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Ostprignitz-Ruppin Der harte Weg zum Deckhengst
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der harte Weg zum Deckhengst
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02:15 18.02.2017
Diese vielen Pferde erfüllten die strengen Zuchtkriterien nicht und wurden kastriert. Auf sie wartet eine Zukunft im sportlichen Bereich Quelle: Anja Schael
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Neustadt

Jedes Jahr im Winter beginnt in den Neustädter Gestüten die Fohlenzeit. Das erste Fohlen in diesem Jahr hat bereits das Licht der Welt erblickt, viele andere werden ihm noch folgen. Insgesamt erwarten die Neustädter 30 Fohlen. Erfahrungsgemäß werden die Hälfte der jährlich neugeborenen Fohlen Hengste, die andere Hälfte Stuten.

Bereits im Frühjahr treffen dann die Gestütsmitarbeiter eine erste Vorauswahl der jungen Hengste, die meist bis Ende April dauert. Hengste, die diese Vorauswahl bestanden haben, kommen dann als Zweijährige zur sogenannten Sichtung auf der entschieden wird, „wer eine Chance hat, zur Körung zugelassen zu werden und wer nicht“, wie der Ausbildungsleiter Rainer Stübing erklärt.

Junghengste, die zur ersten Sichtung nicht überzeugen konnten aber dennoch Potenzial in sich tragen, können acht Wochen später nachgesichtet werden. In dieser ersten Sichtung wird vor allem auf das Äußere geschaut: Wie steht das Pferd? Wie sind seine Gliedmaßen beschaffen? Wie bewegt es sich im Schritt, Trab und Galopp? Die Pferde allerdings, die die Sichtung inklusive Nachbegutachtung nicht bestehen, werden anschließend kastriert und können später noch als Sportpferd Karriere machen.

Die restlichen Junghengste dürfen weitere zwei Monate auf die Koppeln, bevor sie Anfang Juli in den Stall kommen. Um im Herbst zur Körung zu glänzen, ist ab nun tägliche Arbeit angesagt. Rainer Stübing: „Zu allererst müssen sie an die Trense gewöhnt werden, dann kommen sie in den Longierzirkel.“ Dort lernen die Tiere, sich im Kreis zu bewegen, erst ohne Longe, später mit Longe. Da die Pferde nun „zwangsbewegt“ werden sei es wichtig, besonders zu Anfang nicht länger als eine Viertelstunde zu üben, denn auch Pferde können Muskelkater bekommen. Es mache für die Tiere nämlich einen großen Unterschied, ob sie sich freiwillig bewegen oder dazu angehalten würden. Im Laufe der nächsten Tage und Wochen werden sie an Longiergurt und Ausbinder gewöhnt, die ihnen helfen sollen, die richtige Kopfhaltung zu lernen. Die gleichmäßige Arbeit an der Longe dient vor allem dazu, die Muskulatur des Pferdes aufzubauen, dass ja später einmal das Reitergewicht tragen soll. Im Gegensatz zu DDR-Zeiten, als man die Pferde gleichermaßen mit Spring- und Dressurveranlagungen züchtete und Wert auf die Vielseitigkeit legte, gibt es heutzutage eine Aufspaltung in dressur- und springbetonte Pferde. Dennoch müssen dressurbetonte Pferde springen können, wenn auch nicht so hoch. Deshalb steht im weiteren Verlauf des Trainings für alle Junghengste auch das Freispringen auf dem Programm. Die Gestütsleiterin Regine Ebert sagt: „Von Natur aus würde ein Pferd um ein Hindernis herumlaufen. Daher ist es wichtig, dass das Pferd lernt, dass ihm nichts passiert, wenn es über etwas springt.“

Aber auch, wenn man „mit guten Vater- und Mutterlinien züchtet, um gute Zuchtprodukte zu erzielen“, komme es immer mal wieder vor, dass eine „Raupe“ herauskommt, wie Rainer Stübing gern jene Pferde nennt, die sich trotz sehr guter Anlagen seitens der Eltern nicht wie erhofft entwickeln. Viele dieser „Raupen“ finden sich später dennoch im Turniersport wieder, wo sie sich erfolgreich behaupten. Anfang Oktober, nach drei Monaten harter Arbeit, werden alle Hengste, die zur Körung sollen, der Körkommission vorgestellt. Diese entscheidet dann über die jeweilige Zulassung. Letztlich stünde immer die Überlegung dahinter, ob „ein Hengst eine Perspektive in der Zucht, im Zuchteinsatz hat“, wie die Gestütsleiterin erklärt. Manchmal allerdings braucht es auch einfach nur ein wenig mehr Zeit, bis ein Junghengst fit für die Körung ist. Diese Pferde werden dann nicht in Neustadt, sondern Ende Januar des Folgejahres in München zur Körung vorgestellt und haben somit „ein Vierteljahr mehr Zeit, sich zu entwickeln.“ Bevor aber ein gekörter Hengst in den aktiven Deckeinsatz darf, muss er noch durch die Hengstleistungsprüfung. Besteht er diese erfolgreich, steht seinem Einsatz als künftiger Spitzenvermehrer nichts mehr im Wege.

Von Anja Schael

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