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Ostprignitz-Ruppin Der DDR-Konsum kehrt zurück
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der DDR-Konsum kehrt zurück
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10:34 15.01.2014
Die Fassade des Hotels "Deutsches Haus“ in Lenzen wird komplett wieder hergestellt. Der rechte Gebäudeteil ist schon verputzt, es wird jedoch Fachwerk aufgemalt – so wie früher. Quelle: Michael Beeskow
Lenzen

Ein Angebot, das Reisende schwerlich ablehnen konnten, unterbreitete das Hotel "Deutsches Haus" in Lenzen: "Ältestes Spezial-Reise-Hotel"; "Helle freundliche Fremdenzimmer mit guten Betten", "Elektrisches Licht - Zentralheizung", "Vorzügliche Speisen und Getränke", "Verschließbare Autohalle - Ausspannung" und dann auch noch dies: "Hausdiener zu jedem Zug am Bahnhof". Denn in jener Zeit, als die obige Annonce geschaltet wurde, kamen die meisten Gäste noch mit der Bahn in die Löcknitzstadt.

Die Glanzzeiten des "Deutschen Hauses", die in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg liegen, gehören längst der Vergangenheit an. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude bekommt nach langer Zeit des Verfalls jedoch wieder eine Zukunft. Bauleute haben sich seiner angenommen.

Seit der Wende wird um das imposante Eckgebäude aus dem 18. Jahrhundert gegenüber der Katharinenkirche gerungen, dessen Einsturz eine städtebauliche Katastrophe für Lenzen bedeutet hätte. Zunächst versuchte sich eine Immobiliengesellschaft an dem "Deutschen Meier", wie das Hotel nach dem einstigen Besitzer Hermann Meier bei den Lenzenern noch heute heißt. Nach dem Erwerb 1994 für 1000 Mark sollte eine Million Mark in die Sanierung fließen, sogar ein Museum sollte eingerichtet werden, berichtet Bürgermeister Christian Steinkopf. Doch es tat sich nichts und nach Jahren ging die Gesellschaft in Insolvenz.

Schließlich erwarb der Förderverein Rudower See das vom Einsturz bedrohte Gebäude. Die Standsicherheit wurde hergestellt und auch das Dach neu gedeckt. Balken und Sparren sind vielfach erneuert. "Oft werde ich auf einen vermeintlichen Baufehler angesprochen", berichtet Christian Steinkopf. Dass das Dach durchhängt, sei aber gewollt. Die Denkmalpflege legte Wert darauf, dass der historische Charakter des um 1750 erbauten Fachwerkbaus nicht verloren geht.

Im vorigen Jahr kehrte der "Deutsche Meier" zurück in den Besitz der Stadt. Sie kaufte ihn dem Verein ab, um die Sanierung unter günstigen Förderbedingungen fortzuführen. Der Verein hätte einen hohen Eigenanteil aufbringen müssen. Die Stadt hingegen kann auf eine 80-prozentige Förderung der auf rund eine Million Euro geschätzten Baukosten hoffen. Derzeit wird das Fachwerk Stück für Stück erneuert.

Durchreisende staunen mitunter über die auffälligen Stütz- und Ständerkonstruktionen. "Zwei Drittel der Balken müssen wohl ausgetauscht werden", schätzt der Bürgermeister. Er ist guter Dinge, dass bis Ende des Jahres das riesige Gebäude bezugsfertig ist.

Die zahlreichen Räumlichkeiten werden nicht lange leer bleiben. Die Burg Lenzen und damit das Europäische Zentrum für Auenökologie, Umweltbildung und Besucherinformation wird in der oberen Etage mit einem Teil der Verwaltung einziehen. Damit werden in der ehemaligen Schule hinter dem Katharinenzimmer Räume frei. Das Gebäude hat der BUND Niedersachsen als Träger der Burg zum Gästehaus ausgebaut. Auch die Räume, aus denen die Verwaltung auszieht, können dann für Übernachtungen angeboten werden.

In den "Deutschen Meier" kehrt auch öffentliches Leben ein. Bekannte Lenzener Einrichtungen, die in den vergangenen Jahren von der Bildfläche verschwanden und bei der GWL am Bahndamm angesiedelt waren, bekommen eine neue Heimstatt. Der schon als legendär zu bezeichnende "DDR-Konsum" - ein vollständig erhaltener DDR-Dorfkonsum - wird wieder zu sehen sein. Ins Erdgeschoss ziehen die Lenzener Filzmanufaktur und ein Hofladen ein. "Sicher wird es auch einen Aufenthaltsbereich geben, wo man eine Tasse Kaffee trinken kann", stellt Christian Steinkopf in Aussicht. "Im Frühjahr 2015 rechne ich mit den ersten Besuchern", meinte der Bürgermeister.

Von Michael Beeskow

Zur Geschichte

Errichtet wurde das weitläufige Fachwerkgebäude gegenüber der Katharinenkirche nach dem großen Stadtbrand von 1703 in Lenzen – wahrscheinlich um 1750.

Das Hotel "Deutsches Haus“ befand sich lange Zeit in Familienbesitz. Unter Hermann Meier erlebte es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Blütezeit. Vor dem Gebäude befand sich sogar eine Benzinzapfsäule.
Da nach 1945 alle anderen Hotels von sowjetischen Truppen beansprucht wurden, bot es die einzige Hotel-Übernachtung. Als Lenzen 1952 dem fünf Kilometer breiten Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze zugerechnet wurde, verlor es seine Bedeutung. Der Übernachtungsbetrieb wurde aufgegeben.

Der Schankbetrieb jedoch wurde bis in die 1970er Jahre fortgeführt. Die Bahnlinie war längst von den Russen demontiert und Lenzen nur noch per Bus zu erreichen. Der Ausschank diente vielen als Wartestube, da der Bus vom Markt abfuhr.
1976 übernahm der VEB Gebäudewirtschaft Lenzen das Gebäude. Nicht nur die Gebäudewirtschaft hatte dort ihre Büros, sondern auch die "Naherholung Lenzen“ und die Stadtverwaltung.

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