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Die Angst vor Elstern wächst im Ruppiner Land

Immer mehr Beschwerden Die Angst vor Elstern wächst im Ruppiner Land

Bei der Naturschutzbehörde in Neuruppin gehen immer mehr Forderungen ein, etwas gegen den scheinbar wachsenden Bestand der Elstern zu unternehmen. Die Vögel mit dem schwarz-weißem Gefieder sind aus Sicht vieler Anrufer eine Gefahr für kleinere Singvögel. Das sieht die Naturschutzbehörde ganz anders. Gleichwohl wird auf Elstern inzwischen wieder geschossen.

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Immer öfter beschweren sich Leute, dass Elstern in ihrem Garten nisten und kleineren Singvögeln nachstellen.

Quelle: NABU

Neuruppin. Der Ruf nach einem wirksamen Bekämpfen von Elstern wird lauter. „Ich bekomme immer mehr Anrufe von Leuten, die sich über Elstern beklagen“, sagte am Mittwoch Anselm Ewert von der Unteren Naturschutzbehörde in Neuruppin. Mal heiße es, dass Elstern die Nester von kleineren Singvögeln ausnehmen; mal, dass sie ebenfalls Jungvögel erbeuten, die fast flügge sind. Das mag durchaus sein, sagte Ewert. Gefährlich sei das dennoch nicht, vielmehr handele es sich um einen ganz natürlicher Vorgang.

Die rote Liste der bedrohten Arten wird immer länger

„Die betroffenen Arten wie Finken, Drosseln und Laubsänger sind nicht weniger geworden. Sie gehören vielmehr zu den häufigsten Vogelarten“, betonte der Experte. Er hat eine Erklärung dafür, dass viele Menschen denken, dass der Bestand an Elstern ständig zunimmt. So sind deren Nester, die die Vögel im zeitigen Frühjahr meist in den Baumwipfeln bauen, recht gut erkennbar. Hinzu kommt, dass Pica pica, so lautet der lateinische Name der Elster, fünf bis sieben Nester baut – aber nur in einem wird genistet. Den Hauptgrund sieht Ewert allerdings darin, dass Elstern sich den Gegebenheiten anpassen und immer öfter auch in Dörfern und Städten siedeln. „Wir sehen Elstern jetzt einfach häufiger.“ Das liege nicht zuletzt daran, dass sich die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten geändert hat. Die meisten Felder werden intensiv und mit schweren Maschinen bewirtschaftet. Zudem werden immer mehr sogenannte Schädlingsbekämpfungsgifte eingesetzt. Das wirkt sich nicht allein auf die Pflanzen-, sondern ebenfalls auf die Tierwelt aus. „Die Roten Listen der bedrohten Arten werden immer länger“, so Ewert.

Seit 2008 dürfen Elstern wieder gejagt werden

Elstern sind nicht in ihrem Bestand gefährdet. Die Vögel mit dem schwarz-weiß glänzenden Gefieder passen sich an und ziehen immer öfter in Siedlungsbereiche der Menschen. Vermutlich auch deshalb dürfen Elstern seit 2008 in Brandenburg wieder gejagt werden. Das wird auch getan. In Ostprignitz-Ruppin wurden von 2012 bis 2014 mehr als 300 Elstern erlegt, in der Prignitz waren es in diesen drei Jahren sogar mehr als 600 dieser Tiere. Anselm Ewert hält davon überhaupt nichts. „Die Elster ist kein Schädling, und es gibt auch keine Überpopulation.“ Er hält das Jagen für reinen Aktionismus. „Wir machen uns was damit vor.“ Denn je mehr Elstern geschossen werden, um so höher sei die Reproduktionsrate der übrig gebliebenen Vögel, so dass der Bestand in kürzester Zeit wieder ausgeglichen ist.

„Natürlich ist es tragisch, wenn man im Garten ein Vogelhaus hat, dort Meisen nisten und die Jungtiere von einer Elster geholt werden“, räumte der Vogelschutzexperte ein. Aber das sei nun mal ein natürlicher Prozess. Wer kleineren Singvogelarten helfen wolle, könne das auf recht einfache Art machen – indem der Garten naturnah mit Büschen und Sträuchern angelegt wird. Auch sollte der Rasen nicht alle zwei Wochen gemäht werden. „Der Garten muss nicht klinisch rein sein. Das ist doch keine Intensivstation eines Krankenhauses“, betonte Ewert.

Waschbären breiten sich weiter aus

2867 Waschbären wurden im Jagdjahr 2013/14 im Landkreis Ostprignitz-Ruppin erlegt. Die Räuber, die eigentlich aus Nordamerika stammen, breiten sich nach wie vor schnell aus. In Märkisch-Oderland wurden fast 3500 Waschbären erlegt, in der Uckermark 3300, in der Prignitz mehr als 2700 dieser Tiere.

Die Kleinbären mit ihrem putzigen Aussehen wurden einst für Pelztierfarmen aus Amerika eingeführt. Sie wurden später ausgesetzt oder konnten sich befreien. Seitdem ist die Verbreitung der Waschbären kaum noch aufzuhalten. Die Tiere haben hierzulande keine natürlichen Feinde.

Waschbären räumen Vogelnester aus, erbeuten Eier, kleine Säugetiere und Lurche — und richten dadurch zunehmenden Schaden an. Das Bejagen hilft wenig: Die Population gleicht die Rückgänge in kürzester Zeit wieder aus.

Im Jagdjahr 2014/15 wurden in Ostprignitz-Ruppin 3851 Stück Schwarzwild erlegt, in der Prignitz 3199 Tiere. Beim Rehwild betrug die Strecke in Ostprignitz-Ruppin 5889 Tiere, in der Prignitz 6073.

Auch Muffelwild wird im Nordwesten gejagt. In Ostprignitz-Ruppin waren es 44 Tiere, in der Prignitz 128. Beim Damwild wurden in Ostprignitz-Ruppin 801 Tiere erlegt, in der Prignitz 141. Beim Rotwild, das bei vielen Jägern besonders begehrt ist, betrug die Strecke in Ostprignitz-Ruppin 1274 Tiere, in der Prignitz waren es 479 Tiere.

Von Andreas Vogel

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