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Ostprignitz-Ruppin „Der Panter schleicht wieder“
Lokales Ostprignitz-Ruppin „Der Panter schleicht wieder“
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02:15 18.12.2017
Die 17 Jahre junge Malina Aniol (hier mit Peter Böthig) erweckte Kurt Tucholsky in ihrem Internet-Blog wieder zum Leben Quelle: Cornelia Felsch
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Rheinsberg

1932 schrieb Kurt Tucholsky das Gedicht „Europa“ – die Weltwirtschaft steckte in einer tiefen Krise. An Aktualität hat dieser Text – wie die meisten seiner Schriften – nichts verloren. Die Botschaft ist auch heute wieder brandaktuell. Für die 17 Jahre alte Schülerin der Evangelischen Schule Neuruppin, Malina Aniol, ein Grund, den Zeitkritiker auch im Medium der Neuzeit – dem Internet – wieder zu Wort kommen zu lassen. Im Fach „Seminarkurs“ der 11. und 12. Klassen, hat sie in Kooperation mit dem Rheinsberger Kurt Tucholsky Literaturmuseum einen Internet-Blog eingerichtet, mit dem Titel „Tucholsky spricht“.

„Als ich mit meinen Recherchen begann, wusste ich so gut wie nichts über den Autor“, gestand sie den 35 Mitschülern, die am Donnerstagmittag zur Vorstellung ihres Projektes in das Café Tasca gekommen waren. Das konnten die Schüler sicher nachvollziehen, denn auf die Frage der Schülerin, wer von den Anwesenden Kurt Tucholsky kenne, meldeten sich gerade einmal fünf Zuhörer. Unter ihnen der Leiter des Kurt Tucholsky Museums, Peter Böthig, der betreuende Lehrer des Projekts, Karsten Voge, und die Direktorin der Schule, Anke Bachmann. „Das habe ich mir gedacht“, sagte Malina Aniol. „Ich kann Euch nur empfehlen, das nachzuholen.“

Zu Beginn dieses Jahres wusste auch die Zwölftklässlerin nicht viel mehr über den Autor, als dass er irgendetwas mit Rheinsberg zu tun hatte. Sie wurde neugierig, besuchte das Literaturmuseum, las seine Biografie, entdeckte einen Brief und das Zitat „Wenn tot, werde ich mich melden“. Sie beschloss, den am 21. Dezember 1935 in Schweden gestorbenen Tucholsky wiederzubeleben. „Wenn einer schon sagt, er würde sich wieder melden, dann kann ich das gleich aufgreifen.“

In Peter Böthig fand sie sofort einen Verbündeten. „Als Malina mit dieser Idee kam, hab ich innerlich gejubelt“, sagte er am Donnerstag. „Ich hatte schon selbst mit dem Gedanken gespielt, aber dann kamen die Zweifel: ,Schaff ich das, jeden Tag etwas dafür zu schreiben?’“

Malina Aniol hat es mit Peter Böthigs Hilfe geschafft. Er öffnete ihr die Archive, gab ihr Bücher, beantwortete Fragen und war schließlich von ihrem Enthusiasmus begeistert. „Es ist unglaublich, wie tief sie in die Materie eingedrungen ist und auch ihre eigene Sicht entwickelt hat. Ich könnte sie jederzeit mit einer Besuchergruppe in das Museum stellen.“

„Für die Schüler ist solch eine Projektarbeit schon eine Herausforderung“, sagte der Geschichtslehrer Karsten Voge. „Sie bekommen zwar einen zeitlichen Freiraum, müssen aber sehr selbstständig arbeiten. Wenn jemand so Feuer fängt, wie Malina, dann ist das natürlich ein Idealfall.“

Seit dem Frühjahr arbeitet Malina Aniol an ihrem Internet-Blog. Sie hat ein eigenes Design entworfen und eine Struktur entwickelt. Unter mehreren Einträgen veröffentlicht sie eigene Texte, die sich mit dem Geist und den Themen Tucholskys beschäftigen – auch unter seinen Pseudonymen Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser. „Tucholsky ist hochpolitisch, das ist das, was ich so an ihm schätze. Er lässt sich nie ein Blatt vor den Mund legen“, sagt Malina Aniol. Die Schülerin und Peter Böthig hoffen, dass sich im nächsten Seminarkurs Nachfolger finden, die das Projekt fortführen.

Der Blog von Malina Aniol ist im Internet unter https://www.tucholsky-spricht.com zu finden.

Von Cornelia Felsch

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