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Der Weg ist das Ziel

Warenthin Der Weg ist das Ziel

Wer in den Linower Ortsteil Warenthin will, der muss durch den Boberowwald – und kann dort allerlei entdecken. Neben einem grandiosen Blick über goldene Helme hinweg auf das Rheinsberger Schloss können die Besucher sich auf einen Baumkunde-Rundgang begeben oder auf den von Prinz Heinrich angelegten Alleen mit dem Rad fahren.

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Ein einmaliger Blick auf das Rheinsberger Schloss vom anderen Seeufer am Obelisken auf dem Weg nach Warenthin aus.

Quelle: Celina Aniol

Warenthin. Die Stimmung droht zu kippen, als die Familie von ihren Drahteseln steigt. Ein Holzschild mitten im Wald, ein Zaun, mehr ist da nicht zu sehen. Und ein bisschen kalt ist es auch zwischen all den Bäumen. Auf der Tafel prangt zu allem Überfluss dann noch das Wort: Arboretum. „Wird’s jetzt langweilig, Mama?“, fragt der Jüngste mit einem leicht quengelnden Unterton, als er die Buchstaben zusammengesetzt hat. Die Mutter lacht nur. „Ja klar, wir haben schon beim Radfahren unseren Spaß gehabt. Jetzt müssen wir uns langweilen“, antwortet sie, als sie sich hinter ihrem Sohn durch das Drehkreuz schiebt. „Boah, 52 Laubbäume! Das ist aber viel“, hallen die Worte des Kindes von weitem, das schon vorangestürmt ist und gerade die Tafel mit der Erklärung zum sogenannten Arboretum, also Baumgarten, im Boberowwald entziffert.

Kutschen halten im Minutentakt am Obelisk

Von Rheinsberg aus haben sich die Müllers aus Leipzig auf den Weg nach Warenthin aufgemacht – und sind dabei nicht allein. Obwohl es ein Werktag und es noch früh am Tag ist, sind überall scharenweise Menschen in dem Waldstück zwischen der Kernstadt und dem Ortsteil Linow zu sehen. Zu Fuß, per Rad oder in der Kutsche erkunden sie die idyllische Umgebung, in der vor über 250 Jahren auf Geheiß von Prinz Heinrich Alleen angelegt wurden. Diese Wege, die fast alle in Richtung des Rheinsberger Schlosses weisen, sind heute noch erhalten.

Die Kutschen erzählen ihren Gästen die Geschichte des Obelisken in Kurzform

Die Kutschen erzählen ihren Gästen die Geschichte des Obelisken in Kurzform.

Quelle: Celina Aniol

Die Hauptstraße ins entlegen liegende Warenthin führt genau am Obelisken vorbei. Die dafür geschlagene Schneise gibt einen herrlichen Blick auf das jenseits des Grienericksees liegende Herrscherhaus frei. Alle paar Minuten halten an dieser Stelle Kutscher und erzählen den Touristen im Stakkato einige Sätze über die Geschichte des großen Denkmals.

Echtes Blattgold ziert Helme und Zaunspitzen

Wenn die Sonne scheint, glänzen Spitzen und Helme auf dem patinagrünen Zaun rund um das Denkmal für die Helden des Siebenjährigen Krieges im schönsten Gold. Bis vor zwei Jahren hatten sie diese Farbe nicht. Bei der Restaurierung des 1790 errichteten Bauwerks orientierte sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zuletzt aber an alten Befunden – und ließ die Zaunspitzen und Helme mit Blattgold veredeln. „Faszinierend“, sagt Doris Schütte aus Dortmund. Auch sie ist mit dem Rad auf dem Weg nach Warenthin, ein Halbtagesausflug. „Das sieht ja wie im alten Ägypten aus. Und dann auch noch der Blick auf das Schloss, einfach unglaublich.“

Die Touristin setzt sich wieder in Bewegung, genauso wie die Kutsche, die etwas weiter entfernt auf dem Hauptweg steht. Die Hufe hallen auf dem Pflaster – von beiden Seiten des Weges. Denn während in die eine Richtung das eine Gespann abfährt, steuert schon das nächste Fuhrwerk mit Rheinsberg-Besuchern auf das Denkmal zu.

Der Baumgarten muss noch wachsen

Nächste Station auf der Route von Doris Schütte: das Arboretum. „Eigentlich ist es nicht so ganz mein Ding, aber ich schaue mal: Vielleicht ist es doch spannend.“ An jedem Baum ist in der parkähnlichen Anlage eine Tafel mit dem deutschen Namen und der lateinischen Bezeichnung angebracht. Die Lehrlinge der Waldarbeitsschule halten die Anlage in Schuss, berichtet Försterin Annette Meckel.

Das Arboretum ist ein weiterer Anziehungspunkt im Boberowwald

Das Arboretum ist ein weiterer Anziehungspunkt im Boberowwald.

Quelle: Celina Aniol

Sie ist zwar nicht direkt für das Waldstück zuständig, arbeitet dort allerdings oft mit Schülergruppen zusammen. Gerade sind die Waldjugendspiele vorbei, bei denen in diesem Jahr erstmals alle Schulen des Landkreises mitmachten. Die Rheinsberger Kinder haben ihre Aufgaben im Arboretum und dem Wald drumherum gelöst. Für solche Zwecke sei das Gelände besonders gut geeignet, meint Annette Meckel. Aber auch kulturhistorisch und naturkundlich spannend, findet sie. Annette Meckel schätzt den Baumpark – mag aber lieber den ihn umgebenden Naturwald. Als baumkundliches Reservoir sei das Arboretum sehr gut. An den Baumgarten in Flecken Zechlin aber, der vor 200 Jahren angelegt wurde, komme der Park aus dem 20. Jahrhundert bei Warenthin nicht heran – noch nicht. Die Bäume brauchen Zeit zum Wachsen. Die Rheinsberger und ihre Gäste mögen das helle Fleckchen inmitten des dichten Waldes und am Rande des Böbereckensees, meint die Försterin. Sorgen macht sie sich nur, dass die Anlage irgendwann nicht genügend gepflegt wird, wenn die nächste Forstreform in Gang gesetzt wird.

Von Baum zu Baum rennt Jannis Müller im Arboretum. Begeistert sagt er die Namen auf, fragt, woher die einzelnen Bäume kommen und wann sie denn kaputtgehen werden. Dann rufen die Eltern ihre Sprösslinge zur Abfahrt. Der See am Ende des Weges wartet, die Sonnenstrahlen, das kühle Nass. „Ach nö, noch nicht gehen, es ist so schön hier“, quengelt Jannis.

Von Celina Aniol

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