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Ostprignitz-Ruppin Der Raser macht sich rar
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Raser macht sich rar
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11:03 22.10.2013
Polizeihauptmeisterin Heiderose Siewert winkt einen BMW-Fahrer heraus, der seine Eile mit 70 Euro und einem Punkt bezahlen muss. Quelle: Peter Geisler
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Radensleben

Es ist kurz nach zehn, als die Polizeihauptmeisterin Heiderose Siewert und Hauptkommissar Lutz Behrend auf halber Strecke ihr Stativ aufstellen. Während Behrend die Lasertechnik einstellt, läuft sich Heiderose Siewert auf der Stelle warm. Einige Stunden hat sie in ihrer Schicht für den großen bundesweiten Blitzmarathon schon im Regen gestanden. Aus Zucker ist sie nicht. "Es kann Mistforken regnen", sagt sie. "So schnell brechen wir nicht ab."

Die 53-Jährige und ihr Kollege sind zwei von 100 Beamten der Direktion Nord, die es über einen Zeitraum von 24 Stunden auf Raser abgesehen haben. An insgesamt 20 Messpunkten im Landkreis wird von 6 bis 6 Uhr kontrolliert. Die Direktion, zu der auch die Nachbarkreise Prignitz und Oberhavel gehören, bringt es auf 48 Kontrollstellen.

Heiderose Siewert und Lutz Behrend übernehmen in ihrer Früschicht zwei davon. Nach dem nassen Start in Neuruppin könnte es an der geraden Tempo-80-Strecke im Wald eigentlich losgehen. Doch erst mal tut sich ganz lange nichts. Lutz Behrend schwenkt nach links. "72", sagt er und schwenkt nach rechts. Schulterzucken. "74." Die Ankündigung aller Kontrollstellen wirkt. Die meisten Autofahrer sind sogar deutlich langsamer als erlaubt unterwegs.

Aber nicht alle. "94", sagt Lutz Behrend plötzlich. Dann geht alles schnell. Heiderose Siewert ruckelt ihre neongelbe Warnweste zurecht, greift zur roten Kelle und stellt sich einem bulligen Geländewagen in den Weg. Der Fahrer biegt - nun ganz gemächlich - in den Waldweg ein. Sein Gesicht spricht Bände. Während Heiderose Siewert ihm im Streifenwagen einen Überweisungsschein für 10 Euro Verwarngeld ausstellt, rasen andere Autos unbehelligt am Laser vorbei. Der Jeep-Fahrer kann sich nicht länger auf die Zunge beißen: "Und die waren jetzt nicht zu schnell?" "Doch", sagt Lutz Behrend, "das könne schon sein. Nur messen darf ich jetzt nicht." Die Vorschrift besagt, dass zwei Beamte am Messgerät stehen müssen; anderenfalls wäre das Ergebnis anfechtbar. Den Jeep-Fahrer interessiert das wenig. Er empfiehlt Heiderose Siewert, sich eine Schreibkraft zuzulegen, damit es schneller geht - dann gibt er Gas und braust mit allen verfügbaren Pferdestärken davon.

Der Nächste, der "versehentlich und nur ganz kurz" zu schnell heranrauscht, ist ein älterer Herr im Passat. Dank einer roten 97 auf dem Laser-Display macht er Bekanntschaft mit dem Doppel in Uniform. Der Neuruppiner nimmt die unfreiwillige Pause am Straßenrand mit Humor. Er versucht zu feilschen, macht Späßchen und kokettiert: Ein Foto hätte er schon gern, sagt er und freut sich, als der Pressefotograf ihm diesen Wunsch erfüllt. Während Heiderose Siewert die Formalitäten erledigt, kommt der Zu-schnell-Fahrer in Plauderlaune. Als sein Überweisungsschein für 20 Euro Verwarngeld fertig ist, fällt ihm der Abschied fast ein bisschen schwer. "Es war nett, mit ihnen zu reden", ruft er in die Runde und steigt in sein Auto. Heiderose Siewert freut's. "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus", sagt sie. Diesmal ist ihre Devise aufgegangen. Halb zwölf, es regnet.

Wieder passiert lange nichts. Lutz Behrend schwenkt nach links. Lutz Behrend schwenkt nach rechts. Alle fahren, wie sie sollen. Bis auf einen BMW mit über 100. Als Heiderose Siewert den Fahrer rauswinkt, ist der augenblicklich völlig von der Rolle. Papiere habe er nicht dabei, sagt er, findet sie später aber doch. Um ein 70-Euro-Bußgeld und einen Punkt in Flensburg kommt er nicht drumrum. Da kann es Mistforken regnen, hätte Heiderose Siewert jetzt gesagt.

Sie wittert stattdessen "Kundschaft". Lutz Behrend bestätigt, was seine Kollegin gehhört hat: Der Toyota, der aus Richtung Radensleben heranbraust, ist mit Tempo 115 unterwegs. Heiderose Siewert hatte es im Ohr.

Von Juliane Becker

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