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Der alten Scheune droht der Abriss

Ganzer Der alten Scheune droht der Abriss

Ganzer läuft Gefahr, eines seiner ältesten Gebäude unwiederbringlich zu verlieren. Es handelt sich dabei um die um 1850 errichtete Scheune. Das Gebäude ist dringend sanierungsbedürftig. Deshalb droht der Scheune nun der Abriss.

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Das Gebäude, errichtet um 1850, gehört zu den historischen in Ganzer. Als Anhängsel der einstigen Schulen beherbergte es auch Toiletten. Quelle: Wolfgang Hörmann

Ganzer. Diese Kirche hat etwas Tragisch-Einmaliges im Landkreis. Sie besteht nur noch als Torso. Ihr Altar ist schmuckloser nackter Stein. In Fensterhöhlen verfault das Letzte von dem, was einmal Ornamentglas trug. Kein Gebälk, kein Dach, kein Turm, der die stolze alte Eiche auf dem Dorfanger nebenan überragen könnte. Ganzers Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert trägt oben offen, mit unverbautem Blick zum Himmel.

Die Stallscheune in der Nachbarschaft ist auf schlechtem Weg, es der Ruine gleich zu tun. Ein Bauzaun-Kordon, der den maroden Fachwerkbau seit 2012 umzingelt, kann daran nichts ändern. Der Sperrgürtel ist nur dazu da, Menschen den Zugang zu verwehren, denn nicht alles Gute kommt hier von oben.

Horst Gädke (vorne) und Johann Wagner

Horst Gädke (vorne) und Johann Wagner.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Einer ist davon ziemlich unbeeindruckt. Horst Gädke, 79, nutzt den morschen Bau als Nebengelass von seiner Wohnung im Haus mit der Nummer 22, dem Dorfgemeinschaftshaus. Das Grundstück sieht zur Straße hin sehr schön aus. Dahinter steht allerdings die marode Scheune. Hier werkelt Gädke inmitten eines Sammelsuriums an Werkzeugen, Ersatzteilen, Dingen, die die Welt schon lange nicht mehr braucht – höchstens einer. Horst Gädke.

Er läuft am Rollator. Wenn er den aber parkt, dann heilt der gelernte Schlosser kranke Rasenmäher, Fahrräder, Kinderoller, Radios oder was ihm Nachbarn sonst zum Reparieren anvertrauen. Der alte Mann hat die Ordnung nicht erdacht, findet aber „auf Anhieb ­alles, was ich brauche“, wie er versichert. Nein, es ist nicht alles ­tipp-topp hinter der ehemaligen Schule von Ganzer, dem heutigen öffentlichen Treffpunkt. Aufgehübscht wurde das Gebäude in einer Zeit, als Wilfried Hegermann, Bürgermeister beziehungsweise Ortsvorsteher zwischen 1990 und 2014, in Ganzer noch das Sagen hatte.

Das Dorfgemeinschaftshaus in der Dorfstraße 22 ist sehr ansehnlich

Das Dorfgemeinschaftshaus in der Dorfstraße 22 ist sehr ansehnlich.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Weshalb der Bau dahinter außen vor blieb beim Erneuern, weiß er heute nicht mehr so genau. Wahrscheinlich fehlte es damals schon am Geld. Möglich auch, dass das um 1850 errichtete Gebäude von der Wusterhausener Wohnungsbaugesellschaft, der das gesamte Grundstück gehört, bereits gedanklich beerdigt worden war. Fakt ist, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten eines der wenigen ganz alten Gebäude im Dorf dem Verfall anheim gestellt worden ist. Nun soll damit Schluss sein. Endgültig. Jetzt soll nämlich abgerissen werden. Nicht nur Hegermann und Horst Gädke finden das schade. Ortsvorsteher Peter Weller wäre jede andere Lösung lieber. Wolfgang Wagner, Vorsitzender des Vereins „Dorf und Kirche Ganzer“, wäre froh, so dicht am Gemeinschaftshaus eine solide Lagerstätte für all die Utensilien des Vereins zu haben, die jetzt an mehreren Stellen im Ort lagern.

Der Nachbar wollte das Gebäude kaufen

Gädkes Nachbar Johann Wagner (nicht verwandt oder verschwägert mit seinem Namensvetter Wolfgang) ging sogar einen Schritt weiter. Der 60-jährige Österreicher aus Berlin mit Zweitwohnsitz in Ganzer und Kümmerer um Senior Horst, wollte das löchrigen Fachwerk für kleine Münze kaufen. Das lehnte die Eigentümerin ab. Auch ein Vertrag, der Johann Wagner anderweitig offiziell in Verantwortung bringen sollte, kam aus seiner Sicht unterschriftsreif nicht zustande.

Gemeinde würde gerne den Abriss verhindern

Annette Kleinke, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft, äußert sich zu all dem nicht. Sie verweist an den Wusterhausener Bürgermeister. Roman Blank gibt sich indes erstaunt. „Wenn so dringender Bedarf besteht, dann wundert es mich, dass niemand aus dem Dorf bisher an die Verwaltung herangetreten ist.“ Und Blank weiter: „Wir wären froh, wenn wir als Gemeinde einen Abriss verhindern könnten.“ Es bräuchte natürlich ein gut überlegtes Konzept für ein Projekt.

Der Bürgermeister macht aber auch kein Hehl daraus, dass eigentlich bereits 2011 das letzte Stündchen für das „Hinterhaus“ von Nummer 22 geschlagen hatte. Vielleicht war der Aufschub damals ja ein gutes Omen. Wenn allerdings nicht spätestens jetzt etwas zum Erhalt passiert, hat Ganzer neben seiner Kirche noch ein Haus ohne Dach. Oder gar nix mehr.

Von Wolfgang Hörmann

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