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Der letzte Laden macht dicht

Dreetz Der letzte Laden macht dicht

Wenn diesen Freitag der Mini-Markt samt Lotto- und Postannahmestelle in Dreetz schließt, verschwindet auch das letzte echte Einzelhandelsgeschäft aus dem Dorf, in dem einst vieles regelrecht florierte. Vor einer schloss bereits der letzte Bäcker, von denen es einst einige dort gab. Auch Sparkasse, viele Gaststätten und die Kaufhalle sind Geschichte.

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Seit dem Auszug aus dem ehemaligen Dorfkonsum 1996 bot der Mini-Markt ein zuverlässige Anlaufstelle in der Friedensstraße.

Quelle: Matthias Anke

Dreetz. War es nur das letzte Zucken im Dreetzer Einzelhandel? „Die Dreetzer Kaufhalle erwacht zu neuem Leben“, titelte die MAZ schließlich erst Anfang dieses Jahres. Ein Modegeschäft sollte dort den Anfang machen, das große Ziel eine neue Begegnungsstätte sein. Doch längst ist davon nichts mehr übrig. Der kurze Wiederbelebungsversuch ist gescheitert.

„Wer sollte dort schon hingehen? Und wenn doch mal jemand hin wollte, so hörte ich es, dann war zu“, erzählt Bürgermeister Bernd Schindler, als die MAZ bei ihm nachfragt. Der Eigentümer des Kaufhallen-Gebäudes, Alexander Schneider, nutzt das Gelände aber weiterhin für seinen Brennstoffhandel. Eine für Dreetz daher viel bewegendere Schließung steht jetzt erst bevor: Ab diesem Freitag wird auch „Kerstin’s Mini-Markt“ aus der Friedensstraße verschwunden sein. Nach jahrelangem Geschäftssterben war es der letze echte Einzelhändler, den es in dem Dorf noch gab, in einem Ort, der einst sogar auf eine eigene Sparkassen-Filiale verweisen konnte und wo noch in den 1990ern und frühen 2000er Jahren ein gutes Dutzend Läden florierten.

Der Abschiedsbrief

Der Abschiedsbrief.

Quelle: Matthias Anke

„Werte Kunden, liebe Dreetzer, nach 26 Jahren erfolgreicher Geschäftstätigkeit schließen wir zum 30. Juni. Wir bedanken uns bei allen Kunden, die uns jahrelang die Treue gehalten haben und wünschen allen alles Gute für die Zukunft.“ So steht es am Eingang geschrieben als letzter Gruß von Verkäuferin Astrid Braun und den Inhabern Kerstin und Dirk Bradatsch. Und: Der 50 Quadratmeter große Laden ist nun „günstig zu vermieten“. Dass einer kommt, ist allerdings mehr als fraglich. „Es wurden schon so einige Gespräche im Ort geführt, doch es will wohl bislang keiner dort weitermachen“, weiß Bürgermeister Schindler. Dirk Bradatsch bestätigt, dass alle Versuche bisher scheiterten. Zum Grund der Schließung sagt er: „Das Einkaufsverhalten der Bevölkerung hat sich schlichtweg verändert. Und die Zukunftsperspektiven für den Einzelhandel, erst recht im ländlichen Bereich, sind nun mal schlecht.“ Auch hätten Veränderungen im Großhandel, etwa größere Abnahmemengen bei zeitgleicher Steigerung der Einkaufspreise, ihr übriges bewirkt. Der Zeitaufwand, den Laden zu betreiben, habe am Ende in keinem Verhältnis mehr zum Ertrag gestanden. Bradatsch ist zudem ohnehin im Versicherungsbereich tätig, und seine Frau fand nun unlängst eine neue Arbeit.

Dreetz verliert mit dem Mini-Markt auch die Lotto- und Poststelle

Angefangen hatte 1991 alles im eigenen Haus, später dann im vormaligen Konsum an der Kirche, wo das Family-Einkaufscenter Dreetz entstand, samt Obst-, Gemüse- und Blumenladen sowie einem Getränkemarkt und mit weiteren Lebensmitteln inklusive Frischetheke. Selbst Textilien gab es. Aus gesundheitlichen Gründen wurde umgezogen und sich dabei verkleinert.

Dreetz verliert nun mit dem Mini-Markt auch die Lotto- und Postannahmestelle. Der letzte Bäcker, ein Generationsunternehmen, schloss seine Pforten im Dorf vor ebenso nicht allzu langer Zeit. Das Bedauern über diese Entwicklung vor allem der älteren Dreetzer, die nun stets nach Neustadt zum Einkaufen fahren müssen, trat vor einer Weile auch bei der Umfrage zur MAZ-Dorfserie zutage. Erika Schramm aus der Dreetzer Waldsiedlung, die als elfjährige Heimatvertriebene aus Ost-Brandenburg einst eine neue Heimat dort fand, erinnerte sich an die Zeit bis zur Wende: „In Dreetz konnten Sie alles kaufen. Wir hatten drei Bäcker, zwei Fleischer, drei Lebensmittelgeschäfte, einen Gemüseladen einschließlich Fisch, ein Textilgeschäft, ein Haushaltwarengeschäft.“ Sieben Gaststätten habe es im Dorf mal gegeben. „Von allem ist nichts mehr übrig geblieben. Nur ein kleiner Minimarkt kämpft ums Überleben.“ Doch jetzt ist auch dieses Kapitel beendet.

Von Matthias Anke

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