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Der Scholle verbunden

Hakenberg Der Scholle verbunden

Seit vielen Jahren ist Hannes Messow Rentner. Der gebürtige Hakenberger hat seinen Heimatort nie verlassen. Dort hat er alles, was er zu seinem Glück braucht. Viele Jahre hat er im ehemaligen Bastfaserwerk in Fehrbellin gearbeitet, einem Betrieb, der eine wechselvolle Geschichte hat, unter anderem in den 1940er Jahren als Straflager für Frauen genutzt wurde.

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Hannes Messow ist Ureinwohner von Hakenberg.

Quelle: Foto: Peter Geisler

Hakenberg. Hannes Messow sitzt gemütlich vor seinem kleinen verwunschenen Haus in Hakenberg auf der Bank, das er gemeinsam mit seinem Sohn bewohnt, und genießt die letzten Sonnenstrahlen. Seine Hühner, Enten und Kaninchen hat der 81-Jährige versorgt. Seine Heimat ist Hakenberg, das er nie verlassen hat. Gearbeitet hat der gelernte Sattler in Fehrbellin. Jeden Tag fuhr er mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dort war er beim Bastfaserwerk beschäftigt.

Bastfaserwerk mit viel Vergangenheit

Das hat eine lange Geschichte. Die Bastfaser GmbH wurde 1935 in Wuppertal von verschiedenen Textilfabrikanten gegründet. 1937  wurde das Hanfwerk Rhinow (Mark) errichtet und ein Jahr später wurde die Landwirtschaftliche Hanfanbau- und Verwertungsgenossenschaft Rhinluch in Fehrbellin von der Bastfaser GmbH übernommen. Am 01. April 1940 wurde die Firmenzentrale von Wuppertal nach Fehrbellin verlegt, da dort das wichtigste Anbaugebiet lag. Die Hauptproduktionszweige waren die Hanf- und Flachsentholzung, die Flachsröste, die Hanf- und Flachsschwingerei sowie das Flockenbastwerk. Fast alle Arbeitsschritte erfolgten im Betrieb, lediglich das Spinnen musste außerhalb des Geländes erfolgen. In der Nähe des Werkes hatte sich 1942 das nationalsozialistische Arbeitserziehungslager (AEL) angesiedelt, das einen Teil der Arbeiterinnen stellte. Die gefangenen Frauen im Berliner Gestapo-Gefängnis fürchteten das AEL Fehrbellin und bezeichneten es als „Hölle“. Nach dem Konzentrationslager Ravensbrück war es das größte Straflager für Frauen im Raum Berlin-Brandenburg.

Das Werk ist nur noch Geschichte

Die Häftlinge des AEL Fehrbellin arbeiteten in zwölf-Stunden-Schichten in der Fabrik, dafür musste das Bastfaser Werk Löhne an die Gestapo entrichten. Das Unternehmen expandierte 1943. Bereits ein Jahr später war Fehrbellin mit 700 Arbeitskräften der größte Betrieb im sogenannten Röstring Nordost. Nach dem Zweiten. Weltkrieg erfolgte die Verstaatlichung des Unternehmens zum VEB Märkische Bastfaser, nachfolgend VEB Plakotex beziehungsweise Newtex GmbH. (Quelle: Jugendgerichtswerkstatt und Berliner Geschichtswerkstatt). Jetzt stehen dort nur noch einige Ruinen.

Den Berufsalltag hat Hannes Messow lange hinter sich – und damit auch die Fahrten zur Arbeit. Den Wunsch, Hakenberg zu verlassen, hatte er nie. „Wozu? Ich habe hier alles und bin zufrieden“, sagt er, krault seinen Hund und setzt sich wieder auf die Bank.

Von Dagmar Simons

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