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Die Heimkehr des Taufengels

Nach 25 Jahren wieder in der Kirche in Goldbeck Die Heimkehr des Taufengels

Er schwebt. Knabenhaft schön sieht der barocke Taufengel aus. Nach mehr als 25 Jahren kehrte die mannshohe Figur am Sonntag an seinen angestammten Platz in die Kirche in Goldbeck zurück. Nordwestlich vom Altar schwebt er im Raum. Auf den Buckel hat er mehrere Jahrhunderte und ein "schwieriges Bad".

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Pfarrer Markus Seefeld nahm den restaurierten Taufengel am Sonntag wieder in den Dienst.

Quelle: Christamaria Ruch

Goldbeck. In einer Andacht nahm die Kirchengemeinde Dosse-Brausebach den restaurierten Taufengel in der Kirche in Goldbeck wieder in den Dienst. Allerdings wird die erste Taufe innerhalb eines Gottesdienstes erst am 1. August am Taufengel vollzogen.

Mit der Rückkehr schließt sich zugleich ein Kreis, denn Ende der 1980er Jahre verschwand der Engel aus Goldbeck. Die Kirche befand sich damals in einem baufälligen Zustand – der letzte Gottesdienst fand bereits Heiligabend 1985 statt. „Damals mussten wir befürchten, dass auch der Engel durch Vandalismus zerstört wird“, sagte Christian Dörendahl am Sonntag am Rande der Veranstaltung. Dörendahl ist Vorsitzender des Gemeindekirchenrats (GKR) Dosse-Brausebach und zeichnet mit verantwortlich für die Kirche in Goldbeck. „Wir haben den Engel damals nach Dossow ausgelagert.“ Auf der Empore der Kirche fand er Asyl. Doch vor neun Jahren begann eine neue Zeitrechnung für die Goldbecker Kirche und damit auch für den Engel. Mit einem Gottesdienst zu Heiligabend 2006 machte die Kirchengemeinde in Goldbeck erstmals wieder auf sich aufmerksam. „Damals stellten wir auch in einem Gemeindebrief die Idee vor, Spenden für die Restaurierung des Taufengels zu sammeln“, sagte Dörendahl.

Insgesamt 2000 Euro flossen seit Herbst letzten Jahres in die Schönheitskur für diese Figur. Restaurator Jochen Hochsieder erhielt dafür den Auftrag: „Die Figur stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vermutlich zwischen 1720 und 1730 ist der barocke Engel entstanden – das war damals eine Hochzeit für Engel. Und: „Die Figur war gerissen, an vielen Stellen war das Holz verworfen und auch am Kopf gespalten.“ Dies führt Hochsieder auf eine unsachgemäße Restaurierung zu DDR-Zeiten zurück: „Der Engel wurde vermutlich in den 1970er Jahren in ein Laugenbad getaucht, um die alte Farbe herunter zu holen.“ Das Laugenbad beurteilt Hochsieder als „schwierige Behandlungsmethode, die eben auch zu Rissen und Verwerfungen führt.“ Im Zuge seiner gut sechswöchigen Feinarbeit entfernte Hochsieder auch zehn Nägel von jeweils gut zwölf Zentimeter Länge aus dem Lindenholz. Auf der Rückenseite der Figur sind auch jetzt noch Nägel am Übergang zu den Flügeln sichtbar. „Mehr konnte ich nicht entfernen, sonst wäre der Engel noch mehr in Mitleidenschaft geraten.“ Insgesamt schätzt Hochsieder acht bis zehn Einzelteile, die am Ende zu dieser filigran wirkenden Figur zusammengesetzt sind. Behutsam ging er zu Werke, leimte lose Teile ein, retuschierte Fehlstellen und fügte auch am rechten Fuß den fehlenden großen Zeh wieder ein. Die Farbe reinigte er nur. „So wie er ursprünglich aussah, finde ich diese Farbe sehr gut“, sagt Jochen Hochsieder. Und: „Es gibt auch andere Engel, die so bunt aussehen wie eine Rummelfigur.“ Lindenholz zeichnet sich durch besonders feinfaserige Strukturen aus und ist ein gängiges Holz für Figuren.

Pfarrer Markus Seefeld stellte seine Andacht unter das Wort aus Psalm 91. Dort heißt es: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ Vielleicht hat „der Bildhauer dieses Engels diesen Psalm vor Augen gehabt“, so Seefeld. Denn diese knabenhafte Figur „könnte ein Kind halten, das zur Taufe getragen wird.“ In der linken Hand hält der Engel eine Muschelschale, in die das Taufwasser gefüllt wird. Das weiße Kleid mit der blauen Borte umschrieb Markus Seefeld als „Kittelgewand, das sehr dynamisch wirkt.“ Engel sprechen laut Seefeld „emotional an und lassen die geheimnisvolle Nähe zu Gott erahnen.“ Anschließend segnete er Gemeindeglieder mit dem Taufwasser aus der Muschelschale. „Das ist eine Tauferinnerung“; so Seefeld. Frauke Hoffmann, Antje Simon und Carsten Schober aus Dossow umrahmten die Andacht musikalisch. Besonders der italienische Pilgerruf beeindruckte – auch dabei konnten die gut 35 Besucher mitsingen.

Schritt für Schritt saniert

  • Neben dem barocken Taufengel konnten nun ebenfalls die Bleiglasfenster in der Kirche saniert werden. Dafür fielen Kosten in Höhe von 2000 Euro an.
  • Auch diese Mittel kamen wie beim Taufengel ausschließlich durch Spenden zusammen.
  • Neun Teilelemente waren durch Vandalismus zerstört. Vor zwei Wochen setzte eine Glaserei aus dem mecklenburgischen Plau am See diese sanierten Fenster wieder ein.
  • Außerdem fertigte Gottfried Gilde aus Dossow ein Stehpult aus Eichenholz an.

Von Christamaria Ruch

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