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Ostprignitz-Ruppin Deutsche Cadet-Meisterschaft lautet das Ziel
Lokales Ostprignitz-Ruppin Deutsche Cadet-Meisterschaft lautet das Ziel
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00:15 03.05.2017
Wusterhausens Nachwuchshoffnung im Segelsport, mittendrin: Clara. Quelle: Privat
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Wusterhausen

Das diesjährige Ansegeln beim Verein SG Wassersportfreunde Wusterhausen vom Sonntag dürfte mit der wichtigste Saisonstart der jüngeren Vereinsgeschichte gewesen sein. Denn die Ziele für 2017 dieses 1949 gegründeten Vereins mit seinen heute 140 Mitgliedern klangen seit langem schon nicht mehr so gewaltig. Gemeint sind dabei dieses Mal nicht die Drachenboot-Paddler unter ihnen, sondern die jungen Segler. Vorne dabei: Clara-Maria Fuchs, 11 Jahre alt, und damit die Jüngste im Wettbewerbskader des Vereins.

Auch Clara, seit gerade mal dreieinhalb Jahren Mitglied, hatte 2016 überraschend die Qualifikation für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in der Cadet-Klasse geschafft. 45 dieser Boote starteten, und beide Wusterhausener Teams belegten nicht die allerletzten Plätze. „Das war ein großartiger Jahresabschluss und ein Anfang, auf dem die Saison 2017 aufsetzen kann“, sagt der stolze Vater: Holger Fuchs.

Seglerlatein: erst der „Opti“, dann der „Cadet“

Die Wusterhausener Segler werden jetzt wieder bei Ranglisten-Wettfahrten mitmachen, etwa in Warnemünde, Prenzlau und Ribnitz-Damgarten. Denn die erneute Quali zur Deutschen Meisterschaft in der Cadet-Bootsklasse „ist jetzt auf jeden Fall ein klares Ziel für, und mit etwas Glück gelingt auch eine Teilnahme an der Cadet-Weltmeisterschaft in Holland“, sagt Fuchs.

Eins mit Wind und Wasser: die Segelboot-Sportler aus Wusterhausen. Quelle: Privat

Seine Tochter kannte das Vereinsleben schon durch ihren Bruder Richard und – klar – den Vater. Während eines Besuchs des alljährlichen Vereins-Segelcamps damals in Rathenow machte Clara im Alter von 6 Jahren erste Erfahrungen. „Mark, einer unserer Trainer im Verein, nahm sie an die Hand und kletterte mit ihr in einen ,Opti’, das Einhand-Ausbildungsboot für junge Segler. Mit ein paar Schaukelübungen testete er ihre Fähigkeit, die Balance zu halten. Kein Problem für sie mit ihrem wöchentlichen Tanztraining, aber eine wichtige Voraussetzung zum angstfreien Erlernen des Segeln“, erinnert sich Holger Fuchs.

Beim Ansegeln am Sonnabend in Wusterhausen. Holger Fuchs und seine Tochter Clara-Maria waren bei diesem Termin nicht dabei – sondern bereits bei einer Ranglisten-Wettfahrt im mecklenburgischen Güstrow vertreten. Quelle: Matthias Anke

Fortan trainierte sie zusammen mit anderen Kindern, die alle mindestens das „Seepferdchen“ vorweisen konnten. Stefan und Robert, ebenfalls Trainer im Verein, bringen es auf den Punkt: „Wer Spaß in und am Wasser hat und Begeisterung für Geschwindigkeit aufbringt, der ist bei uns richtig. Im Winter kann man mit Skiern wunderbar den Berg herunterfahren, aber im Sommer geht nichts darüber, bei gutem Wind mit einem Boot über den See zu gleiten.“ Und Birgit Micklich vom Vorstand sagt gerade auch mit Blick auf diesen Nachwuchs: „Es gibt so viele schöne Freizeitmöglichkeiten, die unsere Region so liebenswert machen und jedem zugänglich sind.“

