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Ostprignitz-Ruppin Der skurrile Charme des Alltäglichen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der skurrile Charme des Alltäglichen
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00:17 23.10.2013
Auch mimisch gelingt Horst Evers das große Drama. Quelle: Henry Mundt
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Neuruppin

Und weil 600 Gäste schon vorher wussten, was sie erwartet, war der Neuruppiner Stadtgarten am Freitagabend auch brechend voll.

"Zugabe", ruft ein Gast, als Evers die Bühne betritt. "Och nö", kontert Evers. "Irgendwann is auch mal gut!" Womit die drei Zugaben am Ende ebenfalls schon vorher besiegelt sind. Und dann sprudelt er los, der Mann mit der gemütlichen Ausstrahlung. "Sehe ich aus wie jemand, der schon vor 7 Uhr morgens Scherze macht?", fragt er. Nein, so sieht er wirklich nicht aus, aber im Laufe des Abends beschleicht einen der Verdacht: Doch, er tut es vermutlich. Er kann nicht anders.

Er wirkt irgendwie knuffig, wenn er da so vor sich hin plappert, die Augen aufreißt wie ein erschrockenes Reh, die Stirn runzelt und gestikuliert. Und dann prasseln zack-zack-zack die Pointen aus ihm heraus: trocken, unverhofft und überraschend. Das schafft er, ohne jemals unter die Gürtellinie zu geraten. Die kleinen skurrilen Dinge des Alltags machen den Charme seiner vorgetragenen Geschichten aus, gepaart mit Wortverliebtheit und Selbstironie. Er erzählt Episoden, die "alle von Anfang bis Ende komplett wahr sind. Aber sie sind nicht genauso passiert." Und um diese herum fabuliert er die Geschichte der Geschichte. Das zelebriert er so genüsslich, dass er selber mitunter in herzliches Lachen ausbricht - das Publikum tut es ohnehin nonstop. "Der ist so süß", sagt Anke Rosenau in der Pause. "Er kommt von einem Thema zum nächsten und findet am Ende immer wieder zum Anfang zurück. Und dabei menschelt er so schön."

Zudem hat er Verständnis für alles und jeden. Dass die NSA ihn ausspäht, schmeichelt ihm eher: "Toll, die interessieren sich für mein Surfverhalten. Das gibt meinem Zeitverplempern am PC doch rückwirkend einen Sinn."

Den Model-Traum hat der Mann, der eigentlich Gerd Winter heißt und in Evershorst geboren ist, inzwischen ausgeträumt, so bekennt er. Der Versuch, unlängst in einer engen Garderobe eine ebenso enge Hose anzuprobieren, hätte seine Pläne urplötzlich ins Wanken gebracht. "Du wirst dich nie so schnell umziehen können", habe er bei sich gedacht und zeigt den Zuschauern in einem rasanten Gezappel die Plagen, denen ein Model backstage ausgesetzt sei. Es wäre ihm schon peinlich, wenn per Lautsprecher alle hören: Stop! Herr Evers ist noch nicht soweit.

 

Von Regine Buddeke

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