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Ostprignitz-Ruppin Der Trabi als Geldtransporter
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Trabi als Geldtransporter
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00:34 04.07.2015
Vor der Kreissparkasse Kyritz bildeten sich lange Schlangen. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Kyritz

Endlich war sie da – die Deutsche Mark. Die harte Währung. Am 1. Juli 1990 wurde die D-Mark gültiges Zahlungsmittel im Ostteil des noch nicht vereinten Deutschlands. 460 Tonnen Geldscheine im Wert von 27,5 Milliarden D-Mark gelangten vom Westen über die offene Grenze in alle DDR-Bezirke. Zum großen Teil geschah das scharf beäugt und eskortiert, allerdings auch schon mal gut getarnt in Bierwagen, so geschehen im sächsischen Chemnitz.

Natürlich wurde die „harte“ Währung auch im damaligen Kreis Kyritz sehnsüchtig erwartet. Wer das neue Geld ausgezahlt bekommen wollte, musste in den Wochen zuvor einen Antrag auf Umstellung seines Kontos von DDR-Mark auf D-Mark stellen. Die Medien wiesen rechtzeitig darauf hin, und wer es noch nicht aus der Zeitung erfahren hatte, erfuhr es über Mund-zu-Mund-Propaganda. Aus jetziger Sicht kaum zu glauben: Etliche Menschen hatten gar keine Bankverbindung. Doch ohne Konto konnte niemand seine DDR-Mark in D-Mark umtauschen lassen.

Die Geldhäuser bekamen also schon vor der eigentlichen Umtauschaktion reichlich Zulauf. Wer alles gerichtet hatte, konnte bei den Banken sogenannte Auszahlungsquittungen empfangen, die aber nur bis zum 6. Juli 1990 galten. Die Belege berechtigten zur Umwandlung der Sparguthaben zu unterschiedlichen Prämissen.

Bestimmte Beträge wurden 1:1 getauscht

Die Menge Geldes, die ein DDR-Bürger im Verhältnis 1:1 umtauschen durfte, war je nach Alter begrenzt. Für Kinder bis 13 Jahre durften maximal 2000 DDR-Mark 1:1 in D-Mark umgetauscht werden.

DDR-Bürger zwischen 14 und 58 Jahren durften höchstens 4000 Mark im Verhältnis 1:1 umtauschen; Sparer bekamen für bis zu 6000 Mark D-Mark-Beträge in gleicher Höhe.

Alle darüber hinaus vorhandenen Spareinlagen wurden im Verhältnis 2:1 umgestellt – für 2 DDR-Mark gab es 1 D-Mark. Für Löhne, Gehälter, Renten, Stipendien, Mieten, Pachten und Versorgungsleistungen galt ebenfalls der Wechselkurs von 1:1.

Am Morgen des 1. Juli standen die Menschen vor der Tür der Kyritzer Sparkasse in der Hamburger Straße sowie vor den Geschäftsstellen in Neustadt, Wusterhausen und Breddin und der Dannenwalder Agentur in Schlange. Im Gegensatz zu sonst üblichen Wartegemeinschaften diesmal ohne Frust. Um dem Run erfolgreich begegnen zu können, gab es die Auszahlungen der neuen Geldscheine vereinzelt auch andernorts, zum Beispiel im Kulturhaus „Wilhelm Pieck“, im damaligen Kreisbetrieb für Landtechnik Kyritz (heute Famos), in der LPG Tierproduktion Kyritz in der Mühlenstraße, der Gemeindeschwersternstation Neustadt und in der Kreislandwirtschaftsschule Wusterhausen (heute Gartentechnik Schramm).

