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Der Wolf im Jagdrevier

Jäger helfen beim Aufspüren Der Wolf im Jagdrevier

Die Zahl der Wölfe in Brandenburg nimmt zu, gejagt werden dürfen die Tiere in der Mark allerdings nicht. Anstatt zur Flinte zu greifen, setzen sich die Jäger auf die Schulbank, lernen Wolfsspuren zu lesen und ziehen mit dem Zollstock in die Natur.

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Junger Wolf, gesehen im Kreis Potsdam-Mittelmark.

Quelle: Robert Franck

Neuruppin. Ein Wolf wurde im Ruppiner Land an der Autobahn nach Hamburg gesehen – Robert Frank erhält eine Mitteilung von der Autofahrerin per E-Mail. Für den ehrenamtlichen Wolfsbeauftragten aus Zechow bei Rheinsberg sind derartige Meldungen keine Seltenheit.

Um Informationen für das landesweite Wolfs-Monitoring nutzen zu können, braucht der Fachmann allerdings genauere Angaben. Schon eine Telefonnummer kann ihm für seine Nachforschungen hilfreich sein, dann besteht zumindest die Möglichkeit, genauer nachzufragen. Robert Franck ist für den Landesjagdverband Brandenburg und für das Landesumweltamt in Sachen Wolf unterwegs.

Der Wolfsbeauftragte  Robert Franck mit seinem Jagdhund

Der Wolfsbeauftragte Robert Franck mit seinem Jagdhund.

Quelle: Cornelia Felsch

Die Meldungen die ihn erreichen, sind allerdings oft weniger erfreulich, denn er wird auch gerufen, wenn ein Landwirt gerissene Tiere meldet oder wenn ein Wolf überfahren wird. Ende des vergangenen Jahres passierte das gleich zweimal. Bei Rossow starb Ende Oktober ein Wolf auf der Autobahn 24 und am 18. Dezember wurde ein Wolf im Bereich Prignitz-Ost überfahren. Es waren die ersten derartigen Unglücksfälle in der Region.

Fast 70 Prozent aller in Brandenburg getöteten Wolfs-Rückkehrer sind Opfer von Verkehrsunfällen. „Die Kadaver der Wölfe werden zur genaueren wissenschaftlichen Untersuchung in das Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin gebracht“, sagt Robert Franck. „Hier steht den Wissenschaftlern modernste Technik zur Verfügung. Im Computertomographen, in dem auch die Todesursache von Eisbär Knut ermittelt wurde, können die Forscher schnell feststellen, woran der Wolf gestorben ist.“ Eine gebrochene Wirbelsäule deutet auf einen Unfall hin, Geschossspuren sind eher ein Fall für polizeiliche Ermittlungen, denn Wölfe dürfen in Deutschland nicht gejagt werden. Nach europäischem Recht und nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist die Art streng geschützt. Doch die Rückkehr der Tiere, die seit dem Jahr 2000 von der Lausitz aus, durch Mittel- und Norddeutschland streifen, ist umstritten. Gerissene Weidetiere sind für die Bauern ein herber Verlust und auch die Jäger sind nicht gerade glücklich, wenn sie hören, dass sich ein Wolf in der Nähe ihres Reviers herum treibt.

Der Zollstock ist nun gefragt – nicht die Flinte

Um so wichtiger ist es dem Wolfsbeauftragten zu betonen, dass der Landesjagdverband ein anerkannter Naturschutzverband ist, der sich auch am Wolfsmonitoring aktiv beteiligt. An der Ausarbeitung des Wolfmanagementplans, der von 2013 bis 2017 Gültigkeit hat, war neben zahlreichen Verbänden, Behörden und Initiativen auch der Jagdverband beteiligt. Im vergangenen Monat haben Jäger und Landesregierung ihre Zusammenarbeit in Sachen Wolf mit einer Kooperationsvereinbarung bekräftigt. Ziel ist es, möglichst umfassende Informationen zur Wolfspopulation in Brandenburg unter Mithilfe der Jägerschaft zu sammeln. „Wir ehrenamtlichen Wolfsbetreuer sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen“, sagt Robert Franck. „Jäger sind am häufigsten draußen, sie kennen ihr Revier und können sofort reagieren, wenn sie Spuren oder Reste von Wildtieren entdecken.“ Um die Jäger fit zu machen für die Zukunft mit dem Wolf, werden interessierte Waidmänner aus allen Kreisverbänden zu Wolfskundigen geschult. Die Flinte ist dabei nicht gefragt, eher der Zollstock.

Jäger sollen in der Lage sein, Hinweise zu dokumentieren und als Ansprechpartner für die Bevölkerung zur Verfügung zu stehen. Bisher wurden über 100 Wolfskundige aus den Reihen der Jägerschaft geschult. Sie sind über das ganze Land Brandenburg verteilt und wissen, wie Wolfshinweise, den strengen Monitoring-Vorgaben entsprechend, protokolliert werden.

Wenn der Abstand der durch Fangzähne verursachten Löcher viereinhalb bis fünf Zentimeter groß ist, hat vermutlich ein Wolf zugebissen

Wenn der Abstand der durch Fangzähne verursachten Löcher viereinhalb bis fünf Zentimeter groß ist, hat vermutlich ein Wolf zugebissen.

Quelle: Robert Franck

Formulare für die Auswertung von Fotofallenbildern enthalten zum Beispiel Informationen über den Standort des Gerätes, die Urzeit der Aufnahmen, die Lichtverhältnisse sowie Größe, Farbe und Schwanzhaltung der Tiere, denn der Wolf trägt seinen Schwanz meist hängend. Wolfslosung wird auf Alter, Geruch und Bestandteile untersucht.

Die bisherigen Auswertungen im Rahmen des Monitorings haben ergeben, dass sich der Wolf in Brandenburg vorwiegend von Reh-, Schwarz- und Rotwild ernährt. Hasen und Kleinsäugetiere machen nur einen geringen Anteil, Nutztiere weniger als ein Prozent der Beute aus. Um Risse, Spuren und Losungen zu dokumentieren, sind Fotos – auch vom Handy – von unschätzbarem Wert. Ein Zollstock oder ein Lineal sind wichtig, um Abstände von Spuren oder Eckzähnen bei gerissenen Tieren zu dokumentieren. Der Abstand der Fangzähne beträgt beim Wolf viereinhalb bis fünf Zentimeter. Etwa 120 Wölfe sind in Brandenburg inzwischen landesweit unterwegs. „Um das Monitoring erfolgreich weiterzuführen, sind die Dokumentationen der Jäger für uns ungeheuer wichtig“, sagt der 51-Jährige. „Ohne Fakten ist alles nur Jägerlatein.“ Die Zusammenarbeit mit Jägern und Landwirten funktioniere in seinem Zuständigkeitsbereich bereits gut, betont Robert Franck, allerdings wünschte er sich noch mehr Meldungen. „Der Ordner mit den Protokollen ist noch nicht dick genug“, sagt er und betont, dass alle Hinweise diskret behandelt werden.

Hinweis: Die Listen der Wolfskundigen befinden sich auf der Internetseite des Landesjagdverbands Brandenburg unter www.ljv-brandenburg.de. Robert Franck ist unter 0172/ 6 04 83 75 zu erreichen.

Von Cornelia Felsch

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