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Der größte deutsche Putenzüchter feiert

Gühlen-Glienicke Der größte deutsche Putenzüchter feiert

Das Moorgut Kartzfehn feiert am Freitag und am Sonnabend im Neuruppiner Ortsteil Gühlen-Glienicke. Vor 25 Jahren übernahmen die Niedersachsen die Anlagen rund um Neuruppin und stiegen zu einem weltweit agierenden Unternehmen auf.

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An ihren 28 Standorten verfügt die Kartzfehn Märkische Putenfarm über mehr als 200 000 Putenplätze.

Quelle: Peter Geisler

Gühlen-Glienicke. Der größte deutsche Putenzüchter, das Moorgut Kartzfehn, feiert am Freitag und am Sonnabend im Neuruppiner Ortsteil Gühlen-Glienicke. Denn vor 25 Jahren übernahmen die Niedersachsen aus Kartzfehn die Anlagen, die einst dem größten Putenvermehrungsbetrieb der DDR gehörten. Das Unternehmen gilt seitdem als der größte unabhängige Putenvermehrer in Europa. Allein 2014 hat Kartzfehn weltweit mehr als 22 Millionen Putenküken sowie 2,5 Millionen Bruteier verkauft. „Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört“, sagt Ewald Drebing, Geschäftsführer der Kartzfehn Märkischen Puten GmbH.

Die von der Europäischen Union (EU) gegen Russland verhängten Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts sowie das daraufhin im August 2014 von Russland erlassene Importverbot für Waren aus der EU haben dem Unternehmen bisher nicht geschadet. Denn Bruteier und lebende Küken fallen nicht darunter. Vielmehr profitiere Kartzfehn sogar von dem Embargo Russlands, sagt Unternehmenssprecher Michael von Kameke. Denn durch das Importverbot werde die russische Wirtschaft gestärkt, die vielfach auf Küken und Bruteier von Kartzfehn zurückgreife.

Negative Auswirkungen könnten jedoch auftreten, wenn das ukrainische Bankensystem zusammenbricht und Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können. Deshalb beobachtet Kartzfehn die aktuelle Situation in Russland und in der Ukraine sehr genau.

Forstwirtschaftsbetrieb errichtete Kükenaufzuchtstation

Dieses Thema wird beim Empfang am Freitag in Gühlen-Glienicke aber sicher nur am Rande diskutiert. Vielmehr soll es einen kleinen Rückblick geben. Dieser lohnt sich. Immerhin startete die Putenmast in Kartzfehn und im Ruppiner Land nahezu zur selben Zeit: Der Betrieb 20 Kilometer südwestlich von Oldenburg begann im Mai 1957, als in Kartzfehn die ersten 70 Küken aus 100 Bruteiern schlüpften. Zwei Jahre später errichtete der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Neuruppin in Neuglienicke eine Kükenaufzuchtstation mit einer Jahreskapazität von 25 000 Küken.

Die Oberförsterei Neuglienicke erhielt 1960 den Auftrag, Puten zu halten und zu züchten. Die ersten Tiere kamen im Herbst 1960 in einem Güterwagen auf dem Rheinsberger Bahnhof an: 135 weibliche und 15 männliche Nordkaukasische Bronzeputen, die aus dem Gebiet Stawropol in der UdSSR stammten. Dabei handelt es sich um eine Kreuzung zwischen der einheimischen Landpute und der Breitbrüstigen Bronzepute. Diese bildeten die Grundlage für die Zucht im Ruppiner Land, die mit den Jahren immer größer wurde. Zu seinen besten Zeiten arbeiteten beim VEB Puten- und Gänseproduktion Neuglienicke 560  Menschen.

 Mehr als 20 Millionen Puteneier werden pro Jahr an den zwölf Standorten von Kartzfehn in Ostprignitz-Ruppin produziert

Mehr als 20 Millionen Puteneier werden pro Jahr an den zwölf Standorten von Kartzfehn in Ostprignitz-Ruppin produziert.

Quelle: Peter Geisler

Seitdem ist viel passiert – auch nach dem Zusammengehen mit Kartzfehn. Denn die Bundeswehr plante, den benachbarten Bombenabwurfplatz der Sowjetarmee weiter als Luft-Boden-Schießplatz zu nutzen. Für den Putenvermehrungsbetrieb wäre das fatal geworden. „Unsere Farmen hätten genau in der Einflugschneise gelegen“, sagt Sprecher von Kameke. Die Gefahr bestand, dass bei den Tieren Panik ausbricht, wenn Tiefflieger über ihre Ställe donnern. Also klagte neben mehreren Gemeinden und Initiativen auch die Putenfarm gegen die Pläne für ein Bombodrom. Das hat sich gelohnt: Nach unzähligen verlorenen Prozessen beerdigte die Bundeswehr 2009 ihre Pläne.

Seitdem kann sich die Putenfarm wieder auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren. Das gelingt. „Wir sind gut ausgelastet und bis zum Jahresende ausverkauft“, sagt von Kameke. Geplant ist jetzt, mehrere alte Ställe zu sanieren.

Von Andreas Vogel

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