„Es war die aufregendste Aktion in meinem gesamten Berufsleben“, erinnert sich Peter Herrmann, im Sommer 1990 Leiter des Kyritzer Sitzes der Volksbank Neuruppin, die eine Dependance auch in Wittstock besaß. Die Kyritzer Einrichtung war eine Nachfolgerin der Genossenschaftskasse für Handwerk und Gewerbe. Das „Berliner“ vor der „Volksbank“ sollte erst später hinzukommen. Am 1. Juli 1990 drängelten sich vor der Tür des stolzen Gebäudes am Marktplatz wie andernorts die Kunden. Unruhen gab es keine. Zur Sicherheit stand dennoch während der ersten Tage ein Polizist im Schalterraum. Stolz der Volksbank war schon damals ihr Tresorraum, groß genug, um neben noch vorhandener DDR-Mark auch das neue Geld aufzunehmen. Die Scheine kamen gut bewacht in dunkler Sommernacht.

Die D-Mark gab es auch im Kulturhaus Kyritz; ausgezahlt wurde am Garderobentresen Quelle: Wolfgang Hörmann

„Die Münzen hatten wir schon vorher erhalten“, so Peter Herrmann. Das Bare gelangte von der Außenstelle der Bundesbank in der Potsdamer Berliner Straße 130 in den Kreis. „Zuvor musste ich mit einer Kollegin in die Bezirksstadt, um einen Wechsel für die zu erwartende Währung zu unterschreiben. Es ging bei uns um etwa vier Millionen D-Mark.“ Rentner Herrmann weiß das noch genau und auch, dass die ausgedienten Scheine und Münzen in Säcken ebenfalls nach Potsdam zu bringen waren. „Bei uns herrschte eine absolute Urlaubssperre. Ausnahmsweise – auch das einmalig – konnten sich Mitarbeiter für nicht angetretene Urlaubstage Geld auszahlen lassen.“

Helga Schwarzer arbeitete vor 25 Jahren als Abteilungsleiterin Kredite in der Kreissparkasse Kyritz. „Es war schon eine verrückte Zeit. Wir mussten ja ständig Neues dazu lernen. Verträge, Verordnungen, Gesetze sollten natürlich richtig umgesetzt werden. Dazu galt es, viel zu lesen. Manchmal breiteten wir das Papier mangels Platz einfach auf dem Fußboden aus“, sagt die Kyritzerin. Unterstützung bekam die Sparkasse von Mitarbeitern aus dem rheinischen Leichlingen und aus Rheinberg sowie aus Werne an der Lippe, der Partnerstadt von Kyritz.

Nicht selten endeten die Arbeitstage gegen Mitternacht. „Trotz aller einzuhaltenden Vorschriften und Richtlinien mussten wir flexibel bleiben und nach Lage der Dinge Entscheidungen treffen“, sagt Helga Schwarzer.

Wie hier in Kyritz schlossen viele Geschäfte und öffnete erst wieder im Zeitalter der D-Mark. Quelle: Wolfgang Hörmann

„Da kam es schon mal vor, dass in Breddin oder Neustadt die D-Mark plötzlich knapp zu werden drohte. Also bin ich mit Taschen voller Geld in meinem Trabant-Kombi losgedüst. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, aber was sollten wir machen? Andererseits: Wer hätte schon vermutet, dass ein Trabi ein Geldtransporter ist?“ Im Kreis Kyritz hatten die Beschäftigten der Sparkasse rund 33 000 Anträge auf Umstellung der Konten zu bearbeiten. Dahinter verbarg sich ein Umstellungsbetrag von 181 Millionen D-Mark.

Parallel zur neuen Währung lief die Umstellung im Einzelhandel. An den letzten beiden Junitagen hatten viele Geschäfte geschlossen. Am 2. Juli, einem Montag, öffneten sie mit neuem Angebot, das die ostdeutsche Kundschaft aus dem West-Werbefernsehen kannte.

Von Wolfgang Hörmann

„Eigentlich ist es nicht immer so gut, wenn man die jüngste in der Klasse ist. Die Freundinnen dürfen schon in Veranstaltungen, zu denen ich noch keinen Zutritt habe oder sie haben schon einen Führerschein“, erzählt Mara Buddeke aus Lindow. Mara ist 16 Jahre jung und hat gerade ihr Abitur am Schinkelgymnasium Neuruppin abgelegt - mit „Eins“.

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