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Die DDR darf weiterleben

Lesung in Kyritz Die DDR darf weiterleben

Der Autor Thomas Brussig las am Mittwochabend in Kyritz aus seinem Buch „Das gibt’s in keinem Russenfilm“. Darin lässt er den Mauerfall einfach nicht stattfinden. Die DDR lebt weiter – und mit ihr viel wohlbekannte DDR-Prominenz.

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Der Autor Thomas Brussig mit der Bücherfee, Bibliothekarin Juliane Popp aus Kyritz.

Quelle: Renate Zunke

Kyritz. Was wäre aus mir geworden, wenn die DDR nicht untergegangen wäre? Wie hätte sich dieses kleine Land entwickelt, in dem zur Zeit des Mauerfalls der Mangel herrschte, es keine Reisefreiheit gab, die Stasi das Volk überwachte. Was wäre wenn? Ein beliebtes Gedankenspiel, aus dem sich literarisch durchaus etwas machen lässt. Thomas Brussig hat es bewiesen.

Der Schriftsteller und Drehbuchautor las am Mittwochabend im Kyritzer Möbelhaus Wagnitz innerhalb der Reihe „Literarischer Bilderbogen“ aus seinem jüngsten Buch „Das gibt’s in keinem Russenfilm“. Hier lässt er den Mauerfall einfach nicht stattfinden. Die DDR lebt weiter und mit ihr viel wohlbekannte DDR-Prominenz.

Zur Idee: Er sei gebeten worden, anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls etwas zu schreiben, erzählte Brussig in Kyritz. Blitzartig sei ihm der Gedanke gekommen: „Die Bedeutung des Jubiläums ist nur fassbar, wenn man überlegt, es hätte den Mauerfall nicht gegeben.“ Ihm sei dann allerdings auch klar geworden: „Wenn ich das Weiterleben der DDR nach dem 9. November 1989 in einem Buch literarisch verarbeitete, dann muss auch für die DDR eine Entwicklung stattfinden.“ Diese Entwicklung nun mitzutragen, dazu sind die Leser aufgefordert.

Zunächst nimmt man das Buch als autobiografischen Roman wahr. Was anfangs passiert, das ist zum Teil auch tatsächlich geschehen. Geprägt von Erinnerungen, beschreibt der 1964 geborene Brussig sein Leben in der DDR bis 1989. Dann lebt er in einer fiktiven Welt, wird unfreiwillig zum Dissidenten, weil er bei einer Signierstunde auf dem Berliner Alexanderplatz den Politbüro-Mann Günter Schabowski nicht erkennt. Seinen Romanhelden nennt der Autor „Thomas Brussig“, der wie er selbst den Erfolgsroman „Helden wie wir“ geschrieben hat. In der DDR lässt er eine kapitalistische Wirtschaft unter Führung der Partei entstehen, ähnlich wie in China. So will man zum Beispiel mit der Erzeugung von Windenergie und deren Speicherung in Fahrzeugbatterien das Monopol der Ölscheichs unterwandern. Der Romanheld ist ein Gegner dieser Methode, denn die E-Mobile verursachen viele Unfälle, weil sie sehr leise sind. Solch ein tödlicher Unfall geschieht im Roman auch den vom Protagonisten sehr geschätzten Lothar Bisky. Sowieso gibt es im Buch viele prominente Namen. An der Staatsspitze folgt Egon Krenz Erich Honecker. Die DDR richtet sich neu aus, erlaubt Auslandsreisen. Nur mit der Meinungsfreiheit bleibt alles beim Alten. Oskar Lafontaine wird Bundeskanzler, Sahra Wagenknecht Nachrichtensprecherin der „Aktuellen Kamera“. Wolfgang Thierse mutiert zum erfolgreichen Verleger. „Den kann ich mir gut als Verleger vorstellen. Eigentlich habe ich vielen im Buch nur Gutes getan“, stellte Brussig in Kyritz fest.

Den Einwand von Karin Kloke, Chefin des kreislichen Medienzentrums, dass Christa Wolf ja nicht so gut wegkommt, ließ Brussig nicht gelten. Er forderte den sofortigen Beweis. Die Textstelle ließ sich dann auf die Schnelle nicht finden. Mag es der aufmerksame Leser nachprüfen. Doch nicht nur deshalb ist das Buch lesenswert.

Zur nächsten Lesung innerhalb der Reihe „Literarischer Bilderbogen“ wird für Freitag, 27. November, nach Rheinsberg eingeladen. Dort liest ab 19.30 Uhr der Schauspieler und ­Autor Joe Bausch aus seinem Buch „Knast“.

Von Renate Zunke

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