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Ostprignitz-Ruppin Der schnelle Fisch ist das Ziel
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der schnelle Fisch ist das Ziel
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00:18 28.07.2015
Zu Hunderten werden die jungen Aale an den Lindower Seen ins Wasser gelassen. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Der als Zungenbrecher bekannte Spruch „Fischers Fritz fischt frische Fische“ gehört wohl der Vergangenheit an - glaubt man den Aussagen mancher Angler. So beschwerte sich in den vergangenen Tagen ein Angler aus Werder an der Havel darüber, dass es in den Ruppiner Gewässern kaum noch Zander, Karpfen, Hechte und Barsche gebe.

Weder der Neuruppiner Fischer Rüdiger Purand noch der Vorsitzende des Kreisanglerverbands Ruppin, Thomas Walter, können diese Kritik nachvollziehen. „Wir haben genügend Fisch in den Gewässern“, sagt der Verbandschef. „Wir sind als Kreisanglerverband bemüht, ausreichend Fische einzusetzen – und das tun wir auch. Dabei halten wir uns an die Richtlinien, die im Land Brandenburg gelten.“ Die Besatzzahlen richten sich nach der Größe der Gewässer.

Noch zierlich: die jungen, quirligen Aale. Quelle: Peter Geisler

Allerdings haben die eingesetzten Karpfen oder Zander nicht gleich die entsprechende Größe. Sie müssen erst noch wachsen, so wie alle Lebewesen. Hechte setzt der Anglerverband nicht ein. „Sie regenerieren sich selbst“, sagt Thomas Walter. „Die eingesetzten Jungfische brauchen allerdings schon einige Jahre, um sich zu entwickeln“, fügt er hinzu. „Und wie sie das tun, ist von verschiedenen Faktoren abhängig – unter anderem von der Witterung und dem Nährstoffgehalt der Seen.“

Um die Hege und Pflege der Anglerverbandsgewässer kümmern sich Bewirtschaftungskollektive. Sie kennen den Zustand der Gewässer und können einschätzen, wie hoch der Bedarf an Besatzfischen ist. Jeder Kreisanglerverband führt eine Besatzstatistik, die regelmäßig an den Landesanglerverband weitergegeben wird. Auch die Angler sind verpflichtet, ihre Fänge auszuwerten. „So können wir genau sehen, was rausgekommen ist“, sagt der Verbandschef. Die Fangbelege der Kreisanglerverbände werden ebenfalls vom Landesverband ausgewertet. Rund 30 Gewässer gehören zum Anglerverband des Altkreises Ruppin – unter anderem ein Teil der Rheinsberger Gewässer, die Fehrbelliner Wasserstraße, die Temnitz und auch der Lentzker Rhin. „Wir setzen jedes Jahr Fische im Wert von 20 000 bis 30 000 Euro ein“, sagt Thomas Walter. In ganz Brandenburg werden über zwei Millionen Euro jährlich für Fischbesatz ausgegeben.

Ein Fisch an der Angel. Quelle: Peter Geisler

Auch in den Gewässern, die Fischer Rüdiger Purand, dessen Betrieb sich direkt am Ruppiner See befindet, bewirtschaftet, wurden im vergangenen Jahr Aale, Karpfen, Zander, Hechte und Schleie in die Gewässer entlassen: 1370 Kilogramm Aale, 2160 Kilogramm Karpfen, 9700 Zander, 1900 Hechte und 500 Kilogramm Schleie. Der Fischer ist mit dem Fischbestand zufrieden. „Wer hier nichts fängt ist selbst Schuld“, sagt er. Und das bestätigen auch die Kunden der Angel-Joe-Filiale in Neuruppin. „Meine Kunden schwärmen von großen Zanderfängen im Ruppiner See“, sagt Filialleiter Björn Baldschun. „Auch Karpfen- und Welsfänge haben zugenommen.“ Die Alt Ruppiner Schleuse sei ein guter Platz um Zander, Karpfen, Aale und Hechte zu ergattern. „Der Hochsommer ist nicht die beste Zeit für Angler. Ohne Boot sind die Fische dann im Ruppiner See kaum zu finden“, sagt er. Anders ist es an Schleusen und Wehren. Dort gibt es sauerstoffgeladene Wasserverwirbelungen und damit auch kapitale Räuber. Sie können dort wieder richtig durchatmen und bekommen Hunger. Für den Chef des Anglergeschäftes gibt es allerdings ein anderes Problem: Die Bebauung am Ruppiner See ist für ihn eine kritische Angelegenheit, es gibt nicht mehr genug Möglichkeiten für die Petrijünger, an den See zu kommen.

Besatzfische in Brandenburger Gewässern

Gewässern des Landesanglerverbands Brandenburg 91 380 Kilogramm Karpfen, 2795 Kilogramm Schleie, 10 505 Stück Zander, 10 400 Kilogramm Bachforellen, 5212 Kilogramm Regenbogenforellen, 614 Kilogramm Glasaale und 150 000 Stück Maränenbrut ausgesetzt.

Laut Fischereiordnung des Landes Brandenburg muss der Fischbesatz der vergangenen drei Jahre vor Erstellung eines Hegeplanes nach Stückzahl, Masse, Arten und Altersklassen statistisch erfasst werden – ebenso die Fischerträge. Dazu sollen die geschätzten Fänge der Angler berücksichtigt werden.

Brandenburgs Angler müssen allerdings auch andere Konkurrenten fürchten. Kormorane fangen ihnen die Fische weg und viele Seen werden unter Naturschutz gestellt und gehen so den Anglern verloren. In geschützten Seen wird das Aussetzen von Fischen untersagt. Oft werden auch die Zugangswege gesperrt. Im Land Brandenburg gehen 100 000 Angler auf Fischfang, sie alle wollen reiche Beute nach Hause bringen, ein Unterfangen, das wohl in Zukunft nicht einfacher werden wird. Hechte, Karpfen und Aale sind bei den Anglern besonders beliebt. Die Aussicht auf einen großen Fisch motiviert sie stärker als der Fang vieler kleiner. Und so wird die Zufriedenheit von der Zahl kapitaler Fänge bestimmt. Deshalb lockt es immer mehr Angler nach Irland und Skandinavien. Das Ansitzangeln ist für viele Angler mittlerweile nicht mehr akzeptabel. Der schnelle Fisch ist das Ziel.

Von Cornelia Felsch

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