Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Der Windelschnecke auf der Spur

Wusterhausen Der Windelschnecke auf der Spur

Natura 2000 heißt Europas größtes Naturschutzgebiet. Es setzt sich aus Teilen bereits bestehender Naturschutzgebiete oder auch anderer Schutzzonen zusammen. Im Abstand mehrerer Jahre wird überprüft, ob der einst gemeldete Tier- und Pflanzenbestand sowie die erfassten Grenzen noch stimmen. Jetzt ist Nordwestbrandenburg an der Reihe.

Voriger Artikel
Mutter-Kind-Zentrum im Krankenhaus eröffnet
Nächster Artikel
Siegfried „sigpix“ Kerber ist Youtuber – mit 78

Lothar Schnick (l.) aus Wusterhausen informierte seine Gäste Ina Meybaum, Felix Glaser und Frank Berhorn (r.) über den „Bärenbusch“.

Quelle: Matthias Anke

Wusterhausen. Ist LRT 9160 westlich von Wusterhausen noch intakt? Diese Frage mit dem Hauch von Science-Fiction stellt sich derzeit mit Blick auf „Natura 2000“. Und doch ist das reine, wahre Leben damit gemeint. In einem katalogähnlichen Handbuch steht für die Naturschützer sogar detailliert beschrieben, was den Lebensraumtyp (LRT) 9160 ausmacht – samt Mindestanzahlen sämtlicher zugehöriger Tiere und Pflanzen. Und ja: LRT 9160, innerhalb des Naturschutzgebietes (NSG) „Bärenbusch“ gelegen, lebt. Konkret handelt es sich um einen Eichen-Hainbuchenwald, der nach erster Inaugenscheinnahme noch in dem Zustand ist, wie er einst vom Land Brandenburg der EU gemeldet wurde. So, wie Meldungen aus Aberhunderten solcher sogenannter Flora-Fauna-Habitate (FFH) und Vogelschutzgebiete aus ganz Europa erfasst wurden und noch immer werden. Denn sie alle zusammen bilden das weltweit größte grenzübergreifende Naturschutzgebiet – Natura 2000.

Die entsprechenden Neuerfassungen beginnen jetzt auch in Nordwestbrandenburg. Es wird das, was vorhanden ist, mit dem überprüft, was einst gemeldet wurde, erklärt Ina Meybaum vom Planungsbüro Luftbild Brandenburg diese sogenannten Kartierungen: „Eigentlich gibt es sogar alle sechs Jahre eine Berichtspflicht.“

Neuerfassungen von LRT beginnen jetzt auch in Nordwestbrandenburg

Der jeweilige Gebietszustand wird mit A (sehr gut) bis C (weniger gut) gekennzeichnet. Komplett heißt es also „LRT 9160 A“, wie Felix Glaser vom Planungsbüro ergänzt. Frank Berhorn, der neben ihm sitzt, nickt zustimmend. Berhorn ist sogenannter Verfahrensbeauftragter und arbeitet bei der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg, über die das Planungsbüro mit der Kartierung beziehungsweise der Biotop-Kontrolle beauftragt wurde.

Der wichtigste an diesem Tag in dieser Runde im Mühlenhof-Restaurant von Wusterhausen aber ist Lothar Schnick. Er ist für den Nabu, den Naturschutzbund Deutschland, der ehrenamtliche Betreuer für das NSG Bärenbusch. Er kennt es wie seine Westentasche. Und gerade über Menschen wie ihn erhoffen sich die Fachleute einen tiefgründigeren Zugang. Ansonsten werde aber auch mit den Unteren Naturschutzbehörden bis hin zu den jeweiligen Ortsbeiräten der an solche Gebiete grenzenden Dörfer der Austausch gesucht.

„Wir sind jetzt dabei, vor Ort alle Akteure zu ermitteln, die für dieses Thema in Frage kommen“, erklärt Berhorn. Betroffene Landwirte, Anglervereine, Landeigentümer, Hegegemeinschaften und die Forst werden damit nun allesamt nach und nach kontaktiert. Am Ende sollen bis zum Herbst Arbeitsgemeinschaften aktiviert sein.

Eine erste Inventur in Brandenburg erfolgte 2009 bis 2015

Auch werde dabei überlegt, ob und wo Exkursionen für die interessierte Bevölkerung sinnvoll sind. „Manche wissen ja gar nicht, was für ein europaweit bedeutsames Juwel sie vor ihrer Haustüre haben“, sagt Frank Berhorn.

Ziel aller jetzt begonnenen Kartierungen sei es, bis 2020 Maßnahmen abzuleiten mittels einer sogenannten Managementplanung. Über allem schwebt dabei die Frage: Was kann wo verbessert werden oder auch einfach so bleiben, damit es auch künftig erhalten wird? Eine erste dahingehende Inventur in Brandenburg erfolgte 2009 bis 2015 in 145 FFH-Gebieten. Dass es jetzt weitergehen kann, zeichnete sich bereits voriges Jahr ab (MAZ berichtete). Angesehen werden dazu nun insgesamt acht solcher Gebiete in den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Es sind in der Prignitz die Gülitzer Kohlegruben und die Perleberger Weinberge und im Nachbarlandkreis das Postluch Ganz, der Mühlenteich Bork, das Obere Temnitztal, das Südufer des Ruppiner Sees nahe Karwe, die Oberheide bei Wittstock und eben auch der Bärenbusch bei Wusterhausen.

Infos rund um Exkursionen werden zeitnah im Internet angekündigt

Manchmal aber genüge schon ein einfacher Blick, um den Zustand eines Lebensraumtyps zu erfassen. „Dass zum Beispiel der am Mühlenteich Bork intakt sein muss, das beweist allein schon das Vorkommen der Windelschnecke“, erklärt Ina Meybaum. Dieses nur wenige Millimeter kleine und im Seggen-Röhricht lebende Tier lasse sich eben nur auf ganz spezielle Bedingungen ein. „Das ist wie beim Schwarzstorch. Ist er da, deutet das auf einen guten Waldzustand hin“, ergänzt Frank Felix Glaser. Oder Fledermäuse – diese seien bei der Kartierung entlang der Temnitz zu erwarten und auch in der Oberheide. Wenn es soweit ist, dass ein Experte einzelne Exemplare mit Netzen für Kontrollzwecke einfängt, könne auch das ein Termin sein, für den sich die Öffentlichkeit interessieren dürfte.

Die Infos rund um Exkursionen oder ähnliche Veranstaltungen werden laut Frank Berhorn zeitnah im Internet unter www.natura2000-brandenburg.de veröffentlicht. Dort gibt es auch einen Erklärfilm zum Thema sowie Steckbriefe zu allen Gebieten.

Von Matthias Anke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg