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Der Wald ist jetzt lebensgefährlich

Neuruppin Der Wald ist jetzt lebensgefährlich

Revierförster Tosten Langhoff aus Stendenitz warnt Spaziergänger und Pilzsucher dringend davor, den Wald zu betreten. Das ist zurzeit lebensgefährlich. Selbst die Förster konnten sich deshalb noch nicht überall einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörungen verschaffen. Viele Haushalte hatten nach dem Sturm bis Sonnabend oder Sonntag keinen Strom.

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In Torsten Langhoffs Revier in Stendenitz hat der Orkan hunderte Bäume gefällt. Das Aufräumen wird Monate dauern.

Neuruppin. Torsten Langhoff hatte noch keine Chance, sich einen Überblick über die Schäden zu verschaffen. Der Stendenitzer Revierförster kommt kaum irgendwo durch. Hunderte Bäume hat Sturmtief Xavier umgerissen, der Wald ist übersät mit Stämmen, Wurzelballen, Baumstümpfen ... Wie groß der Schaden ist, kann Langhoff nicht mal schätzen, auf jeden Fall enorm. „Manche Reviere haben schon 12 000 Festmeter gemeldet“, sagt er. Das ist fast doppelt so viel Holz, wie sonst in zwei Jahren gefällt werden würde. Am schlimmsten soll es rund um Rheinsberg sein.

Genau weiß das aber noch niemand. Das Forstministerium warnt eindringlich davor, den Wald zu betreten. Überall hängen abgerissene Äste oder Kronen zwischen den Bäumen. Viele Spaziergänger und Pilzsucher sehen die Gefahr offenbar nicht. Etliche Autos hat Langhoff am Wochenende am Waldrand gesehen. „Die Leute müssen lebensmüde sein“, sagt er. „Anders kann man das nicht nennen.“

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Durch Sturm Xavier sind in vielen Wäldern mehr Bäume gefällt wurden, als normalerweise in einem Jahr geschlagen werden.Während die Förster das Ausmaß der Schäden in ihren Revieren erfassen, sind Mitarbeiter vom Tierpark in Kunsterspring dabei, Zäune zu reparieren und aufzuräumen.

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Wie lange es dauert, den Tierpark Kunsterspring wieder auf Vordermann zu bringen, war am Montag auch noch unklar. Dort hatte Xavier besonders heftig getobt. Gut 50 Bäume sind umgestürzt, mehrere Gehege wurden beschädigt. Auch am Wolfsgehege haben Bäume an mehreren Stellen den Zaun niedergerissen. Zum Glück waren die Wölfe so verunsichert, dass sie sich nicht getraut haben, die Flucht zu ergreifen. Bis tief in die Nacht haben die Mitarbeiter versucht, alle Gehege wieder so zu sichern, dass keine Tiere ausbrechen können. Doch viele Wege werden noch Wochen unpassierbar sein. Die Stadt hofft, dass Teile des Tierpark in den nächsten Tagen wieder freigegeben werden können, sagte Neuruppins Rathaussprecherin Michaela Ott am Montag.

Immerhin sollten seit Sonntag wieder alle Haushalte in der Region Strom haben. Freitagmittag waren nach Informationen der Feuerwehr noch etwa 20 Orte im Kreis Ostprignitz-Ruppin ohne Licht. Die Edis hatte dutzende zusätzlicher Reparaturtrupps im Einsatz, trotzdem funktioniert das Netz noch nicht überall. Abgelegene Gehöfte und kleine Ortslagen müssen mit Notlösungen leben. „Dort, wo es möglich war, wurden alle verfügbaren Notstromaggregate zum Einsatz gebracht“, sagt Edis-Sprecher Danilo Fox. Etwa am Bahnhof Radensleben.

Seit Donnerstag ohne Strom, ohne Trinkwasser, ohne Heizung

Uwe Meyer aus Stendenitz ist richtig sauer. Er hat seit Samstagnachmittag wieder Strom. Aber 43 Stunden lang wusste er gar nichts und konnte auch von der Edis keine Auskunft bekommen. Trinkwasser fördert Meyer mit einem eigenen Hausbrunnen – ohne Strom geht die Pumpe nicht und die Heizung auch nicht. Wenn er versucht hat, die Edis-Hotline anzurufen, gab es am Ende nur eine unverbindliche Bandansage. Uwe Meyer ist nicht der einzige, dem das so ging. Dass die Reparaturen dauern, damit könne er leben, sagt der Jurist: „Aber wir müssen doch wenigstens Informationen bekommen.“

Das ärgert auch Uta Greschner aus Frankendorf. Sie hat mit anderen Fahrgästen am Freitagabend in Velten vergeblich auf den Bus gewartet, der statt des Zugs angeblich nach Neuruppin fahren sollte. Drei Stunden standen sie am Bahnhof – vergeblich. Auskunft, wann es weitergeht, war von der Bahn nicht zu bekommen. Dass die Frankendorferin schließlich überhaupt nach Hause kam, verdankte sie einer netten Familie, die sie um 22 Uhr im Auto mit nach Neuruppin nahm. Dass nach dem heftigen Sturm kein Zug fuhr „dafür hat man ja Verständnis“, sagt Uta Greschner. Keines hat sie, dass die Bahn so schlecht informiert hat. Immerhin: Seit Montag fährt der Prignitz-Express wieder zwischen Hennigsdorf und Wittenberge.

Von Reyk Grunow

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