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Ostprignitz-Ruppin „Die DDR hat einen Riesenfehler begangen“
Lokales Ostprignitz-Ruppin „Die DDR hat einen Riesenfehler begangen“
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00:37 12.03.2018
Marialuise und Wolfgang Marx prägten einst den OTB „Ernst Lück“ in Wittstock mit ihren Ideen und Erfindergeist. Quelle: Christamaria Ruch
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Sewekow/Wittstock

„Der OTB war unser Leben“, sagt Marialuise Marx. Von 1970 bis 1989 war die heute 78-Jährige im einstigen Obertrikotagenbetrieb (OTB) „Ernst Lück“ in Wittstock tätig. Ihr Mann Wolfgang begann Ende 1969 dort zu arbeiten und stieg im Sommer 1988 aus.

Marialuise und Wolfgang Marx blickten in dieser Woche beim monatlichen Seniorentreffen in Sewekow auf ihre Zeit in der Textilproduktion zurück (die MAZ berichtete). Beide unterstützten nun als Zeitzeugen die Wittstocker Museumsleiterin Antje Zeiger bei der Vorbereitung der Sonderschau „Vom Tuchmacherhandwerk zur industriellen Textilproduktion.“

Neue Ausstellung im Museum Alte Bischofsburg

Diese Ausstellung wird am Mittwoch, 14. März, um 18 Uhr in den Kreismuseen Alte Bischofsburg eröffnet und kann bis 3. Juni besucht werden.

Das Ehepaar Marx arbeitete zunächst in einem Textilgroßbetrieb in Mühlhausen (Thüringen). „1969 wurden wir vom OTB in Wittstock angeworben“, sagt Marialuise Marx. Sie lernte die Textilproduktion von der Pike auf: Stricker, Meister, Fernstudium in der Textilgestaltung.

Aus dem Eichsfeld nach Wittstock

Der 82 Jahre alte Wolfgang Marx war Textilingenieur und übernahm in Wittstock zunächst als Direktor die Berufsschule im OTB mit 200 Lehrlingen. „Wir haben unser 200 Jahre altes Vaterhaus im Eichsfeld verkauft und sind nach Wittstock gezogen“, sagt sie.

Die heute liebevoll sanierte Stadt trug bei Marialusie Marx damals den Namen Krückstock. „Wir hatten Mut, Phantasie und Lust auf Neues und wollten dieses Projekt anpacken“, umschreibt sie ihre Motivation für diesen Umzug. Das Ehepaar hat vier Kinder.

Thoraf Marx im alter von 12 Jahren als OTB-Modell. Quelle: Christamaria Ruch

Marialuise Marx leitete die Entwicklungsabteilung und war mit 45 Mitarbeitern für die Musterherstellung zuständig. „Die Probleme lagen im Zeit- und Materialfonds: Jeder Artikel musste in der Produktion richtig anlaufen“, sagt sie. Jeder Artikel wurde auch im Foto festgehalten. Dann holt sie zwei Aufnahmen von 1975/1976 heraus, auf denen ihre Kinder zu sehen sind: Marion Marx, damals 15 Jahre alt, und deren zwölf Jahre alter Bruder Thoralf standen als Modelle bereit. Marion trägt einen Jaquardrock und ein Oberteil aus Polyester. Thoralf sieht in seinem Nadelstreifenoberteil im Marinelook schick aus. Auf jedem Bild ist die Artikelnummer vermerkt.

Heute ist Wollitex in Paris angesagt

Wolfgang Marx steht für die Entwicklung von Wollitex und Modal. Wollitex ist eine Mischung aus Polyester und Polyamid. „Mit einer bestimmten Wirktechnik wurden beide Stoffe verbunden, und bei der Färbung sah der Stoff dann meliert aus“, so Wolfgang Marx. Christa Löchel, Ökonomin und Mitarbeiterin bei Marialuise Marx und nun Gast beim Seniorentreffen in Sewekow, ergänzt: „Die DDR hatte einen Riesenfehler begangen und keine Patente auf diese neuen Verfahren angemeldet. Heute wird Wollitex in Paris genutzt und ist dort angesagt.“

Marion Marx als 15-Jährige mit Jaquard-Rock aus Wittstock. Quelle: Christamaria Ruch

Auch Modal geht auf den Erfindergeist von Wolfgang Marx zurück. „Kunstfaser und Polyester werden dabei verwendet, das ist ein sehr weicher, flauschiger und griffiger Stoff, der an Wolle erinnert“, so Wolfgang Marx.

Die 79 Jahre alte Christa Löchel begann wie Marialuise Marx Anfang 1970 im Großbetrieb. „Das war mein Leben und meine Heimat. Ich habe nie verstanden, warum das alles nach der Wende so sang- und klanglos aufgegeben wurde, denn das war einer der modernsten Betriebe im Osten“, sagt sie. Christa Löchel wurde im Frühjahr 1992 entlassen.

„Sie haben uns ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“

Wittstocker Obertrikotagen genossen einen guten Ruf. „80 Prozent der Produktion gingen in den Westen, 15 Prozent zu den Russen und fünf Prozent blieben in der DDR“, sagt Christa Löchel. „Wenn die Einkäufer aus dem Westen kamen, haben sie uns wie eine Weihnachtsgans ausgenommen und gesagt, dass sie in Asien sehr günstig einkaufen konnten“, sagt Wolfgang Marx. Und: „Ich habe mich über die Politiker geärgert, die so einen Betrieb der Weltspitze kaputt gemacht haben.“

Im Oktober 1992 folgte die Gesamtvollstreckung. Damit endete die Textilproduktion in Wittstock nach 667 Jahren, denn seit 1325 wurde die Stadt von Tuchmachern geprägt.

Von Christamaria Ruch

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