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Ostprignitz-Ruppin Der einzige Aufmüpfige
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der einzige Aufmüpfige
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00:44 25.08.2014
Er ist endlich Rentner, kommt aber trotzdem nicht zur Ruhe: der 63-jährige Reiner Kirchner. Quelle: Matthias Anke
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Vehlow

Es hat sich nichts gebessert, sagt Reiner Kirchner, den in Vehlow viele nur als "der Busfahrer" bezeichnen. Dabei steht der 63-Jährige jetzt nicht mehr im Berufsleben. Er kann seinen ersten Monat als Rentner genießen - wenn da nicht dieser Lärm von der Biogasanlage wäre. Sie liegt von Kirchners Haus an der Lindenstraße nur ein paar Steinwürfe entfernt. Zwischen dem Silo und der Anlage fährt gerade ein Radlader hin und her, um sie zu bestücken. Seine Schaufel kracht hier, kracht da. Der Mann am Steuer gibt hin und wieder ordentlich Gas. Zeit ist Geld.

Das ist auch in Kirchners Wohnzimmer nicht zu überhören. Bei geschlossenem Fenster bleibt ein Dröhnen, an das sich Kirchner nicht gewöhnen will. "Sie karren den Mais aus dem tiefsten Havelland mit großen Lkw an, die leer wieder zurückfahren. Und so ein Radlader soll 20, 30 Liter in der Stunde schlucken. Was ist daran Bio?" Wenn die Bestückung irgendwann am Tag beginnt, fährt der Radlader drei, vier Stunden am Stück. "Mit dem Geruch kann ich ja noch leben. Auch wenn der manchmal erbärmlich ist. Ich bin schließlich schon immer vom Land. Doch das hier hat mit normalem landwirtschaftlichen Krach nichts mehr zu tun."

Kunibert Ruhe, der Kirchner vor einem Jahr zuletzt antwortete, sagt: "Die Angestellten wurden angehalten, so rücksichtsvoll wie möglich zu arbeiten. Wir können das gerne noch mal prüfen. Aber ganz geräuschlos geht es eben nicht. Vor allem war es ja laut, weil der Radlader mit seiner Schaufel beim Befüllen hin und wieder an die Containerkante stieß. Dennoch halten wir uns ja auch an die zulässigen Werte."

Ruhe ist Geschäftsführer der niedersächsischen Firma Ruhe Agrar. Im Jahr 2010 war die auf Ackerbau und Milchproduktion spezialisierte Vehlower Leval eG in das Unternehmen aufgenommen worden. Die Biogasanlage entstand. Im vorderen Bereich, wo sich die Silos befinden, wurde aus Lärmschutzgründen eigens ein Wall angelegt. "Wir werden ihn noch begrünen lassen, dann verbessert sich das auch noch mal", sichert Ruhe zu. "Ansonsten wüsste ich nicht, was wir noch tun könnten." Die veränderte Befülltechnik macht sich bemerkbar. "Jedenfalls knallt die Schaufel nicht mehr so", sagt Kirchner, für den aber auch ein Schallzaun denkbar wäre. Doch er ist der Einzige, der sich überhaupt noch öffentlich beschwert - und sich wundert, warum das so ist. Nur bei der Planung dieser Anlage hatte es auch von anderen Vehlowern Bedenken wegen Lärm gegeben.

Heute dagegen sagen gleich mehrere Anwohner, dass sie die Anlage nicht stört. "Ich habe kein Problem damit", sagt eine Frau, die wie die anderen ihren Namen jedoch nicht in der Zeitung lesen möchte. Seit guten zwei Jahren werden Hunderte Haushalte bis in die umliegenden Dörfer über Biogas versorgt - darunter selbst Kirchner: "Ich bin ja nicht prinzipiell gegen die Anlage." Die alte Vehlower Turnhalle bekommt Wärme umsonst. Und so mancher hat Land verpachtet zum Anbau nachwachsender Rohstoffe. Zudem stehen ein paar Leute aus der Region dank der Anlage in Lohn und Brot. "Da hängt einiges miteinander zusammen, und dann haben viele auch gar keine Lust, die interessiert das einfach nicht, sie erdulden es", sagt Kirchner.

Der Radlader steht jetzt. Offenbar ist gerade Pause. Zwischen den Büschen taucht er eine ganze Weile lang nicht wieder auf. Stille liegt plötzlich über den Runkeln, Kartoffeln und dem Entenfutter. Sie macht Vehlow so wunderschön, dass Kirchner sich neue Wege für seinen Protest überlegen will.

Von Matthias Anke

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