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Die Bahnstrecke Rheinsberg – Zechlin

Flecken Zechlin Die Bahnstrecke Rheinsberg – Zechlin

Die alten Zeiten will wohl keiner mehr zurück. Die alte Bahnverbindung schon. Wo heute zwischen Rheinsberg und Zechlin nur in großen Abständen Busse fahren, rollten zwischen 1928 und 1945 stündlich Züge bis Berlin. Wilfried Schmidt, Flecken Zechliner Hobby-Historiker, hat in den alten Archiven gekramt.

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Diese historische Aufnahme zeigt den Brückenbau zwischen Kagar und Wallitz.

Quelle: Regine Buddeke (Repro)

Flecken Zechlin. Von den damaligen Bemühungen, die ländlichen Regionen an öffentliche Verkehrsmittel anzubinden, könnte sich „Die Bahn“ durchaus eine Scheibe abschneiden, findet Wilfried Schmitt. Der Flecken Zechliner Hobby-Historiker war nicht nur lange Zeit Ortsvorsteher in seinem Dorf und kennt die Nöte und Sorgen seiner Mitmenschen. Er ist auch Mitglied im Verein Stadtgeschichte Rheinsberg. Der gibt alljährlich einen Kalender heraus – in diesem Jahr steht er unter dem Motto: „Verlorene Orte“. Das Januarblatt widmet sich der historischen Bahnstrecke nach Flecken Zechlin, auf der von 1928 bis 1945 dreimal täglich vom Stettiner Bahnhof in Berlin bis nach Flecken Züge rollten.

„Das Eisenbahnnetz war damals so ausgebaut, dass jeder Ort im Kreis seinen Bahnhof hatte – in einer Höchstentfernung von zehn Kilometer“, schwärmt Schmidt, der sich ein halbes Jahr lang durch die Thematik gearbeitet hatte, und im Januar einen vielbesuchten Vortrag im Rheinsberger Ratskeller gehalten hatte. Bei der Vorbereitung haben die Vereine AG Rheinsberger Bahnhof sowie die „Freunde der Ruppiner Eisenbahn“ Unterstützung gegeben „Wir haben für die Präsentation alte Gemeindeprotokolle durchforstet, die ehemalige Rheinsberger Zeitung gewälzt und den Ruppiner Kreiskalender von 1930. Dazu das ‚Archiv Deutsche Privat-Kleinbahnen‘ studiert, den Lok-Report und diverse Chronikblätter der Märkischen Volksstimme“, erzählt Schmidt über die aufwändige Recherche.

Wir – das sind neben ihm seine Frau Heike und als dritte im Bunde Anneliese Loser. Die drei sind es auch, die in jedem Jahr eine Ausstellung in der Fleckener Kirche gestalten – mit der Historie von jeweils drei ausgewählten Orten Flecken Zechlins. In diesem Jahr wird das auch die besagte Bahnstrecke sein. „Aber auch den Vortrag werde ich wiederholen“, so der Ortshistoriker. Zu groß sei die Resonanz im Januar gewesen – mehr als 100 Gäste, freut sich Schmidt.

Wilfried Schmidt hat sich gründlich in die Materie eingearbeitet

Wilfried Schmidt hat sich gründlich in die Materie eingearbeitet.

Quelle: Regine Buddeke

Flecken Zechlin war schon seit Beginn des vorigen Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner. Zwar hieß es damals noch Sommerfrische statt Tourismus – dennoch sorgte die Zahl der Ausflügler dafür, dass die Fleckener samt der umliegenden Gemeinden alles daran setzten, dass die Bahnstrecke von Rheinsberg bis nach Flecken verlängert wurde. Bereits 1884 wurden in der Rheinsberger Stadtverordnetenversammlung Deputierte gewählt, die sich mit dem Thema ‚Sekundärbahn von Wittstock – Rheinsberg – Gransee‘ befassen sollten. In der Folge wurde geplant, Bahngesellschaften angeschrieben, Kommissionen gebildet. Pläne zum Bau weiterer Strecken im Kreis Ruppin, auch einer Bahnstrecke Löwenberg – Rheinsberg – Zechlin – Wittstock, nahmen bereits Anfang der 1890er Jahre Gestalt an.

