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Der skurrile Charme des Alltäglichen

Horst Evers amüsiert 600 Zuschauer in Neuruppin Der skurrile Charme des Alltäglichen

Der BND hat vom Lauschangriff des amerikanischen Geheimdienstes nichts gewusst, der Freundeskreis von Horst Evers dagegen schon. Und nicht nur das. Egal was passiert, irgendeiner tönt immer: War doch schon vorher klar. Passgenau hat Evers sein neues Programm auch "Hinterher hat man's meist vorher gewusst" betitelt. Das wollten viele Neuruppiner hören.

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Auch mimisch gelingt Horst Evers das große Drama.

Quelle: Henry Mundt

Neuruppin. Und weil 600 Gäste schon vorher wussten, was sie erwartet, war der Neuruppiner Stadtgarten am Freitagabend auch brechend voll.

"Zugabe", ruft ein Gast, als Evers die Bühne betritt. "Och nö", kontert Evers. "Irgendwann is auch mal gut!" Womit die drei Zugaben am Ende ebenfalls schon vorher besiegelt sind. Und dann sprudelt er los, der Mann mit der gemütlichen Ausstrahlung. "Sehe ich aus wie jemand, der schon vor 7 Uhr morgens Scherze macht?", fragt er. Nein, so sieht er wirklich nicht aus, aber im Laufe des Abends beschleicht einen der Verdacht: Doch, er tut es vermutlich. Er kann nicht anders.

Er wirkt irgendwie knuffig, wenn er da so vor sich hin plappert, die Augen aufreißt wie ein erschrockenes Reh, die Stirn runzelt und gestikuliert. Und dann prasseln zack-zack-zack die Pointen aus ihm heraus: trocken, unverhofft und überraschend. Das schafft er, ohne jemals unter die Gürtellinie zu geraten. Die kleinen skurrilen Dinge des Alltags machen den Charme seiner vorgetragenen Geschichten aus, gepaart mit Wortverliebtheit und Selbstironie. Er erzählt Episoden, die "alle von Anfang bis Ende komplett wahr sind. Aber sie sind nicht genauso passiert." Und um diese herum fabuliert er die Geschichte der Geschichte. Das zelebriert er so genüsslich, dass er selber mitunter in herzliches Lachen ausbricht - das Publikum tut es ohnehin nonstop. "Der ist so süß", sagt Anke Rosenau in der Pause. "Er kommt von einem Thema zum nächsten und findet am Ende immer wieder zum Anfang zurück. Und dabei menschelt er so schön."

Zudem hat er Verständnis für alles und jeden. Dass die NSA ihn ausspäht, schmeichelt ihm eher: "Toll, die interessieren sich für mein Surfverhalten. Das gibt meinem Zeitverplempern am PC doch rückwirkend einen Sinn."

Den Model-Traum hat der Mann, der eigentlich Gerd Winter heißt und in Evershorst geboren ist, inzwischen ausgeträumt, so bekennt er. Der Versuch, unlängst in einer engen Garderobe eine ebenso enge Hose anzuprobieren, hätte seine Pläne urplötzlich ins Wanken gebracht. "Du wirst dich nie so schnell umziehen können", habe er bei sich gedacht und zeigt den Zuschauern in einem rasanten Gezappel die Plagen, denen ein Model backstage ausgesetzt sei. Es wäre ihm schon peinlich, wenn per Lautsprecher alle hören: Stop! Herr Evers ist noch nicht soweit.

Besonders hat es ihm - we n wundert's - das   Pleitenprojekt BER angetan. Nee, das war klar, hätten seine Freunde gesagt. "Mich hat's überrascht", sagt Evers mit todernstem Gesicht. Und zeigt Verständnis: "Wenn ich baue, ist auch nicht alles pünktlich fertig." Die 65000Mängel könnten zum weltweiten Mitmach-Flughafen inspirieren. Jeder nimmt sich einen zur Brust. Ob das nun die zu kurze Rolltreppe sei oder das nicht ausschaltbare Licht. Und irgendwann wird morgens einer hinter der Zeitung sagen: "Du, der Flughafen ist fertig!" "Welcher Flughafen?" "Na der, wo Opa immer von erzählt hat." "Ach der. Meinst du, dass die wieder auf Flugzeugtechnologie umstellen?" Wohl eher nicht. Und BER wird gleich zum Museum. Hinterher haben wir es alle schon vorher gewusst! Zuallererst Horst Evers.

Von Regine Buddeke

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