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Die Heide wird nun auch vom All aus erforscht

Bombodrom Die Heide wird nun auch vom All aus erforscht

Dank eines auf sechs Jahre angelegten Projektes von Sielmannstifung und dem Geoforschungszentrum Potsdam kann die Kyritz-Ruppiner Heide nun auch vom All aus erforscht werden. Wissenschaftler nutzen dabei Daten von zwei Satelliten, die diese mit spezieller Technik aus knapp 800 Kilometern Höhe gewinnen. Dabei geht es eigentlich um den Klimaschutz.

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Eines der Satellitenfotos von der Kyritz-Ruppiner Heide.

Quelle: GFZ Potsdam

Neuruppin. Das einstige Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide wird jetzt auch vom All aus erkundet. Mitarbeiter des Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam dürfen dabei kostenlos auf Fotos zurückgreifen, die seit zwei Jahren vom Satelliten Sentinel 2a aus einer Höhe von knapp 800 Kilometern mit spezieller Technik aufgenommen werden. Der Satellit wurde im Juni 2015 von der Europäischen Weltraumbehörde ESA mit einer Vega-Rakete vom Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana ins All befördert, um Daten für den Klimaschutz, zur Landüberwachung sowie zum Katastrophen- und Krisenmanagement auf der Erde zu liefern. Inzwischen gibt es auch Daten von Sentinel 2. Der Erdbeobachtungssatellit wurde am 7. März ins All geschossen.

Daten aus der Luft zu gesperrten Gebieten

Von den Daten will die Heinz-Sielmann-Stiftung, die knapp 4000 Hektar der rund 12 000 Hektar großen Heide betreut, profitieren. Die Stiftung arbeitet deshalb mit dem Geoforschungszentrum zusammen, um möglichst genaue Erkenntnisse zur Tier- und Pflanzenwelt in der Heide zu erhalten. Denn der größte Teil des einstigen Truppenübungsplatzes ist auch nach der Freigabe eines zweiten Wanderweges gesperrt. Grund: In der Erde liegen noch unzählige scharfe Bomben, Granaten und Minen. Es sind Hinterlassenschaften einer vergangenen Zeit: In dem Gebiet hatten sich sowjetische Soldaten von 1952 bis 1993 auf Kriegseinsätze vorbereitet und dazu das Abwerfen von Bomben trainiert, auch Panzerschießübungen gehörten dazu. Das Betreten des sogenannten Kernbereiches der Heide, in dem besonders viele Blindgänger liegen, bleibt deshalb vermutlich auch in den nächsten Jahren verboten. Die Sielmannstiftung aber nicht nur wissen, wie sich die Heide in den Bereichen entwickelt, in denen keine Bomben liegen und die sie deshalb vor Ort untersuchen kann. Vielmehr geht es ebenfalls um die Tier- und Pflanzenwelt in den gesperrten Gebieten sowie um Konzepte, wie die Heide erhalten werden kann. Denn damit die Heide nicht zuwächst und zu Wald wird, müssen Jahr für Jahr Flächen in Brand gesetzt werden. Die Frage ist, welche anderen Möglichkeiten es gibt.

Auch ein Mäh-Roboter für die Heide ist im Gespräch

Geprüft wird deshalb in dem auf sechs Jahre angelegten Projekt „Natec“, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, ob eine ferngesteuerte Mäh-Maschine für die Heide sinnvoll wäre, die spätestens ab 2022 eingesetzt werden könnte.

Rainer Entrup von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der die Heide gehört, glaubt, dass das „kompliziert“ wird. Denn bei jedem Metallfund muss geprüft werden, ob es sich um scharfe Munition handelt. Dann muss erst einmal der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei entscheiden, was damit passiert. „Es gibt sehr viel Metall im Kerngebiet“, so Entrup. Gleichwohl findet der Bundesförster das Projekt gut. Entrup kann sich vorstellen, dass so ein Mäh-Roboter in der Rüthnicker oder in der Döberitzer Heide eingesetzt werden könnte.

Überflüge während der Heideblüte

Bis ein Prototyp dieser Technik fertig ist, der vermutlich so groß wie ein Lkw sein wird, dürfte es noch zwei, drei Jahre dauern. Klar ist indes, dass sich die Forscher nicht allein mit den Daten der zwei Satelliten begnügen. Vielmehr soll bereits im August zur Heideblüte das Areal nicht nur mit Drohnen überflogen werden, sondern ebenfalls mit einem Kleinflugzeug, das mit einer speziellen Kamera ausgerüstet wird, sagte am Montag Carsten Neumann vom GFZ in Potsdam.

Bundeswehr scheitert mit ihren Plänen

Gut 12 000 Hektar umfasst die Kyritz-Ruppiner Heide. Sie diente seit 1952 der sowjetischen Armee als Truppenübungs- und Bombenabwurfplatz.

Die Bundeswehr wollte den Platz übernehmen, scheiterte aber am jahrelangen Widerstand der Anwohner, die zahlreiche Gerichtsprozesse gewannen.

Seit 2012 kümmert sich die Sielmannstiftung um rund ein Drittel der Fläche. Diese ist weniger mit Munition belastet als andere. Der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gehört die Heide.

Ziel des Projektes „Natec“ ist es, Naturschutz und Technik zu verbinden. Das Projekt, das vom Bund gefördert wird und bei dem auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitmacht, ist auf sechs Jahre angelegt. Es wird mit gut drei Millionen Euro gefördert.

 

Von Andreas Vogel

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