Die Ansprache hielt auch zum diesjährigen Ansegeln der Wassersportfreunde-Vorsitzende Klaus Müller (l.). Das bot zugleich die passende Gelegenheit für Geburtstagsglückwünsche an ein Vereinsmitglied. Quelle: Matthias Anke

Höhepunkte im Segeljahr sind die Segelcamps im Sommer. Sowohl beim Segelverein Rathenow aber auch beim Segelverein Stahl Finow am Werbellinsee und an der Ostsee auf Fehmarn genoss auch Clara das intensive Training. Kinder wie sie haben zunächst mit den „Regatta-Optis“ immer viel Spaß. „Was ein ‚Optimist‘ als Ausbildungsboot bei den Einhand-Booten ist, das ist der ‚Cadet‘ bei den Zweihand-Booten: ein Ausbildungsboot für ein Team aus zwei Kindern. Das Boot ist schnell, leicht zu führen und enthält alle zentralen Elemente, die auch große Jollen und Segelbote besitzen: Großsegel, Vorsegel und Spinnacker, kurz Spi genannt“, erklärt Holger Fuchs: „Die Kinder lernen, Verantwortung im Team zu übernehmen, eine Rolle an Bord mit all ihren Aufgaben auszufüllen, gemeinsam ein Ziel zu erreichen.“

Die Kooperation mit dem Neuruppiner Verein RSN und seinen Cadet-Mannschaften half dem Wusterhausener Nachwuchs, im Cadet-Terrain Fuß zu fassen. Sowohl sie als auch der Kyritzer Segelverein richteten kurzerhand Ranglisten-Wettfahrten dieser Klasse aus. Doch dass sich dann gleich beide Cadet-Teams für Deutsche Meisterschaft in Bodstedt an der Ostsee qualifizierten, „kam doch überraschend“, wie der Vereinsvorsitzende Klaus Müller sagt: „Uns war klar, dass die Teams nicht ausreichend Zeit hatten, mit den Booten unter verschiedensten Bedingungen Erfahrungen zu sammeln. Aber der Verein stand jederzeit hinter ihnen und es gab auch Extra-Trainings zum Sonntag, um so viel wie möglich aus der eigenen Wettkampf-Zeit dem Nachwuchs mitzugeben.“

Auch die Drachenbootfahrer der Wassersportfreunde starteten am Sonnabend in die Saison. Der wichtigste Termin in diesem Jahr ist Sonnabend, 10. Juni. Dann gibt es in Wusterhausen nach dem Ausfall vom vorigen Jahr endlich wieder ein großes Rennen. Quelle: Matthias Anke

Erinnerungen an die großen Erfolge der Wusterhausener wurden und werden wach. Beispiele: 1963 holte sich der Verein den Wanderpreis des Bundes Deutscher Segler für die erfolgreichste Kinder- und Jugendarbeit. 1967 ersegelten die Schwestern Barbara und Beate Rättig den ersten Deutschen Meistertitel in der Klasse „Piraten weibliche Jugend”. 1969 ergatterten Klaus Müller und Arnim Heide (Lindow) den Deutschen Jugendmeistertitel der Klasse „Piraten Jugend“. Beate Rättig und Sabine Zerbe errangen den Titel „Beste Mädchenbesatzung der DDR” bei den „Piraten“. In den Folgejahren wurde Gerd Engel vier mal Bezirksmeister in der Optimistenklasse und drei mal bei den 420-er Jollen. Bei DDR-Meisterschaften und Spartakiaden ersegelte er Plätze im ersten Drittel. Ulf Lehmann wurde mit Christian Rättig Spartakiade-Sieger in der 420-er Klasse, viermaliger Deutscher Meister im „FD“, dreimaliger EM-Teilnehmer, 1989 Vizeeuropameister, Olympiateilnehmer und 1996 Weltmeister. Jörg Lehmann ist seit 1993 Bundestrainer der Olympischen 470-er Klasse.

Doch es hatte auch einen gewissen „Nachwende-Knick“ in Wusterhausen gegeben. Der aber ist nun längst ausgeheilt. Und jetzt, 2017, wird also erneut angegriffen.

Von Matthias Anke

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