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Der Nachwendepionier

Neuruppin Der Nachwendepionier

1992 nahm der Internationale Bund in Neuruppin seine Arbeit auf. Seitdem gibt der unabhängige Träger jungen Menschen erfolgreiche Starthilfe ins Berufsleben und bildete nach der Wende auch etliche Umschüler aus, wie Heinz Eichler sagt. Der Bereichsleiter ist seit Anbeginn dabei.

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Heinz Eichler an seinem Schreibtisch.

Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Neuruppin. Ein kleiner Plastikglobus steht auf dem Schreibtisch von Heinz Eichler. Daneben liegen Stifte, Terminkalender, Unterlagen. Alles wohlsortiert. Auch die Tafel hinter ihm ist voller Termine, Listen, Fotos. Ab 7 Uhr sitzt Heinz Eichler täglich am Schreibtisch. Seine Welt kreist in der und um die Fontane­stadt. Heinz Eichler ist Leiter des Bereichs Neuruppin und Falkensee beim Internationalen Bund (IB) Berlin-Brandenburg und mit den letzten Vorbereitungen zum Jubiläum beschäftigt. Der Standort Neuruppin feiert am heutigen Mittwoch sein 25-jähriges Bestehen mit geladenen Gästen, darunter viele Partner und auch Bürgermeister Jens-Peter Golde.

Heinz Eichlers Büro befindet sich in der ehemaligen Krippe und Kindertagesstätte „Krümelkiste“, einer der typischen DDR-Neubauten. „Der Name war der Bevölkerung geläufig, daher haben wir ihn gelassen, als der IB 1996 einzog.“ Begonnen hatte für den unabhängigen Träger, dessen Schwerpunkt in der Bildungsarbeit liegt, alles in Dabergotz, erklärt Heinz Eichler: „1992 war das. Wir haben damals Umschulungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit durchgeführt in fünf Berufen, unter anderem Maurer, Fliesenleger, Lackierer. 210 Umschüler haben wir ausgebildet, auf einem ehemaligen Bauernhof, den wir umgebaut haben.“

Pionierarbeit nach der Wende

Der heutige Bereichsleiter war von Anbeginn dabei, fing in Dabergotz als Lehrer an, nachdem er zuvor Berufsschullehrer gewesen war. „Ich feiere also selber 25-Jähriges“, sagt er und lacht. „Wir haben echte Pionierarbeit geleistet, konnten nach der Wende etwas bewegen. Hochmotiviert waren die jungen Menschen, wollten in den neuen Strukturen Fuß fassen.“

Die Firmen standen Schlange, um die gut umgeschulten Leute zu übernehmen. Kein Wunder, die Ausbilder waren einst gestandene Lehrmeister im Osten, die ihr praktisches Wissen bestens weitervermitteln konnten. Die Anforderungen nach Westmanier waren die gleichen wie zuvor in der DDR, versichert der studierte Maschinenbauingenieur Eichler: „Ich würde sogar sagen, vieles wurde einfacher. Klar, die DIN-Vorschriften in den Berufen waren neu, aber durch die plötzlich vorhandenen Materialien wurden Arbeitsabläufe erleichtert.“

Die Einrichtung in Dabergotz wurde mittlerweile geschlossen. „Sie war zu groß. Wir schulen zudem nicht mehr in den besagten Berufen um. Unser neuer Betrieb mit Werkstätten liegt jetzt im Neuruppiner Ortsteil Treskow.“ Dort finden auch die praktischen Stunden für die berufvorbereitenden Bildungsmaßnahmen von Jugendlichen statt, die eine zentrale Aufgabe beim IB Neuruppin sind. Der Unterricht selber wird in der eigenen staatlich anerkannten Ersatzschule gehalten.„Abgänger, die die allgemeine Schulpflicht erfüllt haben, aber keine Berufsbildungsreife haben, können sie innerhalb eines Jahres bei uns erwerben. Wir arbeiten schulische Defizite auf. Ein Großteil unserer Teilnehmer schafft den Abschluss“, erklärt Heinz Eichler.

Um die 50 Jugendliche in schwierigen Lebenslagen

Um die 50 Jugendliche in schwierigen Lebenslagen werden jährlich fit gemacht und erhalten Starthilfe für die betriebliche Berufsausbildung und spätere Arbeitswelt: „Sie lernen Pünktlichkeit, Sozialkompetenz, Selbstständigkeit. Wir helfen ihnen bei Bewerbungen, sind immer auf Augenhöhe. Dafür stehen wir.“ Darüber hinaus finden berufliche Eignungs- und Praxisphasen statt. Vermittelt werden die Maßnahmen über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Berufsberater sind meist die Kontaktpersonen. „80 Prozent unserer Teilnehmer bestehen ihre Prüfungen vor Industrie- und Handwerkskammern“, sagt Heinz Eichler stolz.

„Auch junge Menschen mit Behinderung und spezifischen Förderbedarf bereiten wir auf einen Beruf vor. Sie bekommen in zwei bis drei Jahren Grundfertigkeiten vermittelt, um danach in Helferberufen zu arbeiten, beispielsweise auf einer Geflügelfarm oder in einem Gartenbetrieb.“ Der 64-Jährige kann sich mit seiner ruhigen Art gut in Menschen hineinversetzen, unterstützt auch mal, wenn Not am Mann ist in der Kita Fontaneknirpse, die der IB in Neuruppin unterhält.

Von der Ausbildungssuche bis zum Abschluss

Seit 2016 gibt es nun ein nächstes wichtiges Projekt: die Assistierte Ausbildung, kurz AsA, erzählt der gebürtige Neuruppiner: „Das ist eine betriebliche duale Ausbildung. Wir begleiten junge Erwachsene von der Ausbildungssuche bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss. Jugendliche brauchen hier und da Hilfe. Es geht darum, dass sie die Lehre durchstehen und nicht denken, jetzt schmeiße ich alles hin. Denn sie sind die Mitarbeiter der Zukunft.“ Am AsA-Programm sind Auszubildende, Betrieb und Bildungsträger beteiligt.

Auch für Jugendliche, die bereits mitten in der Ausbildung stecken, ist der Internationale Bund Berlin-Brandenburg eine Anlaufstelle. „Manche haben vor einer Prüfung Angst und kommen über die Agentur für Arbeit zu uns, damit wir Ängste nehmen.“ Noch schulpflichtigen, jungen Menschen wiederum bietet der unabhängige Träger Hilfe in Problemlagen durch Sozialarbeit an Schulen. Die IB-Mitarbeiter sind das Bindeglied zwischen Eltern, Lehrern, Schülern. Außerdem macht der IB sich stark für geflüchtete Menschen, führt in Wittstock ein Sprachprojekt für unbegleitete Minderjährige durch. Langzeitarbeitslosen verhilft er mit Aktivierungsmaßnahmen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben, leistet Motivationsarbeit, gibt Anleitung bei Bewerbungsschreiben, bietet Orientierungskurse mit Fitness- und Ernährungsprogramm, wie Heinz Eichler erklärt. Die Aufgaben des IB sind seine Welt.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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