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Ostprignitz-Ruppin Dicke Bretter, alte Balken
Lokales Ostprignitz-Ruppin Dicke Bretter, alte Balken
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18:58 18.10.2017
Das Wusterhausener Rathaus ist langfristig eine Baustelle. Das ist jetzt auch gut erkennbar. Quelle: Wolfgang Hörmann
Wusterhausen

Sitzungssaal bleibt Sitzungssaal. Im Wusterhausener Rathaus, da, wo sich bis vor einigen Wochen noch die Gemeindevertreter ihre Köpfe heißredeten, werden derzeit ganz andere dicke Bretter gebohrt. Und zwar jeden Montag. Immer ab 13 Uhr bittet dann der Architekt Wolfhardt Focke aus Potsdam zur Bauberatung.

Die vierte Auflage stand gerade erst an. Vom absehbaren Umbau des Stadtbild-prägenden Gebäudes künden längst Bauzaun und Gerüst. Man konnte es außerdem lesen. Auch der letzte Städter und seine Nachbarn sollten mittlerweise mitbekommen haben, dass die Gemeinde jetzt und wahrscheinlich in den nächsten anderthalb Jahren von der Alten Schule aus verwaltet wird – länger ist denkbar.

Im Haus am Markt haben die Restauratoren mittlerweile ihre Arbeit getan. Große Überraschungen im eher nüchtern anmutenden Verwaltungsgebäude aus dem 19. Jahrhundert sind ausgeblieben. Die Täfelung der abgehängten Decken hat zwar in einem Raum Malereien freigegeben, doch will sich dem Laien Ehrfurcht vor dem Blumenmuster nicht so recht einstellen. Es sieht nicht altertümlich aus.

Jetzt sind die ersten Gewerke an der Reihe, Maurer vorneweg. Mike Schiller vom Unternehmen Unibau aus Neuruppin ist an diesem 16. Oktober bei der Aufzählung der Aufgaben fast immer ein Ansprechpartner, Lars Schulz vom Kyritzer Unternehmen Gerüstbau Jasch nicht minder. Das besondere Augenmerk gilt aber diesmal einem Mann aus Schwerin. Uwe Schümann ist bestellter Sachverständiger für Holzschutz bei der dortigen Industrie- und Handelskammer. Dass der Mann aus der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern in Wusterhausen gerade sehr gefragt ist, hat mit seiner Profession zu tun. Der promovierte Ingenieur kann mit Hilfe bau-endoskopischer Untersuchungen den Zustand der tragenden Hölzer bestimmen. Das Verfahren beginnt mit dem Anbohren bestimmter Areale. Bevorzugt liegen die in der Nähe der Balkenköpfe. In die etwa 12 Millimeter großen Öffnungen hinein nimmt Schümann dann die Strukturen im wahrsten Sinne des Wortes in Augenschein. Mit Hilfe eines Endoskops guckt er ganz genau hin. Die Methode vermeidet Zerstörungen der Konstruktionen. Uwe Schümann ist am Montag nicht zum ersten Mal an die Dosse gekommen. Bereits vor anderthalb Jahren war er zu Voruntersuchungen im Rathaus, damals noch bei laufendem Betrieb, was ein exaktes Bild nicht immer möglich machte. Es zeichnete sich aber schon damals ab, dass eingemauerte Balkenenden in Außenwänden teilweise ziemlich hinüber sind. Die Sparren muss man in ihrer Gesamtheit deshalb noch nicht verwerfen. Es reicht, Abschnitte zu entfernen. Anlaschungen an den Enden können dann wieder die gewünschte Festigkeit geben. Die jetzigen Untersuchungen – auch um Schwammbefall zu entdecken - haben im aktuellen Zeitfenster Priorität. Sie setzen Bauarbeiten voraus, die wiederum von Männern im Bauhaupt-Gewerk zu leisten sind. Sie stemmen Mauerwerk weg, entfernen Teile der Dielen und von Fußbodenplatten. Allmählich wird deutlich, wie das Hand-in-HGand-Arbeiten vonstattengeht. Dabei gibt einer die Richtung vor, setzt Termine, behält die Übersicht über das große Ganze. Das ist der Architekt. Am Montag zum Beispiel vergisst Wolfhardt Focke nicht darauf hinzuweisen, dass die weit sichtbare Uhr am Portal ausgebaut und eingelagert werden muss, damit sie keinen Schaden nimmt. Andere Fragen werden aufgeworfen. Staubschutznetz oder Plane fürs Gerüst? Reicht an einer Stelle die Höhe der Barriere aus? Wo in den Räumen bleibt der Boden drin, wo kommt er komplett raus? Wie soll es mit der Winterbauheizung laufen? An welcher Stelle soll der anfallende Abfall lagern? Was muss getan werden, damit der Parkraum an der Baustelle nicht kleiner wird?

Dass im Trauzimmer noch die Gardinen hängen, kommt auch zur Sprache. Aber nur am Rande. Nächsten Montag trifft man sich wieder – im Ratssitzungszimmer a.D. Die Sitzungen sind nicht öffentlich.

Von Wolfgang Hörmann

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