auch über die Treffen, Anteil aneinander nimmt.

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Jeden Mittwoch trifft sich der Nachbarschaftsverein im Protzener Gutshaus.

Quelle: FOTO: Peter Geisler

Protzen. Jeden Mittwoch Punkt 13 Uhr sind die Brötchen fertig geschmiert, und der Kaffee ist gekocht. Dann beginnt offiziell das allwöchentliche Treffen des Nachbarschaftsvereins Protzen im Gutshaus. Aber „unsere Leutchen sind immer schon vor der Zeit da“, sagt die Schriftführerin Monika Grashoff. Ein Zeichen, dass sie es kaum erwarten können. „Der Mittwoch ist heilig. Alle Termine werden so gelegt, dass dieser Tag frei ist“, sagt Monika Grashoff. In der ganzen Region ist dieser Tag bekannt, selbst die Fehrbelliner Apotheke und der Paketdienst machen Halt im Gutshaus, um ihre Ware zu liefern.

Dort treffen sie die Frauen und Männer meist beim Spielen an. Ist der Imbiss beendet und sind alle Neuigkeiten ausgetauscht, dann werden die Karten beziehungsweise die Rummy-Cup-Spielsteine hervor geholt. Dann wird gezockt.

Eine engagierte Vereinsspitze

23 Mitglieder hat der 2003 gegründete Verein, fast alle versammeln sich jeden Mittwoch. „Wir freuen uns die ganze Woche auf diesen Tag“, sagt Rotraud Henke. Sie leitete den Verein bis 2012 und gab damals aus Altersgründen den Posten ab.Um ihre Nachfolge hat sich keiner gerissen, aber aufgeben wollte auch keiner den Verein. Schließlich erklärte sich Horst Grashoff bereit, den Chefposten zu übernehmen. Seitdem hat er das Sagen. Er hat es nicht bereut, diese Aufgabe übernommen zu haben. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde das Ehepaar Grashoff 2013 von der Gemeinde Fehrbellin ausgezeichnet. „Egal, worum es geht – Grashoffs sind immer dabei“, lobte damals der Ortsvorsteher Dieter Sarnow den unermüdlichen Einsatz der beiden für das Dorf.

Wie Monika Grashoff sagt, ist es für sie beide der schönste Lohn, dass alle strahlen, wenn sie kommen und gehen. „Das schönste Kompliment ist, wenn sie von der Gruppe als ihrer Familie sprechen“, sagt Monika Grashoff.

Das Familiäre macht das Wesen des Vereins aus. Man nimmt Anteil am anderen, hilft sich, erkundigt sich nach dem Befinden, wenn einer krank ist. Ein anderer Grund, regelmäßig mittwochs das Gutshaus aufzusuchen, ist die Geselligkeit.

Spielen und sich austauschen

„Es ist schön, mal rauszukommen und den Kontakt zur Außenwelt zu behalten. Man will den Anschluss ja nicht verlieren, wenn man in Rente ist“, sagt Christiane Köhler. Sie und ihr Mann sind seit etwa sechs Jahren im Verein. Über das Ehepaar Grashoff, das sie seit Jahrzehnten kennen, sind sie dazu gestoßen. Christiane Köhler hat auch ihre Mutter Gisela Schön aus Neuruppin für die Mittwochstreffen gewinnen können. Die Vereinsmitglieder würden sich über weiteren Zuwachs freuen. „Ich mache schon überall Werbung. Auch Leute aus den umliegenden Dörfern sind bei uns gern gesehen“, sagt Monika Grashoff.

Einmalig ist der Nachbarschaftsverein aus ihrer Sicht. „So etwas findet man weit und breit nicht.“ Andere Vereine pausieren in den Ferien. Die Protzener ziehen durch. „Eine Sommerpause würde nicht erlaubt werden“, sagt Rotraud Henke. Nur zwischen Weihnachten und Neujahr fällt der Mittwochstreff aus. Und die eine Woche ist den meisten schon viel zu lang.

Kultur kommt nicht zu kurz

Neben den wöchentlichen Zusammenkünften organisiert der Vorstand mindestens eine kulturelle Veranstaltung im Jahr. Im März besuchten 20  Leute eine Vorstellung im Friedrichstadtpalast in Berlin. „Alle waren begeistert. Manche waren das erste Mal dort“, sagt Monika Grashoff. Auch Rotraud Henke hat es gefallen, auch wenn es eine ganz moderne Aufführung war. „Wir sind zwar nicht mehr die Jüngsten, sind aber im Herzen jung geblieben.“

Auf das Alter und die teilweise eingeschränkte Mobilität der Mitglieder wird bei der Auswahl der Ausflugsziele geachtet. „Wir suchen Veranstaltungen, bei denen man nicht viel laufen muss“, sagt Monika Grashoff. Im vergangenen Jahr waren sie auf der Buga. Mit dem Dampfer, auf dem sie gefrühstückt haben, ging es von Rathenow nach Havelberg, zum Mittagessen in den Ratskeller, alles erreichbar ohne große Mühen. In diesem Jahr sind noch in der Vorweihnachtszeit ein Gänseessen und eventuell eine Weihnachtsfeier geplant. Außerdem werden alle Geburtstage gefeiert. Das jeweilige Geburtstagskind gibt dann ein Glas Sekt aus. Im Januar und Mai häufen sich diese Anlässe. „Wir hatten schon Sorge, dass wird Alkoholiker werden“, sagt Monika Grashoff und lacht.

Sie ist nicht nur Schriftführerin, sondern auch Vereinschronistin. Wenn sie mittwochs nach Hause kommt, notiert sie kurz, wie viele da waren, warum jemand gefehlt hat und wie das Wetter war. So hat sie immer den Überblick – über alles, was den Verein betrifft.

Von Dagmar Simons

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