Der Radenslebener Rittergutsbesitzer von Quast war Vorsitzender eines solchen Komitees. In einer Gründungsurkunde verpflichteten sich die Gemeinden, für den Bau der Eisenbahn zu wirken. Geplant war, dass diese den für den Bau benötigten Grund und Boden von den Besitzern anzukaufen und unentgeltlich abzutreten hatte. Als die Rheinsberger statt einer Kleinbahn eine „richtige“ haben wollten, reagierte von Quast empört: „Etwas ähnliches wie die Nörgeleien der Rheinsberger sei ihm noch nicht widerfahren“, belegen die Quellen.

Premiere

Premiere: der Eröffnungszug auf der Strecke Rheinsberg – Zechlin.

Quelle: Regine Buddeke (Repro)

1903 wurden erstmals Kosten von 100 Mark für die Vorarbeiten des Bahnprojekts Rheinsberg – Zechlin bewilligt. Trotz allen Hickhacks ging es vorwärts, wenn auch langsam: der Erste Weltkrieg und die folgende Inflation warfen das Vorhaben zurück. Erst am 15. Mai 1928 rollte – nach zweijähriger Bauzeit – der erste Zug auf der 13 Kilometer langen Nebenstrecke Rheinsberg – Flecken Zechlin. Sie war eine Fortsetzung der Eisenbahn von Löwenberg nach Rheinsberg. „Trotz der wirtschaftlich schweren Zeit ist der Ruppiner Eisenbahn als Bauherrin die Finanzierung des Vorhabens gelungen, wobei die … Gemeinden und die Kreise Ruppin und Ostprignitz sich namhaft beteiligt haben“, schreibt dazu der damalige Eisenbahndirektor Hoffmann. 450 000 Kubikmeter Boden seien zur Herstellung des Planums bewegt worden, hat Schmidt recherchiert. Moorige Wiesen und der Bau von zur Überbrückung nötigen Dämmen hätten die Arbeiten erschwert. Zudem mussten eine massive Eisenbahnbrücke über den Rhin, zwei hölzerne Wegeüberführungen sowie eine Chausseeunterführung gebaut werden. „Möge die neue Bahn dem erschlossenen Gebiet … die erwünschte Entwickelung bringen“, schließt der Bahndirektor seinen Bericht.

1945 wurden die Schienen demontiert

Die Freude sollte nicht lange währen. 17 Jahre rollten die Züge – bis zum 9. August 1945. Dann rissen die russischen Truppen die Bahn ab – als Reparationsleistung. „Es fuhr ein Zug mit deutschen Kriegsgefangenen bis Zechlin, um rückfahrend die Schienen abzubauen“, erläutert Schmidt. „Einheimische erinnern sich, dass die Schwellen später mit dem Hakenpflug herausgerissen wurden.“

Nur der Intervention der damaligen Zechliner Bürgermeisterin, die einen Brief an die Direktion der Ruppiner Eisenbahn schrieb, sei es zu danken, dass der Rückbau nicht bis Löwenberg fortschritt, sondern in Rheinsberg stoppte. „Der Abbau hat hier eine tiefe Niedergeschlagenheit verursacht“, schrieb sie. „Die Bahn ist hier zur Lebensnotwendigkeit geworden.“ Stattdessen wurde 1946 ein Autobusverkehr zwischen den Orten installiert. Für Zechlin ist nichts geblieben von der alten schnellen Bahnanbindung nach Berlin. Nur ein Bild mit Blick über den Schwarzen See, das einst zwischen den Bildern von allen anderen Endbahnhöfen der Eisenbahn im Stettiner Bahnhof in Berlin hing, ist heute noch erhalten. Es hängt heute in der Rheinsberger Tourist-Information.

Von Regine Buddeke

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