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Teurer Radweg unbrauchbar

Bäume wachsen der Kommune Wittstock über den Kopf Teurer Radweg unbrauchbar

Der teuer gebaute Radweg zwischen Berlinchen und Dranse ist nutzlos. Er wurde entwidmet. Nach dem Wegebau waren Robinien am Wegesrand gepflanzt worden. Ein Fehler, wie sich nun herausstellte. Um künftig Wurzelaufbrüche zu verhindern, müsste zunächst die komplette Allee gefällt werden. Fahrradfahrer müssen auf der Straße radeln. Die Empörung ist groß.

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Durch Abklopfen mit dem Gummihammer hört Sachgebietsleiter Hans-Joachim Mantey, ob der Baum noch standsicher ist oder gefällt werden muss.

Quelle: Gerd-Peter Diederich

Wittstock. Seit vier Jahren dürfen Fahrradfahrer zwischen Berlinchen und Dranse einen damals extra im Auftrag der Kreisverwaltung neu gebauten Fahrradweg neben der Straße benutzen. Dieser Asphaltweg ist entwidmet worden, Radfahrer fahren nun auf eigenes Risiko darauf oder sie benutzen die Straße neben allen anderen Fahrzeugen. Das ist aus Sicht des Bauamtssachgebietsleiter Hans-Joachim Mantey, Herr über 60 000 Bäume auf 430 Quadratkilometern im öffentlichen Raum der Gesamtkommune Wittstock, im Einzelfall zumutbar. „Auf dieser Straße ist der Verkehr noch überschaubar. Den ehemaligen Fahrradweg können wir ohne entsprechende Fördermittelzuweisungen nicht erneuern“, sagt Mantey.

Im Jahr 2011 ist dieser kurz nach der Wende eigens für die damals im Erstaufnahmelager für Um- und Übersiedler in Dranse-Kuhlmühle untergebrachten Russlanddeutschen durch den Kreis neu gebaute Asphalt-Fahrradweg entwidmet worden. Denn an diesem Weg waren durch Fehlplanung die falschen Alleebäume gepflanzt worden. Robinien sind zwar heimische Bäume, aber sie werfen stachlige Astspitzen massenhaft ab, die sich leicht in jeden Fahrradreifen bohren. Auch die Wurzeln haben genug Kraft, um einfachen Radwegeunterbau zu durchbrechen. Genau diese Nachteile zusammen wirken auf diesen Weg ein und machen das Radfahren zum Risiko. Dem versuchte die Stadtverwaltung als Eigentümernachfolger vom Kreis durch die angeordnete Radwegentwidmung zu entgehen. Für einen Neubau brauchte die Stadt Fördermittel in beachtlicher Größenordnung, um den Weg auch mit Schutzmaßnahmen gegen Wurzelaufbrüche zu versehen, wie das kürzlich für den Kreisradweg Wittstock-Sewekow mit einem Riesenaufwand geschehen war. Selbst dann wäre zu überlegen, ob die Allee dieser Baumart weggenommen werden muss und andere Baumarten ersatzweise zu pflanzen sind. „Das Thema verfolgen wir nicht weiter, wegen fehlender Mittel und den sehr vitalen Robinien“, sagt Mantey.

Gefährliche Wurzelaufbrüche

Gefährliche Wurzelaufbrüche. Zwischen Dranse und Berlinchen kann niemand mehr auf dem Radweg radeln.

Quelle: Gerd-Peter Diederich

Mehr Sorgen bereiten ihm die zahlreichen anderen Bäume, die über 100-jährigen Eichen auf dem Wall um die Wittstocker Stadtmauer, die Bäume in der Wittstocker Heide und an anderen Rad- und Fußwegen. Mantey und zwei Mitarbeiter vom Bauhof sind als Baumsachkundige soweit qualifiziert, um über Gefahr in Verzug bei morschen oder trockenen Bäumen auch geeignete Schutzmaßnahmen für Leben und Gesundheit der Verkehrsteilnehmer zu entscheiden. Jährlich müssen Baumschauen stattfinden und sind aktenkundig nachzuweisen. Im Zweifelsfall wird ein qualifizierter Baumexperte zu Rate gezogen. Außerdem handele die Stadt zuerst im Sinne des Gesundheitsschutzes und veranlasse auch schon Mal gegen Bedenken der Naturschutzbehörde eine Fällung, wenn das Risiko unkalkulierbar wird. „Im Sommer haben wir sogar mit viel mehr Ast- und Kronenbrüchen und umfallenden Bäumen zu tun, als im Winter durch Wetter und Schnee“, sagt Mantey. Außerdem sei es auch nicht nur mit dem fällen erledigt, wie sich jetzt in Biesen mit den inzwischen vier gefällten großen Lindenbäumen zeigt. Dort treiben die Wurzeln trotzdem weiter und irgendwann schieben sich wieder neue Triebe aus dem Baumrest nach. Wenn jedoch sogar Bauwerke davon bedroht und zerstört werden, dann bleibe ohnehin keine Wahl. In Randow wurde jüngst ein Baum mit seinem Wurzelwerk ganz beseitigt, weil eine von den im Jargon genannten Krampfaderwurzeln bereits durch das Fundament und den Fußboden bis ins Schlafzimmer eingedrungen war. „Dann muss einfach alles gekappt werden“, sagt Mantey.

Der bedauerliche und sehr tragische Unglücksfall von Rathenow, bei dem ein abgestürzter Ast einen Passanten erschlagen hatte, stimmt auch Mantey nachdenklich. Es lasse sich aber nicht jedes Risiko vorhersehen. Wichtiger ist daher aus der Sichtweise des Bausachgebietsleiters für öffentliche Grünanlagen in Wittstock, dass sich alle Menschen der gefahren unter Bäumen bewußt sind. „Bei Gewitter und Unwetter am Besten niemals unter Bäume als Schutz stellen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit von Unwetterschäden gering sind, ist das Risiko nicht kalkulierbar und deshalb sollte man es gleich sein lassen und Bäume bei Unwetter meiden“, rät der Bauhof-Chef in Wittstock. Zudem habe die Rechtsprechung den Kommunen inzwischen attestiert, dass sie bei hinreichender Kontrolltätigkeit und Warnungen ihre Pflicht erfüllt haben. Dann können Schäden, wie vor einiger Zeit bei einem umgebrochenen Baum am Hotel Röbler Thor in Wittstock, mit einem dadurch schwer beschädigtem Dach und zwei beschädigten Autos, sogar zulasten dieser Besitzer gehen. Denn jeder müsse sich eines von Bäumen generell ausgehenden Risikos bewusst sein. Dieser Grundsatz lässt dann auch den Wittstocker Sachgebiets- und Bauhofleiter auch nach dem Rathenower Drama ruhiger schlafen.

Von Gerd-Peter Diederich

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