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Ostprignitz-Ruppin Der Provokateur von der AfD
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Provokateur von der AfD
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00:20 21.09.2017
Michael Nehls weiß, wie er auf sich aufmerksam machen kann. Mit dem Lautsprecher verkündet er auch aus dem Auto seine Wahlkampfthemen. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Selbstbewusst ist Michael Nehls – und direkt. Schließlich will der Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) in Ostprignitz-Ruppin größtmögliche Aufmerksamkeit. Die gibt es vor allem, wenn er mit markigen Sprüchen provoziert. Also sucht Nehls schon mal den Schulterschluss mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und erklärt den Klimawandel als Märchen der von der AfD geschmähten Altparteien CDU, SPD, Linke und Grüne.

Mit zwei Parteien hat der 56-Jährige, der aus Zechlinerhütte, einem von 17 Rheinsberger Ortsteilen stammt, Erfahrungen gesammelt. Von 1986 bis 1989 gehörte er der SED an, von 2002 bis 2013 der CDU. Für den Eintritt in die SED nennt der selbstständige Versicherungsmakler, der Vater von drei erwachsenen Kindern ist, heute zwei Gründe. Zum einen wollte er weiterkommen bei der Polizei, für die der gelernte Elektrosignalmechaniker der Bahn bei seiner Reservistenzeit geworben wurde.

Nehls wollte eigentlich Fallschirmjäger der NVA werden

Deshalb studierte Nehls, der eigentlich mal Fallschirmjäger bei der NVA werden wollte, auch an der Offiziersschule in Aschersleben (Sachsen-Anhalt). Wenn es durch den republikweiten Protest von hunderttausenden DDR-Bürgern 1989 nicht zur politischen Wende gekommen wäre, hätte Nehls vermutlich die Leitung der Verkehrspolizei in Neuruppin übernommen. Aber weil er auch schon damals sehr direkt gewesen sei, habe ihm sein Schwiegervater empfohlen, „in die Partei“ einzutreten. In den Reihen der SED könne er poltern, ohne in Gefahr zu laufen, eines Tages mal mitgenommen und verhaftet zu werden. Mit der Wende trat Nehls aus der SED aus, wenig später kündigte er auch bei der Polizei. „Ich sollte nicht mehr Streife fahren, sondern nur noch am Telefon sitzen.“ Das wollte er nicht. Zudem habe es bei der Umstrukturierung der Polizei ein Hauen und Stechen um die Posten gegeben. Nehls wechselte in die freie Wirtschaft und wurde selbstständiger Versicherungsmakler. „Das habe ich bis heute nicht bereut.“ Gleichwohl vergisst Nehls bei kaum einer der Demonstrationen, sich bei den Polizisten zu bedanken, die nötig seien, damit die AfD möglichst störungsfrei ihre Meinung und ihre vielfach umstrittenen Thesen in der Öffentlichkeit zu Gehör zu bringen.

Im Dezember 2013 gehörte Nehls zu den Mitbegründern der Kreis-AfD

Nehls gehörte im Dezember 2013 in Fehrbellin zu den Mitbegründern des AfD-Kreisverbandes Ostprignitz-Ruppin – nachdem er elf Monate zuvor aus der CDU ausgetreten war. „Ich war mit Merkel nicht zufrieden.“ Gut zehn Jahre zuvor, im Dezember 2002, war er bei den Christdemokraten eingetreten, weil er gegen die Zwangseingemeindung war. Dagegen hatte er sich zuvor auch schon bei einer Bürgerinitiative engagiert. In der CDU, so seine Hoffnung, könnte es eher gelingen, die Zwangsfusion der Dörfer mit der Stadt Rheinsberg zu verhindern. Das misslang. Gleichwohl blieb er Christdemokrat, wurde sogar Schatzmeister des Ortsvereines und war eine Zeit lang CDU-Stadtverordneter in Rheinsberg. Zufrieden war er dennoch nicht. Nehls räumt zwar ein, dass in den vergangenen zehn, 20 Jahren viel in der Region geschafft wurde – „es hätte aber mehr sein können“.

Der Politiker, der seit 2003 stellvertretende Ortsvorsteher in Zechlinerhütte ist, will, dass das Geld in Deutschland „umgelenkt“ wird, etwa das, das für den neuen Flughafen BER immer wieder gebraucht wird oder für die Hilfe von Flüchtlingen. Die Hilfe sollte vor Ort passieren, damit nicht noch mehr Leute ihr Land in Richtung Europa verlassen.

Der Politiker würde das Geld gern umlenken

„Die besten sollten in ihrem Land bleiben, dort werden sie gebraucht.“ Zudem gilt für Nehls ein Grundsatz. „Zuerst sollte es unserem Volk gut gehen.“ Geld sei genügend da. Dazu müsste jedoch als Erstes das Problem der illegalen Einwanderung gelöst werden – „sonst funktioniert unser Sozialstaat nicht“.

Nehls will, dass die Kommunen wieder mehr selbst bestimmen können, welche Projekte wann in ihrem Ort umgesetzt werden. Bis 2002 sei es Zechlinerhütte gut gegangen. „Wir hatten immer genügend Geld.“ Doch seit der Eingemeindung könne das Dorf nur noch über 1000 Euro im Jahr verfügen.

Von Andreas Vogel

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